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Mutmaßlicher Täter tot: Ermittlung zu Palme-Mord wird eingestellt
International 7 4 Min. 10.06.2020 Aus unserem online-Archiv

Mutmaßlicher Täter tot: Ermittlung zu Palme-Mord wird eingestellt

1986: Trauernde legen Blumen am Tatort nieder.

Mutmaßlicher Täter tot: Ermittlung zu Palme-Mord wird eingestellt

1986: Trauernde legen Blumen am Tatort nieder.
Foto: AFP
International 7 4 Min. 10.06.2020 Aus unserem online-Archiv

Mutmaßlicher Täter tot: Ermittlung zu Palme-Mord wird eingestellt

34 Jahre nach dem Mord an Schwedens Regierungschef Olof Palme sind sich die Ermittler sicher, den mutmaßlichen Täter benennen zu können. Das Problem: Der Mann ist seit Jahren tot.

(dpa/SC) - Fast dreieinhalb Jahrzehnte nach dem Mord an dem schwedischen Ministerpräsidenten Olof Palme haben die Ermittler nach eigenen Angaben den mutmaßlichen Täter ausgemacht. Weil der Hauptverdächtige bereits vor Jahren gestorben sei, könne keine Anklage mehr gegen ihn erhoben werden, gab der mit den Palme-Ermittlungen betraute Staatsanwalt Krister Petersson am Mittwoch bekannt. Die Palme-Ermittlungen werden deshalb eingestellt.

 „Ich bin der Ansicht, dass wir so weit gekommen sind, wie man es von der Untersuchung verlangen kann. Wir kommen nicht um eine Person als mutmaßlichen Täter herum, und diese Person ist Stig Engström, der sogenannte Skandia-Mann. Weil Stig Engström verstorben ist, kann ich keine Anklage gegen ihn erheben oder ihn verhören, sondern habe beschlossen, die Voruntersuchungen einzustellen“, so der Staatsanwalt.  


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Engström geriet nach einem größeren Personalwechsel 2016/17 ins Visier der Ermittlungen, wie Fahndungsleiter Hans Melander sagte. Die Ermittler seien das Material zum Tatort und den dort befindlichen Personen neu durchgegangen. „Es gab dabei eine Person, die nicht ins übrige Bild hineinpasste. Seine Angaben konnte man nicht mit denjenigen anderer Zeugen verbinden.“ Der Spur Engströms sei man immer weiter gefolgt, obwohl der Mann bereits 2000 im Alter von 66 Jahren starb.

In Medienberichten wurde Engström - benannt nach seinem Arbeitgeber, einem schwedischen Versicherungsunternehmen - oft als „Skandia-Mann“ bezeichnet. Er hatte sich nach dem Mord in einem TV-Interview als Zeuge präsentiert. Er soll durch einen Bekannten Zugang zu Schusswaffen gehabt und zudem Palmes Politik gehasst haben.

Petersson sagte, Engströms Kleidung stimme mit der überein, die der Täter nach Aussagen mehrerer Zeugen getragen hatte. Er habe Geld- und Alkoholprobleme gehabt. Am Mordabend habe er sich noch spät an seinem Arbeitsplatz in unmittelbarer Nähe zum Tatort befunden. Um 23.19 Uhr habe er sich ausgestempelt - um etwa 23.21 Uhr und 30 Sekunden sei dann auf Palme geschossen worden. Die Mordwaffe wurde bis heute nicht gefunden.

Ein Experte hat sich ernüchtert über die jetzt eingestellten Ermittlungen geäußert. „Meine unmittelbare Reaktion ist eine große Enttäuschung. Oder Verwunderung“, sagte der dänische Experte Thomas Ladegaard am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. Die Staatsanwaltschaft habe vorab davon gesprochen, nun ein klares Bild vom Tatgeschehen zu haben. Es sei auch gemutmaßt worden, dass die Mordwaffe gefunden worden sei. Stattdessen habe die Behörde weder Beweise noch neue Zeugenaussagen, mögliche Motive oder Handlungsverläufe präsentiert.

