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Mutmaßlicher Auftraggeber festgenommen
International 1 3 Min. 12.07.2021
Präsidentenmord in Haiti

Mutmaßlicher Auftraggeber festgenommen

Der haitianische Polizeichef Leon Charles vor der Presse.
Präsidentenmord in Haiti

Mutmaßlicher Auftraggeber festgenommen

Der haitianische Polizeichef Leon Charles vor der Presse.
Foto: AFP
International 1 3 Min. 12.07.2021
Präsidentenmord in Haiti

Mutmaßlicher Auftraggeber festgenommen

Ein haitianischer Arzt aus Florida soll den Mord des Präsidenten seiner Heimat in Auftrag gegeben haben, weil er ihn ersetzen wollte. Das teilt die Polizei mit, die den 63-Jährigen festgenommen hat. Es bleiben Fragen offen - auch: Wer hat in Haiti eigentlich das Sagen?

(dpa) - Haitis Nationalpolizei hat nach eigenen Angaben einen mutmaßlichen Drahtzieher des Mordes am Präsidenten Jovenel Moïse festgenommen. Es handelte sich um einen 63 Jahre alten haitianischen Arzt, der im US-Bundesstaat Florida wohnt, wie Interims-Polizeichef Léon Charles am Sonntag in einem Pressebriefing sagte. Der Mann sei vor kurzem in einem Privatflugzeug nach Haiti gekommen, um die Präsidentschaft an sich zu reißen. Hochrangige Beamte aus den USA, die bei den Ermittlungen helfen sollen, haben sich am Sonntag in Haiti mit Charles sowie mit den Protagonisten des dort brodelnden Machtkampfs getroffen.


(FILES) In this file photo taken on October 22, 2019 President Jovenel Moise sits at the Presidential Palace during an interview with AFP in Port-au-Prince, October 22, 2019. - Haitian President Jovenel Moise was assassinated on July 7, 2021, at his home by a commando, interim Prime Minister Claude Joseph announced. Joseph said he was now in charge of the country. (Photo by Valerie Baeriswyl / AFP)
Präsident von Haiti in seiner Privatresidenz ermordet
Jovenel Moïse wurde in der Nacht zum Mittwoch von Unbekannten in seiner Residenz getötet.

Der Arzt werde beschuldigt, die als Attentäter verdächtigten kolumbianischen Söldner über eine venezolanische, private Sicherheitsfirma mit Sitz in Florida angeheuert zu haben, hieß es von der Polizei. Er sei der Erste gewesen, den diese nach dem Attentat angerufen hätten. In seiner Wohnung seien Beweise gefunden worden. Der Mann habe mit zwei weiteren Hintermännern Kontakt gehabt. Er ist der dritte US-Bewohner haitianischer Herkunft, und der 21. Mann insgesamt, der als Tatverdächtiger nach dem Mordanschlag festgenommen worden ist. Auch die anderen beiden lebten Berichten zufolge in Florida, das nur rund 1.000 Kilometer von Haiti entfernt liegt.

Der 53 Jahre alte Staatschef Moïse war in der Nacht zum Mittwoch in seiner Residenz überfallen und erschossen worden. Seine Ehefrau wurde schwer verletzt. Nach Angaben der Polizei führten 26 Kolumbianer und zwei US-Amerikaner haitianischer Herkunft den Mord aus. Sie hätten sich als Agenten der US-Anti-Drogenbehörde DEA ausgegeben. Drei der Kolumbianer wurden demnach getötet, nach den übrigen fünf wurde noch gefahndet. Die Hintergründe der Tat blieben bisher unklar. Für Spekulationen sorgte unter anderem, dass die Wächter des Präsidenten anscheinend keinen Widerstand leisteten.


