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Nach den Terroranschlägen: Erneute Polizeiaktion in Schaerbeek

Nach den Terroranschlägen: Erneute Polizeiaktion in Schaerbeek

Foto: Reuters
International 3 Min. 25.03.2016

Nach den Terroranschlägen: Erneute Polizeiaktion in Schaerbeek

Kerstin SMIRR
Im Brüsseler Stadtteil Schaerbeek war am Freitagmittag eine Explosion zu hören. Die Polizei führt eine Razzia durch.

(dpa) - Spezialeinsatzkräfte der Polizei haben am Freitag erneut ein Haus in Brüssel durchsucht. Zu Beginn der Razzia im Stadtteil Schaerbeek habe es eine Explosion gegeben, berichtete die belgische Nachrichtenagentur Belga. Die Umgebung sei abgeriegelt worden, schwerbewaffnete und maskierte Kräfte sowie Armeefahrzeuge seien im Einsatz.

Verdächtiger in Deutschland gefasst

Im Zusammenhang mit den Terroranschlägen in Brüssel ist nach Medienberichten am Mittwochabend in Gießen ein Verdächtiger festgenommen worden. Die Bundespolizei habe einen Mann aufgegriffen, der zwei verdächtige SMS vom Tag der Brüsseler Anschläge auf seinem Telefon haben soll, meldete das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ am Freitag.

Nach ARD-Informationen fiel der 28-jährige Marokkaner bei einer Routinekontrolle auf dem Bahnhof in Gießen einer Streife der Bundespolizei auf. Eine Ausweiskontrolle habe ergeben, dass für den Mann eine Einreisesperre in den Schengen-Raum gelte - und dass er in Italien und Deutschland straffällig geworden war.

Von den Behörden war zunächst keine Bestätigung dafür zu erhalten. Die Bundespolizei sprach lediglich von einer Festnahme, wollte sich aber nicht zu einer Verbindung mit Brüssel oder Einzelheiten äußern.

Der „Spiegel“-Meldung zufolge enthält eine Kurznachricht den Namen des U-Bahn-Attentäters von Brüssel, Khalid El Bakraoui. Eine weitere Nachricht enthielt nur das Wort „fin“ - französisch für „Ende“. Diese Nachricht sei offenbar am Dienstag um 9.08 Uhr gesendet worden. Nach bisherigen Erkenntnissen sprengte sich Bakraoui laut „Spiegel“ um 9.11 Uhr in die Luft. Die Ermittler versuchten nun zu klären, inwieweit der Mann zum Umfeld der Attentäter gehört haben könnte.

Festnahmen in Belgien

In Belgien sind ebenfalls mehrere Verdächtige festgenommen worden. Allein in der Hauptstadt gab es am Donnerstagabend gleich mehrere Polizeiaktionen, bei denen laut Staatsanwaltschaft sechs Verdächtige abgeführt wurden.

Am Dienstag waren bei den Bombenanschlägen am Brüsseler Flughafen und in der U-Bahn-Station Maelbeek mindestens 31 Menschen getötet und rund 300 verletzt worden. Die Polizeiaktionen am Donnerstag betrafen die Innenstadt und die Gemeinden Schaerbeek und Jette.

Weitere Details folgen am Freitag

Spezialkräfte und ein Hubschrauber der Polizei waren im Einsatz, wie die Nachrichtenagentur Belga berichtete. Die Fahnder nahmen drei Verdächtige fest, die in einem Auto in unmittelbarer Nähe des Gebäudes der Staatsanwaltschaft im Stadtzentrum unterwegs waren.

Die Ermittlungsbehörde teilte am späten Abend mit, dass am Freitag entschieden werden solle, ob gegen die insgesamt sechs Festgenommenen Haftbefehl erlassen wird. Auch weitere Details würden erst im Laufe des Tages veröffentlicht. Über die Identität der Verdächtigen war zunächst nichts bekannt.

Bei einer früheren Durchsuchung im Bezirk Schaerbeek hatte die Polizei nach den Anschlägen vom Dienstag in einer Wohnung eine Bombenwerkstatt gefunden. Dort sollen Terrorverdächtige Sprengsätze gebaut haben. Zu den Anschlägen bekannte sich die Islamistenmiliz IS.

Weiter drohende Gefahr

Die Brüsseler Attentäter sollen Verbindungen zu den islamistischen Drahtziehern der Anschläge von Paris und Saint-Denis gehabt haben, bei denen am 13. November 130 Menschen ermordet wurden. In Frankreich gilt seitdem der Ausnahmezustand, die Behörden warnen regelmäßig vor einer hohen Bedrohung.

Ein CNN-Bericht scheint diese Warnungen zu stützen: Demnach liegen US-Sicherheitsbehörden Erkenntnisse über weitere Terrorpläne des IS in Europa vor. Eine Auswertung von elektronischer Kommunikation und Aussagen von Informanten deute auf mehrere mögliche Ziele hin, die der IS in den vergangenen Monaten ausgewählt habe, berichtete der Sender unter Berufung auf Sicherheitskreise in den USA. Die Rede war von Plänen in unterschiedlichen Stadien mit mehreren Anschlagszielen

Keine Beziehung der Attentäter zu Luxemburg

Die Staatsanwaltschaft teilte am Freitag mit, es gebe bisher weder bei der Justiz noch bei der Polizei Anhaltspunkte dafür, dass es eine Verbindung zwischen den Attentaten von Brüssel und Luxemburg gebe. Damit dementierte sie eine Meldung von RTL. Der Sender hatte berichtet, einer der Terroristen sei kürzlich ins Großherzogtum gekommen, um einen gebrauchten Laptop zu kaufen, der im Internet angeboten wurde.


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