Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Moskau: Hunderte Menschen bei Kundgebung für Journalisten festgenommen

Moskau: Hunderte Menschen bei Kundgebung für Journalisten festgenommen

AFP
International 6 1 12.06.2019

Moskau: Hunderte Menschen bei Kundgebung für Journalisten festgenommen

Die Behörden sprachen von mehr als 200 Festnahmen, das Bürgerrechtsportal „OWD-Info“ wenig später von mehr als 420. Darunter sind auch der bekannte Kremlkritiker Alexej Nawalny und ausländische Journalisten.

(dpa) - Bei einer nicht genehmigten Solidaritätskundgebung für den russischen Enthüllungsjournalisten Iwan Golunow in Moskau sind mehr als 200 Menschen festgenommen worden. Darunter sei auch Kremlkritiker Alexej Nawalny, bestätigte seine Sprecherin über den Kurznachrichtendienst Twitter.

Der russische Oppositionsführer Alexei Nawalny bei seiner Festnahme.
Der russische Oppositionsführer Alexei Nawalny bei seiner Festnahme.
Foto: AFP

Auf Bildern ist zu sehen, wie Russlands führender Oppositioneller Nawalny von Polizisten in einen Polizeibus gezogen wird. Er war in den vergangenen Jahren schon mehrfach festgenommen worden.  


Russian investigative journalist Ivan Golunov, charged of 'illegal production or sale of drugs', waves as he leaves Russian Head Investigative Department's office in Moscow on June 11, 2019. - Russian police droped drug charges against this investigative journalist and free him from house arrest on June 11, in a rare climbdown by law enforcement following a public outcry. (Photo by Vasily MAXIMOV / AFP)
Russischer Enthüllungsjournalist auf freiem Fuß - Keine Anklage
Der Druck auf die russische Justiz im Fall des renommierten Reporters Iwan Golunow war beispiellos. Beispiellos ist auch, dass gegen den 36-Jährigen nun alle Ermittlungen eingestellt werden.

Der Aktivist schrieb nach seiner Festnahme auf Twitter: „Es macht Sinn, die Machthaber sind höllisch erschrocken wegen der fantastischen und einmütigen Solidaritätsbekundung in der Golunow-Sache.“ Ihm drohen seiner Sprecherin zufolge bis zu 30 Tage Haft.

Unter den Festgenommenen sind auch Journalisten. Einer von ihnen ist der "Spiegel-Mitarbeiter" Alex Chernyshev, der festgenommen wurde, obwohl er sich den Beamten klar als Journalist ausgewiesen hat. Er wurde zwischenzeitlich wieder freigelassen.

Nach Angaben der Polizei beteiligten sich rund 1200 Menschen an der Kundgebung, wie die Nachrichtenagentur Tass meldete.

Inszeniertes Verfahren

Golunow hatte zuvor noch vor ungenehmigten Protesten gewarnt. Der Reporter war wegen eines mutmaßlichen Drogendelikts festgenommen worden. Allerdings stellte sich das Verfahren als inszeniert heraus. Der russische Innenminister Wladimir Kolokolzew hatte ihn mangels Beweisen wieder auf freien Fuß setzen lassen. Golunow hatte für sein Internetportal „Medusa“ etwa enthüllt, wie Polizei und Geheimdienstler sich im Beerdigungsgeschäft bereicherten.

Bereits am Abend seiner Verhaftung hatten Hunderte Menschen vor dem Justizgebäude in Moskau ihre Solidarität bekundet.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International erklärte, die willkürlichen und oft brutalen Verhaftungen seien „ein Beispiel für die grausame Unterdrückung, die die Demonstranten erst auf die Straße brachte“. Die Menschenrechtskommissarin des Europarats rief die russischen Behörden auf, die festgenommenen Demonstranten wieder freizulassen. Russland müsse sich beim Umgang mit Protesten an internationale Menschenrechtsstandards halten, erklärte Dunja Mijatovic.



Lesen Sie mehr zu diesem Thema