Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Nach Massaker in Texas: Versäumnis der Luftwaffe wirft Fragen auf
International 1 3 Min. 07.11.2017 Aus unserem online-Archiv

Nach Massaker in Texas: Versäumnis der Luftwaffe wirft Fragen auf

Die Ermittlungen laufen - aber die wichtigen Fragen werden nicht vor Ort in Sutherland Springs beantwortet werden.

Nach Massaker in Texas: Versäumnis der Luftwaffe wirft Fragen auf

Die Ermittlungen laufen - aber die wichtigen Fragen werden nicht vor Ort in Sutherland Springs beantwortet werden.
Foto: AFP
International 1 3 Min. 07.11.2017 Aus unserem online-Archiv

Nach Massaker in Texas: Versäumnis der Luftwaffe wirft Fragen auf

Tom RÜDELL
Tom RÜDELL
Der Todesschütze von Texas konnte ganz legal Waffen kaufen, obwohl er vorbestraft war. Das hat mit Versäumnissen zu tun. Präsident Trump erteilt einer Verschärfung des Waffenrechts aber eine Absage - und liegt damit ganz auf der Linie der Waffenlobby.

(dpa) - Bei der Aufklärung des Massakers mit 26 Toten in einer texanischen Kirche ist die US-Luftwaffe unter Druck geraten. Dabei geht es um die Frage, wie der Täter Waffen kaufen konnte, obwohl er eine Vorstrafe wegen häuslicher Gewalt hatte. Die Luftwaffe räumte ein, dass das Vorstrafenregister des Mannes nicht an eine Datenbank des FBI weitergegeben worden sei.

Darauf deuteten erste Daten hin, erklärte eine Sprecherin der Luftwaffe am Montagabend (Ortszeit). Das Militär leitete eine Untersuchung ein. Nach der Tat war in den USA die Debatte über schärfere Waffengesetze neu entflammt. Präsident Donald Trump erteilte dem Ansinnen aber am Dienstag eine klare Absage.

15 geladene Magazine

Der 26-jährige Devin Patrick Kelley hatte am Sonntag in einer Baptistenkirche in dem kleinen Ort Sutherland Springs 26 Menschen getötet. Bei der Tat trug er eine Totenkopfmaske und war ganz in schwarz gekleidet. Er hatte insgesamt 15 geladene Magazine bei sich. Die Opfer waren zwischen 18 Monaten und 77 Jahre alt. 20 weitere Menschen wurden verletzt. Der Schütze wurde später tot in seinem Wagen gefunden. Die Ermittler gehen davon aus, dass er sich selbst erschoss.

Kelley diente für mehrere Jahre in der Luftwaffe. 2012 wurde er von einem Militärgericht wegen Angriffen auf seine damalige Frau und seinen Stiefsohn verurteilt. In dem Verfahren hatte er laut US-Medienberichten eingeräumt, seine Frau geschlagen, getreten und gewürgt zu haben. Er gab den Berichten zufolge auch zu, dem kleinen Jungen mehrfach gegen den Kopf geschlagen zu haben. Laut damaliger Staatsanwaltschaft der Luftwaffe erlitt das Kind dabei Hirnblutungen.

Kelley verbrachte ein Jahr in Haft und wurde 2014 aus der Luftwaffe entlassen. Wegen der Verurteilung hätte es ihm eigentlich nicht erlaubt sein dürfen, Waffen zu kaufen. Er erwarb aber ein halbautomatisches Gewehr und zwei Pistolen. Mit dem Gewehr verübte er die Tat. Nach Angaben der Sicherheitsbehörden gab er mit der halbautomatischen Waffe insgesamt 450 Schüsse ab.

Familiärer Hintergrund

Erste Erkenntnisse der Ermittler deuten darauf hin, dass das Motiv des Mannes in seinem persönlichen Umfeld liegen könnte. Nach Angaben der Sicherheitsbehörden war er wütend auf die Familie seiner Frau. Kelley hatte 2014 erneut geheiratet, lebte aber von der Frau getrennt. Wie Ermittler sagten, schickte er seiner Schwiegermutter Textnachrichten mit Drohungen. Die Frau hatte die Kirche in der Vergangenheit besucht. Am Sonntag war sie aber nicht im Gottesdienst.

