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Musk lässt Trumps Twitter-Account entsperren
International 3 Min. 20.11.2022 Aus unserem online-Archiv
Nach Umfrage

Musk lässt Trumps Twitter-Account entsperren

Trump wollte nach eigenen Aussagen lieber bei dem Dienst „Truth Social" bleiben - was er nun tut, bleibt abzuwarten.
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Musk lässt Trumps Twitter-Account entsperren

Trump wollte nach eigenen Aussagen lieber bei dem Dienst „Truth Social" bleiben - was er nun tut, bleibt abzuwarten.
Foto: AFP
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Musk lässt Trumps Twitter-Account entsperren

Donald Trump will wieder ins Weiße Haus zurück. Nun gibt ihm der Tech-Milliardär den einst so einflussreichen Account zurück.

(dpa) - Twitter hat den seit Anfang 2021 gesperrten Account des früheren US-Präsidenten Donald Trump wieder freigeschaltet. Der Republikaner bekommt damit kurz nach Ankündigung seiner erneuten Präsidentschaftskandidatur erstmals wieder Zugang zu einer großen Online-Plattform. Ob er davon Gebrauch machen wird, blieb zunächst unklar. Denn Trump hatte wiederholt betont, er wolle lieber bei seinem hauseigenen Dienst Truth Social bleiben - selbst wenn man ihm die Rückkehr zu Twitter erlauben sollte.

Der Ex-Präsident war bei Twitter und anderen Online-Plattformen gesperrt worden, nachdem er Sympathie für seine randalierenden Anhänger bekundet hatte, die gewaltsam das Kapitol in Washington gestürmt hatten. Zuvor hatte er diese Kanäle monatelang für die Verbreitung seiner Mär genutzt, ihm sei der Sieg gegen den Demokraten Joe Biden bei der Präsidentenwahl 2020 durch Betrug gestohlen worden. Die Plattformbetreiber befürchteten damals, dass Trumps Beiträge zu weiterer Gewalt führen könnten.


Vor allem in den USA löste Musks Kritik an angeblicher Einschränkung der Meinungsfreiheit bei Twitter Sorgen aus.
„Damit Twitter erfolgreich ist, müssen wir extrem hart sein“
Der Milliardär erwartet als neuer Chef der Kurznachrichten-Plattform die bedingungslose Einsatzbereitschaft seiner Mitarbeiter.

Doch der neue Twitter-Besitzer Elon Musk hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er die damalige Entscheidung für grundfalsch hält. Musk startete am Freitag per Tweet eine 24-stündige Umfrage unter Nutzern des Dienstes, die darüber abstimmen konnten, ob Trumps Profil wiederhergestellt werden solle. Nur wenige Minuten nach Verkündung des Ergebnisses - eine knappe Mehrheit hatte für das Ende der Sperre votiert - war Trumps Profil wieder da. Der letzte Tweet dort stammt vom 8. Januar 2021. Trump gab darin bekannt, dass er nicht zur Amtseinführung von Joe Biden kommen werde.

Trumps Account, der einst mehr als 80 Millionen Follower bei Twitter hatte und mit seinen unberechenbaren Botschaften mitunter die halbe Welt in Aufruhr versetzte, wurde bei der Abonnentenzahl auf null zurückgesetzt. Kurz nach der Freischaltung folgten dem Profil „@realDonaldTrump“ bereits wieder 1,4 Millionen Twitter-Nutzer - dann waren es plötzlich nur noch rund 700.000, anschließend ging es wieder allmählich nach oben. Der Grund für die Schwankungen blieb zunächst unklar.

Alternative

Bei der Twitter-Kopie Truth Social brachte es Trump zuletzt auf rund 4,6 Millionen Abonnenten. Eine größere Plattform mit mehr Reichweite kann er mit Blick auf die Kandidatenkür der Republikaner für die nächste Präsidentenwahl gut gebrauchen. Denn zuletzt verlor der 76-Jährige, der die Partei lange nach Belieben dominiert und Kritiker an den Rand gedrängt hatte, in den eigenen Reihen an Einfluss.


