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Motiv für Messerattacke auf Chefarzt: Hass auf die Familie
International 2 5 Min. 20.11.2019

Motiv für Messerattacke auf Chefarzt: Hass auf die Familie

Der mutmaßliche Täter wird aus der Berliner Schlosspark-Klinik abgeführt. Er soll zuvor den Arzt Fritz von Weizsäcker erstochen haben.

Motiv für Messerattacke auf Chefarzt: Hass auf die Familie

Der mutmaßliche Täter wird aus der Berliner Schlosspark-Klinik abgeführt. Er soll zuvor den Arzt Fritz von Weizsäcker erstochen haben.
Foto: Paul Zinken/dpa
International 2 5 Min. 20.11.2019

Motiv für Messerattacke auf Chefarzt: Hass auf die Familie

Tödlicher Angriff auf den Arzt Fritz von Weizsäcker: Der Sohn des früheren Bundespräsidenten wird während eines Vortrags in einer Berliner Klinik erstochen. Das Motiv: "wahnhafte Abneigung gegen Familie von Weizsäcker".

(dpa/tom/jt) - Am Tatort hängt am Tag danach noch ein Zettel: „Konferenzraum gesperrt“. Vor der Berliner Schlosspark-Klinik sind Kamerateams und Polizeiautos zu sehen, ein Sicherheitsmann passt auf, dass der Betrieb weitergehen kann. Wie schockierend es gewesen sein muss, was sich am Dienstagabend hier abgespielt hat, lässt sich nur erahnen: Der Chefarzt Fritz von Weizsäcker, Sohn des früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker, wird während eines Vortrags mit einem Messer attackiert. Er stirbt noch vor Ort.  

"Wahnbedingte Abneigung gegen Familie von Weizsäcker"

Der Angreifer wird festgenommen. Es ist ein 57 Jahre alter Deutscher aus Andernach in Rheinland-Pfalz, vorher noch nicht polizeibekannt. Das Motiv ist zunächst offen. Später geben die Ermittler bekannt: Den Mann habe eine „wohl wahnbedingte allgemeine Abneigung gegen die Familie des Getöteten“ angetrieben. 

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Wie Spiegel.de meldet, soll der Hintergrund in der früheren Tätigkeit des ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker liegen. Als Geschäftsführer des rheinland-pfälzischen Pharmakonzerns Boehringer Ingelheim sei von Weizsäcker in den 1960er-Jahren dafür verantwortlich gewesen, chemische Kampfstoffe für den Vietnamkrieg zu liefern, deshalb habe der Mann ihn seiner Aussage zufolge töten wollen. Die Berliner Staatsanwaltschaft wollte dem "Spiegel" zufolge diese Aussage weder bestätigen noch dementieren. 

Die Staatsanwaltschaft plant, den Mann in einem psychiatrischen Krankenhaus unterzubringen. Dies wolle man in Hinblick auf eine „akute psychische Erkrankung“ beantragen.

Der 57-Jährige habe angegeben, die Tat geplant zu haben. Im Internet sei er auf den Vortrag in der Schlosspark-Klinik gestoßen, hieß es. Der Mann sei am Dienstag mit der Bahn zu der Veranstaltung gefahren. Zuvor habe er noch in Rheinland-Pfalz ein Messer gekauft, um damit am Abend die Tat zu begehen. Dem Mann würden Mord und versuchter Mord vorgeworfen, hieß es. 

Steinmeier und Merkel kondolieren

Das Opfer ist ein renommierter Mediziner, aus einer der bekanntesten deutschen Familien. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier drückt der Mutter des Opfers, der einstigen First Lady Marianne von Weizsäcker (87), handschriftlich sein Beileid aus. Auch die Kanzlerin kondoliert.

Der Umweltwissenschaftler Ernst Ulrich von Weizsäcker würdigt seinen Cousin Fritz am Morgen danach mit warmen Worten. „Ich fand ihn ganz wunderbar“, sagt von Weizsäcker der Deutschen Presse-Agentur. „Ich habe ihn ungewöhnlich lieb gehabt.“ Er habe keine Ahnung, was hinter dem Verbrechen stecken könnte. Fritz von Weizsäckers Schwester Beatrice schreibt bei Twitter: „Wir können es weder fassen noch glauben.“ Bei Instagram postet sie ein Kreuz.

