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Nach schwerem Unfall in Berlin: "SUVs aus Städten verbannen"
International 3 Min. 09.09.2019

Nach schwerem Unfall in Berlin: "SUVs aus Städten verbannen"

Blumen und Kerzen an der Stelle, an der am Freitagabend in Berlin vier Menschen bei einem Verkehrsunfall gestorben waren.

Nach schwerem Unfall in Berlin: "SUVs aus Städten verbannen"

Blumen und Kerzen an der Stelle, an der am Freitagabend in Berlin vier Menschen bei einem Verkehrsunfall gestorben waren.
Foto: Paul Zinken/dpa
International 3 Min. 09.09.2019

Nach schwerem Unfall in Berlin: "SUVs aus Städten verbannen"

"Panzerähnliche Fahrzeuge" raus aus den Städten – nach dem Horror-Unfall mit vier Toten in Berlin werden solche Forderungen laut. Ein SUV hatte die Menschen erfasst. Ein Forscher hat einen anderen Blick.

(dpa/jt) - Der schwere Unfall mit vier Toten in Berlin hat in Deutschland eine Debatte über schwere Sportgeländewagen (SUV) in Innenstädten ausgelöst. „SUVs haben in unseren Städten nichts zu suchen“, schrieb der Verein Deutsche Umwelthilfe in einem Tweet. Auch von Politikern der Grünen kamen Forderungen nach einem Verbot dieser Fahrzeuge. 

Der Porsche-SUV war am Freitagabend über einen Gehweg auf ein Grundstück gerast und hatte dabei vier Passanten getötet.
Der Porsche-SUV war am Freitagabend über einen Gehweg auf ein Grundstück gerast und hatte dabei vier Passanten getötet.
Foto: Paul Zinken/dpa

Der Unfall habe "Symbolcharakter", sagte der Planungsstadtrat für den Berliner Stadtteil Kreuzberg, Florian Schmidt von den Grünen, laut "Süddeutscher Zeitung". Die derzeit so beliebten und von den Automobilkonzernen stark beworbenen Geländewagen und SUVs hätten zu einer "Autokultur des Ich, Ich, Ich" geführt. Schmidt fordert, "diese Wagen und noch viele mehr" aus öffentlichen Räumen zu "entfernen". Ähnlich äußerte sich der Berliner Grünen-Lokalpolitiker Stephan Dassel. SUVs seien "Klimakiller" und "auch ohne Unfall bedrohlich".

Die Polizei hat wegen des Unfalls in Berlin unterdessen Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung aufgenommen. Ein Porsche Macan war am Freitagabend von der Straße abgekommen und hatte vier Fußgänger an einer Ampel tödlich verletzt, darunter einen dreijährigen Jungen. Nach Anwohnerangaben überholte der SUV den stehenden Verkehr an der Ampel sehr schnell auf der Gegenfahrbahn und geriet auf den Gehweg. Das Auto knickte einen Ampelmasten und mehrere Poller um, durchbrach einen Bauzaun und kam erst auf einem Baugrundstück zum Stehen.


06.09.2019, Berlin: Retungswagen stehen auf einer Straße. In Berlin-Mitte sind bei einem schweren Verkehrsunfall vier Menschen getötet worden. Ein Auto war an der Ecke Invalidenstraße und Ackerstraße auf einen Gehweg gefahren. Dort sollen sich Menschen befunden haben. Foto: Britta Pedersen/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Auto auf Bürgersteig gerast: Vier Tote in Berlin
Im Stadtzentrum von Berlin hat sich am Freitagabend ein folgenschwerer Verkehrsunfall ereignet. Ein Auto fuhr in eine Personengruppe – vier Menschen, darunter ein Kleinkind, kamen ums Leben.

Nach Informationen vom Wochenende zog die Polizei unter anderem einen medizinischen Notfall beim Fahrer als Unfallursache in Betracht. Der 42-Jährige liegt demnach schwer verletzt im Krankenhaus. Vorsatz wurde zunächst ausgeschlossen.

Am Samstagabend kamen rund 500 Menschen zu einer Mahnwache an die Kreuzung Invalidenstraße/Ackerstraße. Auch am Sonntag legten Passanten Kerzen, Blumen und Bilder an der Unfallstelle ab. Zur Ursachenforschung wollte die Polizei den Unfall gegebenenfalls in einem 3D-Modell nachstellen.

Eine Frau legt Blumen an der Unfallstelle an der Ecke Invalidenstraße/Ackerstraße in Berlin-Mitte ab.
Eine Frau legt Blumen an der Unfallstelle an der Ecke Invalidenstraße/Ackerstraße in Berlin-Mitte ab.
Foto: Paul Zinken/dpa

"SUVs nicht grundsätzlicher gefährlicher"

SUVs sind im Straßenverkehr nicht unbedingt gefährlicher als Kleinwagen – darauf weist ein Experte der Versicherungswirtschaft hin. „Man kann nicht einfach sagen: SUV ist grundsätzlich gefährlicher als ein Polo oder als ein Smart“, sagte Unfallforscher Siegfried Brockmann der Deutschen Presse-Agentur. Im Einzelfall könne es sogar umgekehrt sein.

Wenn der Polo 70 fährt, ist er durchaus gefährlicher für einen Menschen als ein Macan mit 40.

„Entscheidend ist die Geschwindigkeit“, erklärte der Experte vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. „Alles was jenseits von 50 km/h ist, ist für einen menschlichen Körper mindestens lebensgefährlich, meistens aber auch tödlich, egal mit welchem Fahrzeug.“


Parc Automobile, Belval, le 24 Septembre 2018. Photo: Chris Karaba
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Brockmann verwies auf die physikalische Berechnung der Bewegungsenergie. „Die Masse geht hier nur mit der Hälfte in die Formel ein und die Geschwindigkeit mit dem Quadrat. Und das heißt nichts anderes als: Wenn der Polo 70 fährt, ist er durchaus gefährlicher für einen Menschen als ein Macan mit 40.“

Sicherheit als Kaufmotiv

Wichtig sei auch, an welcher Stelle ein Mensch auf ein Auto aufpralle. „Tödliche Verletzungen erleidet man in der Regel im Brustkorbbereich und erst recht im Kopfbereich.“ Die härtesten Teile der Autofront seien die Kanten links und rechts sowie oberhalb der Windschutzscheibe. „Wenn man die mit dem Kopf trifft, ist das in der Regel tödlich.“ Bei einem Polo oder Smart könne das leichter passieren, als bei einem großen Auto mit einer langen Haube.


Illustration Rettungsgasse, Stau, A3, Foto: Lex Kleren/Luxemburger Wort
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Im Berliner Fall könnte das Gewicht des Autos jedoch tatsächlich einen Unterschied gemacht haben, gestand Brockmann zu. Einen Polo hätte der Mast vielleicht aufgehalten, sagte Brockmann.

Er betonte, in SUV säßen nicht unbedingt „Rambos“ am Steuer. Nach Umfragen schätzen viele Frauen und ältere Leute die Wagen, weil sie wegen der Höhe leichter ein- und aussteigen können und eine größere Übersicht haben. Ein Kaufmotiv sei auch die Sicherheit: „Die größere Masse bietet einen Vorteil gegenüber der kleineren.“


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