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Mysteriöse Ölpest: Umweltminister gibt Greenpeace die Schuld
International 5 3 Min. 25.10.2019 Aus unserem online-Archiv

Mysteriöse Ölpest: Umweltminister gibt Greenpeace die Schuld

Ein Greenpeace-Aktivist mit schwarz bemalten Handschuhen und der T-Shirt-Aufschrift "ölverschmutztes Brasilien" protestiert vor dem Amtssitz von Jair Bolsonaro.

Mysteriöse Ölpest: Umweltminister gibt Greenpeace die Schuld

Ein Greenpeace-Aktivist mit schwarz bemalten Handschuhen und der T-Shirt-Aufschrift "ölverschmutztes Brasilien" protestiert vor dem Amtssitz von Jair Bolsonaro.
Foto: AFP/Sergio Lima
International 5 3 Min. 25.10.2019 Aus unserem online-Archiv

Mysteriöse Ölpest: Umweltminister gibt Greenpeace die Schuld

Der Vorwurf klingt aberwitzig: Brasiliens Umweltminister Ricardo Salles unterstellt der NGO, die Ölpest vor der Küste ausgelöst zu haben. Derweil geht die Suche nach dem wahren Verursacher weiter.

(KNA/jt) - Brasiliens Umweltminister Ricardo Salles verdächtigt die Umweltschutzorganisation Greenpeace, hinter der mysteriösen Ölpest im Nordosten des Landes zu stecken. 

Per Twitter suggerierte Salles am Donnerstag (Ortszeit), dass das Greenpeace-Schiff "Esperanza" im August das Öl vor der Küste Brasiliens ins Meer gekippt hätte. 

Reinigungsarbeiten am Strand Japaratinga im Bundesstaat Alagoas: Mehr als 200 Strände im Nordosten von Brasilien wurden mit Öl verschmutzt.
Reinigungsarbeiten am Strand Japaratinga im Bundesstaat Alagoas: Mehr als 200 Strände im Nordosten von Brasilien wurden mit Öl verschmutzt.
Foto: Felipe Brasil / Alagoas State government / AFP

Greenpeace Brasilien bestätigte am Donnerstagabend (Ortszeit) gegenüber der Katholischen Nachrichtenagentur (KNA), rechtliche Schritte gegen Salles einleiten zu wollen. 

Öl aus venezolanischer Produktion

Seit Anfang September wurden bereits über 1.000 Tonnen Rohöl an Stränden des Nordostens angeschwemmt. Die Ursache ist bislang unklar. Betroffen sind nahezu 200 Orte an einem 2.000 Kilometer langen Küstenabschnitt. NGOs, freiwillige Helfer und Kommunen kommen mit den Aufräumarbeiten kaum nach. Hilfen der Regierung treffen nur spärlich ein. Erst am Montag wurde mitgeteilt, dass zur Säuberung der Strände nun auch vier- bis fünftausend Soldaten eingesetzt werden. 

Analysen einer brasilianischen Universität sowie des halbstaatlichen Energiekonzerns Petrobras ergaben, dass das Rohöl aus venezolanischer Produktion stammt. Derzeit ermittelt die Marine gegen etwa 30 Öltanker, die im August vor der Küste kreuzten. Die "taz" berichtete unter Berufung auf einen Geologen der Universität São Paulo, dass das Öl beim Umfüllen von venezolanischen Schmuggelschiffen auf hoher See ausgelaufen sein könnte.

Der Umweltminister schrieb derweil auf Twitter: "Schaut mal, welche Zufälle das Leben bereithält. Wie es aussieht, war das Schiff von Greenpeace ausgerechnet zu dem Zeitpunkt in internationalen Gewässern vor der brasilianischen Küste unterwegs, als dort das venezolanische Öl auslief..." Daneben war ein Bild der "Esperanza" zu sehen. 

"Regierung will von ihrer Inkompetenz ablenken"

"Salles bedient sich der gleichen Strategie, wie bereits bei den Bränden im Amazonaswald, für die er damals Nichtregierungsorganisationen und Indigene verantwortlich machte", so der Sprecher von Greenpeace Brasilien, Marcio Astrini, gegenüber der KNA. "Die Regierung, und besonders der Umweltminister, wollen damit von ihrer Inkompetenz und ihrer Unverantwortlichkeit ablenken." Bisher habe die Regierung weder konkrete Maßnahmen zum Schutz von Meer und Küste noch der Bewohner ergriffen, so die Umweltorganisation. 

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro vermutet den Nachbarn Venezuela als Verursacher der Ölpest. Weitere Details blieb der rechte Politiker aber schuldig. Caracas wies die Anschuldigungen zurück: Es habe kein Leck bei Tankern oder auf Plattformen gegeben. Die Beziehungen zwischen Brasilien und dem Maduro-Regime in Venezuela sind seit längerem angespannt. 

Am Donnerstag meldeten Medien, dass 17 Personen, die einen Strand im Teilstaat Pernambuco vom Öl gereinigt hatten, mit Symptomen von Vergiftung in ein Krankenhaus eingeliefert wurden. Der Präsident des Abgeordnetenhauses, Rodrigo Maia, kritisierte Salles für dessen "unnötige Schlussfolgerungen" und verlangte eine offizielle Erklärung des Umweltministeriums. 

Beschmutzte Fußballtrikots

Salles erklärte daraufhin, dass er lediglich darauf hinweisen wollte, dass das Greenpeace-Schiff keine Anstalten gemacht habe, die Ölpest zu bekämpfen. "Genau wie die Aktivisten an Land, waren sie nicht bereit, zu helfen", so Salles in einem zweiten Tweet. Greenpeace-Sprecher Astrini erklärte jedoch gegenüber der KNA, dass die NGO vor Ort die Reinigungsarbeiten mit organisiere. 


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