450 Schuss soll Kelley in und vor der Kirche abgegeben haben.
450 Schuss soll Kelley in und vor der Kirche abgegeben haben.
Foto: AFP

Das FBI stellte das Handy des Täters sicher. Man sei aber derzeit nicht in der Lage, auf das Gerät zuzugreifen, sagte Christopher Combs von der Bundespolizei. Das Handy sei an ein Labor des FBI in Virginia geschickt worden. Combs zeigte sich zuversichtlich, dass es der Behörde gelingen werde, sich Zugriff auf die Daten zu verschaffen. Er wollte nicht sagen, um was für ein Gerät es sich handelt.

Psychiatrische Vorgeschichte

Unterdessen berichtete der lokale Sender KPRC, Kelley sei im Juni 2012 aus einer psychiatrischen Einrichtung im Bundesstaat New Mexico geflohen. Zwei Polizisten hätten ihn an einer Bushaltestelle in der texanischen Stadt El Paso aufgegriffen. Eine Zeugin habe die beiden darüber informiert, dass der junge Mann eine Gefahr für sich selbst und andere darstelle, berichtete der Sender und berief sich dabei auf Dokumente von Sicherheitsbehörden. Es blieb unklar, wie lange Kelley in der psychiatrischen Einrichtung war. Er war in New Mexico bei der Luftwaffe stationiert.

Die Tat in der kleinen Gemeinde löste nur einen Monat nach dem Massaker in Las Vegas mit 58 Toten erneut eine Debatte über das Waffenrecht in den USA aus. Mehrere Demokraten forderten eine Verschärfung der Gesetze. Allerdings verebbte die Diskussion rasch wieder. Dass sich am Waffenrecht auf Bundesebene etwas ändert, ist angesichts der republikanischen Mehrheit im Kongress auch sehr unwahrscheinlich. Die Republikaner sind strikt dagegen.

Trump bügelt Rückfragen ab

Auch Präsident Trump machte am Dienstag deutlich, dass er keine Veranlassung für Änderungen sieht. Trump sagte in Seoul, wäre der Schütze am Sonntag nicht von einem anderen Bewaffneten aufgehalten worden, wäre es noch viel schlimmer gekommen. Trump ist damit exakt auf der Argumentationslinie der mächtigen US-Waffenlobby.

360 Videos werden hier nicht unterstützt. Wechseln Sie in die Youtube App, um das Video anzusehen.

Trump wurde während einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Südkoreas Präsident Moon Jae In von einer US-Journalistin gefragt, ob sein Anspruch extremer Sicherheitsüberprüfungen für potenzielle Einwanderer nicht auch für Waffenkäufer in den USA gelten müsse. Trump reagierte genervt, sagte aber, er wolle die Frage beantworten, obwohl man gerade im Herzen Südkoreas sei.

Trumps Haltung ist bemerkenswert, weil sie im völligen Gegensatz zu seiner Reaktion auf die Terrorattacke in New York in der vergangenen Woche steht. Danach forderte der Präsident Änderungen am Einwanderungssystem und eine Verschärfung der Sicherheitsüberprüfungen für Ausländer.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Trump zögert, die Clooneys handeln
Der Protest gegen die laschen Waffengesetze in den USA wächst. Auch vor dem Weißen Haus machen Jugendliche ihrem Unmut Luft - und Promis unterstützen sie. Donald Trump signalisiert, er würde minimale Änderungen akzeptieren.
Donald Trump steht weiter hinter der mächtigen Waffenlobby NRA.
Massaker in Texas: Mann erschießt 26 Menschen in Kirche
Nur wenige Wochen nach dem Massaker in Las Vegas sorgt in den USA wieder ein Blutbad für Entsetzen. Diesmal eröffnet ein Mann das Feuer in einer Kirche und tötet viele Gläubige. Der Täter, ein 26-jähriger Amerikaner, ist tot.
SUTHERLAND SPRINGS, TX - NOVEMBER 6: Law enforcement officials gather near the First Baptist Church following a shooting on November 5, 2017 in Sutherland Springs, Texas. At least 20 people were reportedly killed and 24 injured when a gunman, identified as Devin P. Kelley, 26, entered the church during a service and opened fire.   Erich Schlegel/Getty Images/AFP
== FOR NEWSPAPERS, INTERNET, TELCOS & TELEVISION USE ONLY ==