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Nach Attacke in Nice: Mehr Schutz für Schulen und Kirchen
International 3 Min. 30.10.2020

Nach Attacke in Nice: Mehr Schutz für Schulen und Kirchen

Das Umfeld der Kirche wurde am Donnerstag weiträumig abgeriegelt.

Nach Attacke in Nice: Mehr Schutz für Schulen und Kirchen

Das Umfeld der Kirche wurde am Donnerstag weiträumig abgeriegelt.
Foto: AFP
International 3 Min. 30.10.2020

Nach Attacke in Nice: Mehr Schutz für Schulen und Kirchen

Die Terrorattacke in Nice mit drei Toten versetzt Frankreich in einen Schockzustand. Die Regierung trifft erste Entscheidungen.

(dpa) - Nach dem mutmaßlich terroristischen Messerangriff in Nice mit drei Toten haben Ermittler einen 47-jährigen Mann festgenommen und in Gewahrsam genommen. Er soll am Vorabend der Tat Kontakt mit dem Angreifer gehabt haben. Der Verdächtige sei am Donnerstagabend gestellt worden, hieß es aus Justizkreisen.

Anti-Terror-Staatsanwalt Jean-François Ricard hatte gesagt, dass Ermittler herausfinden wollen, ob der Angreifer von Komplizen unterstützt wurde. Sie wollen auch genauer wissen, wie der Mann, der aus Tunesien stammen soll, nach Südfrankreich kam. Der von Polizisten schwer verletzte Terrorverdächtige kam in ein Krankenhaus und schwebt in Lebensgefahr, wie Anti-Terror-Staatsanwalt Jean-François Ricard am Donnerstagabend berichtete.

Schulen und Kirchen werden besser bewacht

Indes verstärkt die französische Regierung den Schutz von Schulen oder Gotteshäusern. Dazu werden auch Soldaten der inländischen Anti-Terror-Mission „Sentinelle“ eingesetzt. Das kündigte Armeeministerin Florence Parly am Freitag nach der Sitzung eines von Staatschef Emmanuel Macron geleiteten Verteidigungsrates in Paris an.

Es werden 7.000 Sicherheitskräfte mobilisiert, unter ihnen 3.500 Reservisten der zu den Streitkräften gehörenden Gendarmerie, wie Innenminister Gérald Darmanin ergänzte. Eine besondere Verstärkung mit 120 Polizisten werde es für die Mittelmeermetropole Nice geben. Außenminister Jean-Yves Le Drian kündigte an, auch französische Einrichtungen im Ausland wie Schulen würden geschützt. „Die Bedrohung ist überall“, sagte er.

Frankreich wird seit einigen Wochen wieder schwer von Terrorismus getroffen. Im Land wurde die höchste Terrorwarnstufe ausgerufen. Emmanuel Macron hatte am Tatort in Nice von einem „islamistischen Terroranschlag“ gesprochen.

Anti-Terror-Staatsanwalt Jean-François Ricard
Anti-Terror-Staatsanwalt Jean-François Ricard
AFP

Erst Mitte des Monats hatte die brutale Ermordung des Lehrers Samuel Paty im ganzen Land riesiges Entsetzen ausgelöst. Das Motiv des 18-jährigen Angreifers war den Ermittlern zufolge, dass Paty in einer Unterrichtsstunde zum Thema Meinungsfreiheit Karikaturen des Propheten Mohammed gezeigt hatte. Patys Leiche war enthauptet aufgefunden worden. Schon nach diesem mutmaßlich terroristischen Anschlag hatten Macron und die Mitte-Regierung ein hartes Durchgreifen gegen den radikalen Islamismus angekündigt.


TOPSHOT - French policemen stand guard the site of a knife attack at the Basilica of Notre-Dame de Nice in Nice on October 29, 2020, as forensics officers prepare to enter. - France's national anti-terror prosecutors said Thursday they have opened a murder inquiry after a man killed three people at a basilica in central Nice and wounded several others. The city's mayor, Christian Estrosi, told journalists at the scene that the assailant, detained shortly afterwards by police, "kept repeating 'Allahu Akbar' (God is Greater) even while under medication." He added that President Emmanuel Macron would be arriving shortly in Nice. (Photo by ERIC GAILLARD / AFP)
Macron: Angriff in Nice war islamistischer Anschlag
Drei Menschen starben bei dem Angriff in einer Kirche. Die Tat ruft weltweit Entsetzen hervor, Frankreich rief die höchste Terrorwarnstufe aus.

