Nach Drohungen den libyschen Küstenwache

Ärzte ohne Grenzen setzt Rettungseinsätze im Mittelmeer aus

Der Einsatz der „Vos Prudence“ wurde vorläufig gestoppt.
Der Einsatz der „Vos Prudence“ wurde vorläufig gestoppt.
Foto: AFP

(dpa) - Ärzte ohne Grenzen will vorerst keine Such- und Rettungseinsätze im Mittelmeer mehr fahren. Die zentrale Seenotrettungsleitstelle in Rom (MRCC) habe die Hilfsorganisation vor Sicherheitsrisiken in Verbindung mit Drohungen der libyschen Küstenwache gewarnt, die sich gegen die Schiffe humanitärer Organisationen in internationalen Gewässern vor der Küste des Bürgerkriegslands richteten, teilte Ärzte ohne Grenzen am Samstag mit. Nach Ärzte ohne Grenzen will auch die Organisation Sea Eye vorerst keine Einsätze zur Rettung von in Seenot geratenen Flüchtlingen im westlichen Mittelmeer mehr fahren.

Die beiden Organisationen bezogen sich auf Berichte, denen zufolge libysche Behörden eine eigene Such- und Rettungszone (SAR-Zone) einrichten wollen, die für NGOs Zugang in die internationalen Gewässer beschränken würde. „Wenn sich diese Ankündigungen bestätigen und die Anweisungen in die Tat umgesetzt werden, kann das aus unserer Sicht zwei gravierende Folgen haben - es wird mehr Tote im Mittelmeer geben und mehr Menschen, die in Libyen gefangen sind“, hieß es in der Mitteilung von Ärzte ohne Grenzen.

Die jüngst beschlossene italienische Marine-Operation zur Unterstützung der libyschen Küstenwache sei ein weiteres „besorgniserregendes Element in einem zunehmend feindseligen Umfeld für lebensrettende Einsätze“. Ärzte ohne Grenzen warf den europäischen Staaten vor, gemeinsam mit libyschen Behörden Migranten davon abzuhalten, einen Weg in die Sicherheit zu finden.

Ärzte ohne Grenzen war bislang mit dem Schiff „Vos Prudence“ im Einsatz auf dem Mittelmeer. Ein Team der Organisation soll weiterhin an Bord des Rettungsschiffs „Aquarius“ von SOS Méditerranée zur medizinischen Versorgung von Geretteten bleiben.