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Nach Erdbeben in Italien: Zahl der Opfer steigt auf 290
International 3 Min. 27.08.2016

Nach Erdbeben in Italien: Zahl der Opfer steigt auf 290

Alleine in dem kleinen Ort Amatrice starben 230 Menschen.

Nach Erdbeben in Italien: Zahl der Opfer steigt auf 290

Alleine in dem kleinen Ort Amatrice starben 230 Menschen.
Foto: AFP
International 3 Min. 27.08.2016

Nach Erdbeben in Italien: Zahl der Opfer steigt auf 290

Steve BISSEN
Steve BISSEN
Nach dem verheerenden Erdbeben in Italien steigt die Zahl der Opfer laut italienischem Zivilschutz auf 290.

(dpa) - Nach dem schweren Erdbeben in Italien ist die Zahl der Todesopfer auf 290 gestiegen. Das meldete der italienische Zivilschutz am Samstag unter Berufung auf die Präfektur in Rieti. Demnach starben 230 Menschen in Amatrice, 11 in Accumoli und 49 in Arquato. Bei dem verheerenden Erdbeben in L'Aquila 2009 waren 309 Menschen getötet worden. Behördensprecher befürchten, dass auch das jetzige Beben ähnliche Ausmaße erreichen könnte.

Die Staatsanwaltschaft hat in den verwüsteten Regionen Ermittlungen eingeleitet. In der Provinz Rieti soll etwa untersucht werden, ob gegen Bauvorschriften verstoßen wurde. „Was da passiert ist, kann nicht nur als Unglück gesehen werden“, zitierte die Tageszeitung „La Repubblica“ am Samstag Staatsanwalt Giuseppe Saieva. Bei einigen der zerstörten Häuser sei „mit mehr Sand als Zement“ gebaut worden.

Die Kirche Sant'Agostino im Zentrum von Amatrice ist wie der größte Teil der Gebäude im Ort weitgehend zerstört.
Die Kirche Sant'Agostino im Zentrum von Amatrice ist wie der größte Teil der Gebäude im Ort weitgehend zerstört.
Foto: AFP

Vor allem der Einsturz einer erst kürzlich renovierten Grundschule in Amatrice hatte Aufsehen erregt. Bisher seien aber keine Verdächtigen identifiziert worden. Allein in Amatrice kamen nach vorläufigen Zahlen mehr als 230 Menschen ums Leben.

Auch die Staatsanwaltschaft in der Provinz Ascoli Piceno hat Ermittlungen nach dem Erdbeben eingeleitet, dem in Arquata und Pescara del Tronto Dutzende Menschen zum Opfer gefallen sind. Untersucht werden soll unter anderem, wer für den Bau, Wiederaufbau oder die Erdbebensicherung der Wohngebäude zuständig war, wie die Nachrichtenagentur Ansa meldete. Ein Teil des betroffenen Gebiets war bereits 1997 bei einem Beben in Mitleidenschaft gezogen worden.

Der Bürgermeister von Arquata del Tronto wies Fehler beim Wiederaufbau nach dem Unglück von 1997 zurück. „Ich habe 13 Dörfer, von denen drei dem Erdboden gleichgemacht wurden. Aber die nach dem Erdbeben von 1997 wieder aufgebauten Teile sind nicht betroffen“, sagte Leandro Petrucci der Ansa. „Die nach dem Erdbeben vor 19 Jahren wieder aufgebauten Häuser haben gehalten, auch wenn sie beschädigt sind.“

Drei Tage nach dem schweren Erdbeben hat Italien mit einem Staatsbegräbnis zudem Abschied von den Opfern genommen. An der zentralen Trauerfeier am Samstag in der Stadt Ascoli Piceno nahmen auch Staatspräsident Sergio Mattarella und Regierungschef Matteo Renzi teil. Vor ihnen standen aufgereiht 35 mit Blumen geschmückte Särge, daneben weinende Angehörige.

In ganz Italien wurden zum Tag der nationalen Trauer die Flaggen auf halbmast gesetzt. Der Sender RAI verzichtete auf allen seinen Kanälen aus Respekt vor den Opfern auf Werbung. Über eine Solidaritäts-SMS wurden bereits mehr als sechs Millionen Euro gesammelt.

Giovanni D'Ercole, Bischof von Ascoli Piceno, spendete Trost.
Giovanni D'Ercole, Bischof von Ascoli Piceno, spendete Trost.
Foto: Reuters

„Wir sind in einer Zeit des Krieges, und auch das Erdbeben ist ein Krieg“, sagte Bischof Giovanni D'Ercole beim Staatsakt in einer großen Sporthalle. „Habt keine Angst, euer Leid hinauszurufen, aber verliert auch nicht euren Mut.“ Als er die Namen der 35 Toten in den Särgen vorlas, schluchzten Angehörige auf. Manchem wurde es übel, auch wegen der drückenden Hitze. „Zusammen werden wir unsere Häuser und Kirchen wieder aufbauen“, tröstete der Bischof.

Nach den verheerenden Erdstößen in der Nacht zum Mittwoch und mehr als 1300 Nachbeben in Zentralitalien stieg die Zahl der Todesopfer weiter - zuletzt auf mehr als 290. Fast 400 Menschen wurden in Krankenhäusern behandelt. Etwa 2500 verloren ihr Hab und Gut. Viele wurden in Zeltstädten untergebracht.

Trauerfeier im Amatrice am Dienstag

Am stärksten betroffen ist der Ort Amatrice in der Region Latium, wo mehr als 230 Menschen in den Tod gerissen wurden. Dort soll am kommenden Dienstag eine weitere Trauerfeier mit Regierungschef Renzi stattfinden.

Staatschef Mattarella umarmte die Trauernden, später besuchte er Verletzte im Krankenhaus. Auch Renzi zeigte sich tief bewegt und sprach mit den Angehörigen. Vor dem Staatsakt hatte Mattarella sowohl Amatrice als auch das nahe Accumoli besucht. „Danke für das, was ihr macht“, sagte er zu Bergungskräften dort. „Das ist unsere Pflicht“, antworteten die Helfer. Die Katastrophe hat die historischen Ortskerne der Bergdörfer völlig verwüstet. Einst gehörten sie zu den schönsten Dörfern Italiens.

In Amatrice wurden derweil zwei mutmaßliche Plünderer für eine Überprüfung festgenommen. Sie hätten sich auffällig in den Ruinen eines Gebäudes bewegt, meldete die italienische Nachrichtenagentur Ansa. Am Freitag wurde bereits ein ähnlicher Vorfall aus Amatrice gemeldet. Polizeibeamte sind in der Erdbebenregion unterwegs, um unter anderem Kirchen vor Plünderungen zu schützen.

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