Der neue Angriff ereignete sich am Donnerstag gegen 9.00 Uhr in der Kirche Notre-Dame im Zentrum von Nice. Der mutmaßliche Attentäter habe „Allahu akbar“ („Gott ist groß“ auf Arabisch) gerufen. Einer 60-jährigen Frau sei die Kehle durchgeschnitten worden, Ricard sprach von einer Art Enthauptung. Auch der getötete 55-jährige Küster wurde schwer am Hals verletzt. Ein drittes, schwer verletztes Opfer sei noch geflüchtet. Die 44-Jährige sei dann außerhalb der Kirche ihren Verletzungen erlegen.

Der Angreifer habe ein Dokument des Italienischen Roten Kreuzes bei sich getragen, das auf einen 1999 geborenen tunesischen Staatsbürger ausgestellt gewesen sei. Er sei im September über die italienische Insel Lampedusa eingereist, sagte Ricard weiter. Am 9. Oktober sei er dann im süditalienischen Bari gewesen.

Auch in der Nacht auf Freitag gingg die Arbeit der Forensiker weiter.
Auch in der Nacht auf Freitag gingg die Arbeit der Forensiker weiter.
Foto: AFP

Italiens Behörden waren nach eigenen Angaben von Tunesien nicht vor dem Gewalttäter gewarnt worden. Aus dem Innenministerium in Rom verlautete, dass der Angreifer als ein 21-jähriger Tunesier identifiziert worden sei. Der Mann sei illegal auf Lampedusa angekommen. Nach italienischen Agenturberichten war er mit anderen Bootsmigranten dort an Land gegangen und im Oktober nach Bari gebracht worden. Dort soll er abgetaucht sein.

Aus Quellen im Innenministerium in Rom hieß es nur, dem Tunesier sei am 9. Oktober ein Ablehnungsdekret für einen Verbleib geschickt worden. Er sei aufgefordert worden, Italien innerhalb von sieben Tagen zu verlassen. Innenministerin Luciana Lamorgese wies Vorwürfe zurück, wonach italienische Behörden für den Angriff in Nice mitverantwortlich sein könnten.


France's President Emmanuel Macron gives a press conference at the end of the two days face-to-face European Union (EU) summit at the European Council Building in Brussels, on October 16, 2020. (Photo by KENZO TRIBOUILLARD / POOL / AFP)
Frankreich sagt radikalem Islamismus den Kampf an
Das mutmaßlich terroristische Attentat gegen einen Lehrer hat die Debatte nun mächtig angefacht. Ein Minister spricht bereits von einer „Fatwa“.

Die mörderische Attacke löste weltweit Anteilnahme aus. Die Spitzen der EU-Institutionen sicherten Frankreich ihre Solidarität zu. Ganz Europa sei solidarisch mit dem Land, schrieb EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen auf Twitter. 

Auch Russlands Präsident Wladimir Putin brachte sein „tiefes Mitgefühl“ zum Ausdruck. Papst Franziskus bekundete seine Nähe und sein Mitgefühl mit den Trauernden. UN-Generalsekretär António Guterres nannte die Attacke „abscheulich“. US-Präsident Trump schrieb auf Twitter, die USA stünden Frankreich „in diesem Kampf“ zur Seite.


TOPSHOT - People stand near flowers and placards reading "We will continue to teach freedom" as they gather in Strasbourg, eastern France, on October 18, 2020, in homage to history teacher Samuel Paty two days after he was beheaded by an attacker who was shot dead by policemen. - Thousands of people rally in different French cities on October 18 in a show of solidarity and defiance after a teacher was beheaded for showing pupils cartoons of the Prophet Mohammed. His murder in the suburb of French capital on October 16 shocked the country and brought back memories of a wave of Islamist violence in 2015. (Photo by FREDERICK FLORIN / AFP)
Kommentar: Das Gebot der Stunde
Gerade jetzt, nach der brutalen Enthauptung eines Lehrers in Paris, ist Aufklärung und Bildung mehr denn je das Gebot der Stunde.

In Avignon hatte die Polizei am Donnerstag einen Mann getötet, der Passanten mit einer Waffe bedroht haben soll. Es gab Polizeikreisen zufolge allerdings vorerst keine Hinweise auf einen Terrorhintergrund.

Die französische Nachrichtenagentur AFP berichtete, der Mann habe psychische Probleme gehabt und laut Staatsanwaltschaft wirre Äußerungen gemacht.

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