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Möglicher Auftragsmord in Berlin: Zwei russische Diplomaten ausgewiesen
International 2 Min. 04.12.2019

Möglicher Auftragsmord in Berlin: Zwei russische Diplomaten ausgewiesen

Beamte der Spurensicherung sichern in einem Faltpavillon Spuren am Tatort. Gut drei Monate nach dem Mord an einem Tschetschenen in Berlin will der Generalbundesanwalt die Ermittlungen an sich ziehen.

Möglicher Auftragsmord in Berlin: Zwei russische Diplomaten ausgewiesen

Beamte der Spurensicherung sichern in einem Faltpavillon Spuren am Tatort. Gut drei Monate nach dem Mord an einem Tschetschenen in Berlin will der Generalbundesanwalt die Ermittlungen an sich ziehen.
Foto: Paul Zinken/dpa
International 2 Min. 04.12.2019

Möglicher Auftragsmord in Berlin: Zwei russische Diplomaten ausgewiesen

Nach dem Mord an einem Georgier in Berlin war schnell die Rede von einem russischen Auftragskiller. Nachdem sich der Verdacht offenbar erhärtet hat, zieht die Bundesregierung jetzt Konsequenzen.

(dpa) - Gut drei Monate nach dem Mord an einem Georgier in Berlin weist Deutschland zwei russische Diplomaten aus. Sie seien mit sofortiger Wirkung zu unerwünschten Personen erklärt worden, teilte das Auswärtige Amt am Mittwoch in Berlin mit. Die Bundesregierung zieht damit die Konsequenzen aus einer möglichen Verstrickung des russischen Geheimdienstes.

Am 23. August war ein 40 Jahre alter Tschetschene mit georgischer Staatsangehörigkeit in einem kleinen Park in Berlin-Moabit von hinten erschossen worden. Sein Mörder hatte sich ihm am helllichten Tag auf einem Fahrrad genähert und auf Rücken und Kopf gezielt. Der mutmaßliche Täter, ein 49 Jahre alter Mann mit russischem Pass, war kurz nach der Tat gefasst worden. Seit seiner Festnahme schweigt er.

Taucher der Polizei fanden die Tatwaffe, eine Pistole, in der Spree einige Hundert Meter vom Tatort entfernt.
Taucher der Polizei fanden die Tatwaffe, eine Pistole, in der Spree einige Hundert Meter vom Tatort entfernt.
Foto: AFP

Mit der Ausweisung der beiden Diplomaten reagiert Deutschland nach Angaben des Auswärtigen Amtes darauf, dass die russischen Behörden trotz wiederholter hochrangiger und nachdrücklicher Aufforderungen nicht hinreichend an der Aufklärung mitgewirkt hätten. Dabei gebe es Anhaltspunkte, "dass die Tötung entweder im Auftrag von staatlichen Stellen der Russischen Föderation oder solchen der Autonomen Tschetschenischen Republik als Teil der Russischen Föderation erfolgt ist", heißt es in der Erklärung.

Nach der Ausweisung von zwei russischen Diplomaten aus Deutschland will Russland schnell reagieren. Eine Antwort werde nicht lange auf sich warten lassen, sagte Außenminister Sergej Lawrow am Mittwoch in Sotschi am Schwarzen Meer der Agentur Interfax zufolge. Welche Schritte Moskau einleiten will und wann, ließ er aber offen. "Wir sind besonnene Menschen und werden erst einmal prüfen, was uns überhaupt zur Last gelegt wird", sagte der Spitzendiplomat.  

Moskau nannte das Vorgehen unfreundlich und unbegründet. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur aus deutschen Regierungskreisen haben die beiden Diplomaten nun sieben Tage Zeit, um Deutschland zu verlassen.  

Wegen des Verdachts, dass staatliche Stellen in Russland oder in der Teilrepublik Tschetschenien den Mord in Auftrag gegeben haben, übernahm am Mittwoch auch die Bundesanwaltschaft den Fall. Es bestehe ein Anfangsverdacht, teilte die Karlsruher Behörde mit. Ein Sprecher der russischen Regierung hatte wenige Tage nach der Tat jede Verbindung bestritten.


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Zuständig ist die Bundesanwaltschaft nur dann, wenn es den konkreten Verdacht gibt, dass der Geheimdienst einer fremden Macht hinter einer Tat steht. Dann wird in Karlsruhe die Spionage-Abteilung tätig. Hintergrund ist, dass "geheimdienstliche Agententätigkeit" die äußere Sicherheit Deutschlands gefährden könnte.

Das Mordopfer hatte nach verschiedenen Medienberichten Anfang der 2000er-Jahre auf der Seite muslimischer Tschetschenen gegen Russland gekämpft. Auf den Mann soll es im Mai 2015 in der georgischen Hauptstadt Tiflis schon einmal einen Mordanschlag gegeben haben, den er verletzt überlebte. Nach seiner Flucht aus Georgien stellte der Mann in Deutschland einen Asylantrag. Dort lebte er seit 2016.


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