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Nach Sturm auf US-Kapitol: Jon Schaffer stellt sich der Polizei
International 2 Min. 18.01.2021

Nach Sturm auf US-Kapitol: Jon Schaffer stellt sich der Polizei

Der Gitarrist der Power-Metal-Band Iced Earth, Jon Schaffer (in blau), bei der Stürmung des Kapitols am Mittwoch.

Nach Sturm auf US-Kapitol: Jon Schaffer stellt sich der Polizei

Der Gitarrist der Power-Metal-Band Iced Earth, Jon Schaffer (in blau), bei der Stürmung des Kapitols am Mittwoch.
Foto: AFP
International 2 Min. 18.01.2021

Nach Sturm auf US-Kapitol: Jon Schaffer stellt sich der Polizei

Tom Rüdell
Tom Rüdell
Der Metal-Gitarrist war bei der Erstürmung des US-Kapitols dabei. Nun wurde er festgenommen. Laut FBI war er beim Kapitolsturm bewaffnet.

(TJ/tom) - Jon Schaffer, Songwriter und Gitarrist, ist in Haft. Das melden Medien am Montag. Schaffer war an der Erstürmung des US-Kapitols beteiligt gewesen.


Der Gitarrist der Power-Metal-Band Iced Earth, Jon Schaffer (in blau), bei der Stürmung des Kapitols am Mittwoch.
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Fotos aus dem Kapitol zeigen ihn mit einer Spraydose in der Hand. Das Pfefferspray dient Wanderern und Campern in der amerikanischen Wildnis zur Selbstverteidigung gegen Bären.

Mehrere Tage lang hatte die amerikanische Polizei deswegen nach Schaffer gefahndet, am Sonntag soll er sich den Beamten gestellt haben. Das berichtet zumindest die Lokalzeitung „Indy Star“ aus Schaffers Heimatstadt Indianapolis.

Insgesamt werden Schaffer mindestens sechs Vergehen vorgeworfen, das geht aus einem online nachzulesenden Dokument des US-Justizministeriums hervor:

  • Wissentliches Eindringen und Verbleiben in einem abgesperrten Gebäude oder Grundstück ohne gesetzliche Berechtigung; 
  • Stören des ordentlichen Ablaufs der Regierungsgeschäfte;
  • Wissentliche Beteiligung an körperlicher Gewalt gegen Personen oder Eigentum in einem abgesperrten Gebäude oder Grundstück;
  • Gewaltsames Eindringen und ordnungswidriges Verhalten in einem Gebäude des Kapitols;
  • Beteiligung an körperlicher Gewalt in einem Gebäude des Kapitols 
  • Aufmarschieren, Demonstrieren oder Aufstellen von Streikposten in einem Gebäude des Kapitols.

 Pfefferspray gegen Sicherheitsbeamte  

Von Interesse ist außerdem der Bericht des FBI-Agenten, der mit Schaffers Fall betraut ist. In dem Papier, das als Begründung für die sechs Anklagepunkte dient, heißt es, Schaffer habe „Bear Spray“ gegen Beamte der Capitol Police eingesetzt. Auf beigefügten Fotos ist auch die entsprechende Dose zu sehen. Der Bericht geht auch auf Schaffers Weltanschauung ein, die er bereits zu früheren Gelegenheiten offen in Interviews vertreten hatte, zuletzt im November 2020 bei einer früheren Demonstration in Washington. 

Auf Distanz

Seine Musikerkollegen und zahlreiche Fans haben sich öffentlich von Schaffer, der bei Bands wie Iced Earth, Demons & Wizards und Sons of Liberty beschäftigt war, distanziert - wobei zumindest seine Kollegen in ihren Statements eventuelle Konsequenzen Schaffer betreffend auffällig offen gelassen haben. Inzwischen fordern allerdings bereits die ersten Fans Geld aus einer Crowdfunding-Kampagne zurück, die der 52-Jährige Musiker angestoßen hatte. Auf der Plattform Kickstarter hatte Schaffer Geld für ein Buchprojekt eingeworben: „Wicked Words and Epic Tales“ sollte eine illustrierte Textsammlung aus Interviews, Songtexten und Hintergrundberichten sein. 


Demonstrators hold a protest against Brazil's President Jair Bolsonaro's measures to confront the COVID-19 coronavirus pandemic, in front of the Planalto presidential palace, in Brasilia, Brazil, on January 17, 2021. (Photo by Sergio LIMA / AFP)
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Rund 100.000 US-Dollar sind bisher dafür zusammengekommen - doch auf der Website mehrt sich, ähnlich wie auf den offiziellen Bandseiten auf Facebook und Instagram, die Kritik. Die Bandbreite reicht von besorgten Anfragen, ob das Buch „im Licht der jüngsten Ereignisse“ überhaupt erscheint, über die Frage, wo man sein Geld zurückverlangen könne („ich unterstütze keine Terroristen“) bis hin zum überdeutlichen „Ich war seit meiner Kindheit Fan, habe Platten gekauft, bin zu Konzerten gegangen, aber mal ernsthaft, f*ck you, Jon. Ich will mein Geld zurück, verkauf deinen Nazischeiß jemand anders, ich unsterstütze keine Nazis.“   

Die Hafstrafe, die Jon Schaffer droht, ist also nur eines seiner Probleme - er dürfte danach auch Schwierigkeiten haben, seine musikalische Karriere fortzusetzen. Im Zusammenhang mit den Krawallen gab es bereits mehrere Festnahmen in den USA.

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