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Interims-Premierminister Claude Joseph führt seit dem Mord die Regierung, obwohl Moïse noch am Montag den Neurochirurgen und Ex-Innenminister Ariel Henry zu dessen Nachfolger ernannt hatte. Henry sagte in einem Interview, aus seiner Sicht sei er der wahre Interims-Premierminister. Der Senat wählte seinen Präsidenten Joseph Lambert, der Henry unterstützt, am Freitag zum Interims-Staatschef.

Das Parlament ist jedoch seit Anfang 2020 nicht beschlussfähig, nachdem eine Wahl ausgefallen war und die Amtszeiten der meisten Abgeordneten abliefen. Der Vorsitzende des Obersten Gerichtshofs starb vor wenigen Wochen an den Folgen von Covid-19. Für den 26. September sind Präsidenten- und Parlamentswahlen geplant.

Die internationale Gemeinschaft hat Joseph, der auch Außenminister ist, bisher als Ansprechpartner anerkannt. Seine Regierung bat die Ex-Besatzungsmacht USA, Truppen zu schicken, um für Sicherheit zu sorgen und Infrastruktur zu schützen. Die Bitte werde geprüft, erklärte Pentagon-Sprecher John Kirby. Der Fokus liege derzeit aber darauf, bei den Ermittlungen zu helfen, sagte er dem Sender Fox News.

Dafür wurden hochrangige Beamte unter anderem der US-Bundespolizei FBI und des Heimatschutzministeriums nach Haiti geschickt. Diese trafen sich am Sonntag nach Angaben von Lambert auch mit ihm. Gemeinsam habe man seine Wahl zum Übergangspräsidenten gewürdigt und die nächsten Schritte besprochen, schrieb er bei Twitter. Kurz darauf twitterte Lambert, er sei empört: Joseph habe seinen Rivalen Henry vor der US-Delegation verleumdet und beleidigt.

Die Sprecherin des Weißen Hauses, Jen Psaki, hatte auch eine baldige Lieferung von Impfstoff gegen das Coronavirus angekündigt - daran fehlt es in Haiti, dem ärmsten Land des amerikanischen Kontinents, bislang komplett. Die Fallzahlen stiegen dort zuletzt deutlich.


Police look on as Haitian citizens gather in front of the US Embassy in Tabarre, Haiti on July 10, 2021, asking for asylum after the assassination of President Jovenel Moise explaining that there is too much insecurity in the country and that they fear for their lives. - The widow of slain Haitian leader Jovenel Moise, who was critically wounded in the attack that claimed his life, issued her first public remarks since the assault, calling on the nation not to "lose its way." According to Haitian authorities, an armed commando of 28 men -- 26 Colombians and two Haitian-Americans -- burst in and opened fire on the couple in their home. So far, 17 have been arrested, and at least three were killed. A handful remain at large, police say. No motive has been made public. (Photo by Valerie Baeriswyl / AFP)
Haitis entmachteter Senat wählt neuen Staatschef
In Haiti zeichnet sich ein Machtkampf ab. Zwei Männer erklären sich zum Interims-Regierungschef, der nicht beschlussfähige Senat wählt einen Nachfolger.

Proteste gegen Moïse, der seit 2017 im Amt war, hatten Haiti zuletzt immer wieder lahmgelegt. Ihm wurden Korruption, Verbindungen zu brutalen Banden und autokratische Tendenzen vorgeworfen. Im Februar ernannten Oppositionsparteien einen Übergangspräsidenten, weil aus ihrer Sicht Moïses Amtszeit abgelaufen war. Zuletzt trieben blutige Kämpfe zwischen Banden um die Kontrolle über Teile der Hauptstadt mehr als 14.000 Menschen in die Flucht.

Der berüchtigte Bandenführer und Ex-Polizist Jimmy „Barbecue“ Cherizier, dem Verbindungen zu Moïse nachgesagt wurden, sagte in einem am Samstag veröffentlichten Video, dessen Ermordung sei eine nationale und internationale Verschwörung gegen das haitianische Volk gewesen. Er rufe alle Banden auf, zu mobilisieren.


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