Wirklich neu sei die Geschichte nicht, dass es sich bei dem mutmaßlichen Täter um Stig Engström handele, meinte Ladegaard. Er denke nicht, dass die schwedische Öffentlichkeit diese Geschichte akzeptieren werde. Ladegaard hatte 2016 ein Buch über den Mord an dem schwedischen Ministerpräsidenten am 28. Februar 1986 veröffentlicht.

Mord auf offener Straße

Der Palme-Mord gilt als einer der größten Kriminalfälle Europas, die Mordermittlungen zählen zu den umfassendsten und teuersten der Welt. Für Schweden stellen die Tat und die lange mangelnde Aussicht auf wesentliche Antworten in dem Fall ein nationales Trauma dar.

Olof Palme war am Abend des 28. Februars 1986 um kurz vor Mitternacht gemeinsam mit seiner Frau auf dem Rückweg aus einem Stockholmer Kino gewesen, als ihn ein Mann auf offener Straße von hinten erschossen hatte. Zusammen mit ihrem Sohn und seiner Freundin hatten sich die Palmes kurz zuvor den Film "Die Brüder Mozart" angesehen. Die Leibwächter, die dem Premierminister üblicherweise auf Schritt und Tritt folgten, hatten an diesem Abend frei.

Der Sozialdemokrat war zum Tatzeitpunkt seit knapp dreieinhalb Jahren wieder Ministerpräsident gewesen, nachdem er dieses Amt bereits von 1969 bis 1976 innegehabt hatte. Palmes Frau Lisbet erlitt einen Streifschuss. Sie überlebte die Tat leicht verletzt.

Der Sohn des vor 34 Jahren ermordeten schwedischen Regierungschefs Olof Palme hat Verständnis für die Einstellung der Ermittlungen gezeigt. Zugleich stellte sich Mårten Palme am Mittwoch im schwedischen Radio hinter die Erkenntnisse der Staatsanwaltschaft, die den inzwischen verstorbenen Stig Engström als mutmaßlichen Mörder benannte. „Ich glaube auch, dass Engström der Schuldige ist. Aber leider gibt es keinen richtig abschließenden Beweis, damit man mit hundertprozentiger Sicherheit sagen kann, dass er es gewesen ist.“

1998: Christer Pettersson, einer der Hauptverdächtigen im Fall Olof Palme, wurde in zweiter Instanz frei gesprochen. Er erhielt eine hohe Haftentschädigung und verkaufte seine Geschichte nach seiner Entlassung an schwedische Tageszeitungen.
1998: Christer Pettersson, einer der Hauptverdächtigen im Fall Olof Palme, wurde in zweiter Instanz frei gesprochen. Er erhielt eine hohe Haftentschädigung und verkaufte seine Geschichte nach seiner Entlassung an schwedische Tageszeitungen.
Foto: AFP

Die Ermittlungen zur Tat waren zunächst nur schleppend in Gang gekommen. Die Ermittler hatten im Laufe der Jahre unzählige Spuren und Hinweise verfolgt, die zu einzelnen Tatverdächtigen, aber unter anderem auch zur kurdischen PKK und zum südafrikanischen Geheimdienst geführt hatten. Weit über 100 Menschen meldeten sich und gestanden die Tat.

Christer Pettersson, ein drogensüchtiger und vorbestrafter Mann, wurde Ende 1988 festgenommen und von Lisbet Palme als Täter identifiziert. Er wurde später von einem Gericht für den Mord verurteilt, in einem Berufungsverfahren mangels einwandfreier Beweise aber wieder freigesprochen. 2004 starb er. Lisbet Palme hielt bis zu ihrem Tod im Jahr 2018 an der Schuld von Pettersson fest. 


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