(FILES) In this file photo taken on October 28, 2022 The Twitter sign is seen at their headquarters on October 28, 2022 in San Francisco, California. - Twitter's new boss Elon Musk has asked staff to choose by November 17, 2022 between being "extremely hardcore" and working intense, long hours, or losing their jobs, according to an internal memo seen by AFP. (Photo by Constanza HEVIA / AFP)
Exodus der Mitarbeiter zwingt Elon Musk zur Kehrtwende
Der neue Twitter-Chef hat mit seinen Ankündigungen einen Großteil der Belegschaft vergrault. Das könnte für den Betrieb nun kritisch werden.

Bei den Parlaments- und Gouverneurswahlen am 8. November lehnten die Wähler mehrere Kandidaten ab, die massiv von ihm unterstützt worden waren. Auch insgesamt blieb der von vielen Demoskopen erwartete überwältigende Triumph der Republikaner aus: Sie gewannen nur knapp die Mehrheit im Repräsentantenhaus und die Demokraten konnten die Kontrolle über den Senat verteidigen.

Seitdem mehren sich die Stimmen, auch prominenter Republikaner, die dazu aufrufen, die Ära Trump endgültig zu beenden, um wieder anschlussfähig bei moderateren Wählern jenseits des harten Kerns seiner Anhängerschaft zu werden. Als ein aussichtsreicher Rivale, der Trump im Rennen um die Kandidatur der Republikaner bei der Präsidentenwahl 2024 gefährlich werden könnte, gilt etwa der frisch wiedergewählte Gouverneur von Florida, Ron DeSantis.

Just in diesem Moment gibt Musk, der seine Sympathien für die politischen Ansichten von Trumps Republikanern zuletzt sehr offen kundtat, dem politisch angeschlagenen Ex-Präsidenten den Twitter-Account zurück.

Musk mit Hintergedanken

„Das Volk hat gesprochen“, begründete der Tech-Milliardär seine Entscheidung nach Ablauf der Umfrage. Für Trumps Rückkehr sprach sich dabei eine knappe Mehrheit von 51,8 Prozent aus. Die Erhebung war allerdings nicht repräsentativ: An der von Musk auf 24 Stunden angesetzten Umfrage nahmen rund 15 Millionen Nutzer teil, während der Dienst nach jüngsten verfügbaren Angaben auf mehr als 230 Millionen täglich aktive Nutzer kommt.


PALM BEACH, FLORIDA - NOVEMBER 15: Former U.S. President Donald Trump speaks during an event at his Mar-a-Lago home on November 15, 2022 in Palm Beach, Florida. Trump announced that he was seeking another term in office and officially launched his 2024 presidential campaign.   Joe Raedle/Getty Images/AFP
Trumps holpriger Start ins Präsidentschaftsrennen
Donald Trump möchte noch einmal Präsident der Vereinigten Staaten werden. Doch nicht nur die verpatzte Ankündigung spricht gegen ihn.

Musk hat eigene Probleme, bei denen eine Rückkehr Trumps helfen könnte. Nach der kostspieligen Twitter-Übernahme brachen seinen Worten zufolge die Anzeigenerlöse ein. Denn Unternehmen befürchten, dass die Werbung für ihre Marken angesichts der uneingeschränkten Redefreiheit, die Musk in Aussicht gestellt hat, neben anstößigen Tweets landen könnte. Die chaotisch verlaufene Einführung eines neuen Abo-Systems wurde nach dem Wirbel um lauter täuschend echt aussehende Accounts von Marken und Prominenten gestoppt. Nun aber steigert allein die Kontroverse um die Wiederherstellung von Trumps Account die Aufmerksamkeit für Twitter.    

 Trump hatte bei Twitter einst 80 Millionen Follower.
Trump hatte bei Twitter einst 80 Millionen Follower.
Foto: AFP


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