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Nach globaler Cyberattacke: Vorsichtige Entwarnung
Das erwartete neuerliche Chaos zum Wochenanfang blieb laut Europol aus.

Nach globaler Cyberattacke: Vorsichtige Entwarnung

Foto: REUTERS
Das erwartete neuerliche Chaos zum Wochenanfang blieb laut Europol aus.
International 3 Min. 15.05.2017

Nach globaler Cyberattacke: Vorsichtige Entwarnung

Tom RUEDELL
Tom RUEDELL
Nach der globalen Cyberattacke war die Angst vor einer zweiten Angriffswelle groß. Doch Europol und das Weiße Haus gaben am Montag eine vorsichtige Entwarnung. Noch ist unklar, wer hinter dem Angriff steckt.

(dpa) - Nach der globalen Cyber-Attacke hat die europäische Polizeibehörde Europol vorsichtig Entwarnung gegeben. Es habe in Europa offenbar keine neuen infizierten Computer gegeben, sagte ein Sprecher am Montag in Den Haag der Deutschen Presse-Agentur. Auch die Bundesregierung erklärte, dass sich die Befürchtungen einer zweiten Angriffswelle bislang nicht bestätigt habe. Der Angriff sei im Wesentlichen gestoppt, sagte ein Sprecher des Innenministeriums. „Regierungsnetze sind nach wie vor nicht betroffen.“

Auch Großbritannien, wo die Kriminellen mehrere Krankenhäuser teilweise lahmgelegt hatten, blieb am Montag von einer zweiten Attacke verschont. Europol hatte vor einem Chaos zum Wochenbeginn gewarnt, wenn viele Nutzer nach zwei freien Tagen ihren Computer wieder einschalteten. „Dazu kam es zum Glück nicht,“ sagte der Sprecher. Allerdings blieb weiterhin unklar, wer hinter dem weltweiten Angriff steht.

Entwarnung in den USA

Die Ermittlungen liefen auf Hochtouren. In Deutschland ist das Bundeskriminalamt mit der Aufklärung beschäftigt. "Ein Bruchteil" der 5400 deutschen Bahnhöfe war betroffen, bilanzierte ein Bahnsprecher am Montag. Allerdings würde die Anzeigetafeln noch mehrere Tage gestört bleiben. Fahrkarten-Automaten seien dagegen bis auf Einzelfälle wieder einsatzbereit.

Entwarnung gab es zudem in den USA. Die Situation sei derzeit unter Kontrolle, dennoch handele es sich um eine äußerst ernstzunehmende Bedrohung, sagte der Heimatschutzberater von Präsident Donald Trump, Tom Bossert, dem Sender ABC News. Die Attacke zeige, dass Regierungen weltweit dringend ein gemeinsames Vorgehen für solche Fälle abstimmen müssten. Der russische Präsident Wladimir Putin schlug derweil den USA erneut ein Abkommen über Cybersicherheit vor. Im vergangenen Jahr habe Washington die Idee leider nicht aufgegriffen, sagte Putin auf einem Gipfel in China.

20 000 chinesische Tankstellen offline

Die Erpressungssoftware „Wanna Cry“ hatte am Freitag nach Angaben von Europol mindestens 150 Länder sowie 200 000 Organisationen und Personen getroffen. In China waren es 30 000 Opfer - rund 200 000 Computer wurden dort attackiert. Mehr als 20 000 Tankstellen des chinesischen Öl-Giganten CNPC gingen demnach offline.

Ein britischer IT-Forscher, der anonym bleiben möchte, hatte die globalen Angriffe am Wochenende durch einen glücklichen Zufall gestoppt. Der 22-Jährige, der als Held gefeiert wurde, widersprach in seinem Blog „MalwareTech“ britischen Medienberichten, wonach er nun um sein Leben fürchten müsse. Nach Angaben der Zeitung „Telegraph“ arbeitet der junge Mann jetzt mit dem britischen Geheimdienst zusammen, um weitere Attacken abzuwehren.

Die Erpressungssoftware „Wanna Cry“ hatte auf den infizierten Rechnern alle Daten verschlüsselt. Sie sollten erst nach Zahlung eines Lösegelds wieder entsperrt werden. Europol warnten davor, auf die Forderungen einzugehen, da es keine Garantie auf die Freigabe der Daten gebe. Nur wenige Opfer hätten bezahlt. Derweil soll sich die Lösegeldforderung von vormals 300 US-Dollar am Montag auf 600 US-Dollar verdoppelt haben.

Bei Renault steht die Produktion still

In einem der größten Werke des Autoherstellers Renault, der Fabrik im nordfranzösischen Douai, stand die Produktion am Montag noch still. Informatiker sollten verhindern, dass sich das Virus von möglicherweise infizierten Rechnern aus weiter verbreite, sagte eine Sprecherin. 3500 Mitarbeiter blieben am Montag zu Hause.

Bei der Attacke am Freitag nutzte die Software eine Sicherheitslücke im Microsoft-Betriebssystem Windows aus, über die sie automatisch neue Computer anstecken konnte. Diese Schwachstelle hatte sich einst der US-Geheimdienst NSA für seine Überwachung aufgehoben, dann hatten unbekannte Hacker sie aber publik gemacht.

Der Software-Konzernriese gab den Regierungen eine Mitschuld. Der Angriff sei ein weiteres Beispiel, warum das Lagern von Schadprogrammen durch Regierungen ein Problem sei, schrieb Microsoft-Präsident Brad Smith in einem Blog-Eintrag am Sonntag. Der Angriff solle ein Weckruf sein. Ein vergleichbares Szenario mit konventionellen Waffen wäre, wenn dem US-Militär einige seiner „Tomahawk“-Marschflugkörper gestohlen würden.

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