In der Krankenhaus-Kantine erzählt eine Angestellte am Tag danach, dass der Chefarzt ein sehr netter Mensch gewesen sei. Die Klinik legt ein Kondolenz-Buch aus. „Alle Mitarbeiter haben die Möglichkeit, in einem geschützten Raum ihre Betroffenheit zum Ausdruck zu bringen“, heißt es in einer Stellungnahme. Die Mitarbeiter und auch die Teilnehmer der Veranstaltung bekommen demnach psychologische Unterstützung.

Bereits der zweite Fall an der Charité

Wird es nun eine Sicherheitsdiskussion geben? Von Weizsäckers Kollegin, der Berliner Charité-Professorin Britta Siegmund, geht die Tat nahe. Es sei schon der zweite Kollege, den sie auf diese Weise verliere, sagt Siegmund. Eine Sicherheitsdebatte zu führen, hält sie derzeit aber nicht für sinnvoll. „Wir wissen jetzt zu wenig, was passiert ist.“ Erst einmal seien die Gedanken bei der Familie.


dpatopbilder - 19.11.2019, Berlin: Polizisten nehmen nach einer Auseinandersetzung, in deren Folge ein Mensch durch Messerstiche getötet wurde, in der privaten Schlosspark-Klinik eine Person fest. Foto: Paul Zinken/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Tödlicher Messerangriff kam von einem 57-Jährigen
Ein Mann ersticht am Dienstagabend bei einem Vortrag in einer Berliner Klinik den Arzt Fritz von Weizsäcker. Noch in der Nacht sollte der Verdächtige verhört werden.

Im Sommer 2016 hatte ein 72 Jahre alter Patient an der Charité einen Mediziner erschossen und sich danach selbst getötet. Der 55 Jahre alte Kieferorthopäde hatte den Mann schon lange behandelt. Damals war das Motiv des Täters wohl Verzweiflung. Die Charité bekräftigte danach, dass Sicherheitskontrollen an Krankenhäusern unrealistisch seien – die Häuser müssten für Patienten, Angehörige, Mitarbeiter und Studenten offen sein.

Polizist schreitet ein und wird schwer verletzt

Ein Rückblick auf die Attacke: Ein unauffälliges Plakat lockt zum öffentlichen Vortrag in der Schlosspark-Klinik. Um „Fettleber - (K)ein Grund zur Sorge?“ soll es gehen. Über ein Dutzend Menschen finden an diesem kalten, nassen Novembertag den Weg zu dem Krankenhaus am Rande des Parks von Schloss Charlottenburg. Beim „Forum 11/2019“ im Tagungsraum Haus H der Abteilung für Psychiatrie spricht Dozent Fritz von Weizsäcker.

Er ist Chefarzt an der Schlosspark-Klinik. Es geht um sein Fachgebiet, „die Fettleber, eine weitgehend unbekannte, aber zunehmende Volkskrankheit“. Während des Vortrags, so ergeben später die Ermittlungen, löst sich ein Mann aus der Reihe der Zuhörer. Der Mann stürmt auf den Dozenten zu. Ein Polizist (33), der zufällig unter den Zuschauern sitzt, versucht, den Mann aufzuhalten und überwältigt ihn.

Das ausgelegte Kondolenzbuch für Fritz von Weizsäcker und ein Foto des Mediziners.
Das ausgelegte Kondolenzbuch für Fritz von Weizsäcker und ein Foto des Mediziners.
Foto: Catharina Ackenhausen/Schlosspark-Klinik

Der Beamte wird selbst schwer verletzt. Er kommt später in ein anderes Krankenhaus, wird operiert und ist nicht in Lebensgefahr. Mehrere der Menschen im Publikum helfen, den Angreifer festzuhalten. Er wird festgenommen.

Gegen 19.00 Uhr geht bei Feuerwehr und Polizei ein Notruf ein, Rettungssanitäter und ein Notarzt eilen zu Hilfe. Sie können dem schwer verletzten Spitzenmediziner nicht mehr helfen.

Kind eines berühmten Vaters

Das Opfer, der 1960 in Essen geborene Mediziner Fritz von Weizsäcker, stammte aus einer berühmten Familie. Sein Vater Richard von Weizsäcker (1920-2015) war von 1984 bis 1994 Bundespräsident, zuvor 1981 bis 1984 für die CDU regierender Bürgermeister von Berlin (West).

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Bis 1962 wohnte die Familie in Essen und Düsseldorf, zog dann nach Ingelheim und 1967 nach Bonn. Fritz von Weizsäcker war das jüngste der vier Kinder. Sein Bruder Andreas starb 2008, es leben noch die Schwester Beatrice (61) und der älteste Sohn Robert Klaus (64).


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