Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Tausende Bootsflüchtlinge binnen Stunden gerettet
International 2 Min. 03.05.2015 Aus unserem online-Archiv
Mittelmeer

Tausende Bootsflüchtlinge binnen Stunden gerettet

Die EU-Staaten (hier ein Foto der italienischen Küstenwache) verstärken ihre Bemühungen zur Rettung von Flüchtlingen im Mittelmeer.
Mittelmeer

Tausende Bootsflüchtlinge binnen Stunden gerettet

Die EU-Staaten (hier ein Foto der italienischen Küstenwache) verstärken ihre Bemühungen zur Rettung von Flüchtlingen im Mittelmeer.
Foto: AFP
International 2 Min. 03.05.2015 Aus unserem online-Archiv
Mittelmeer

Tausende Bootsflüchtlinge binnen Stunden gerettet

Hunderte Migranten sind in diesem Jahr schon im Mittelmeer ertrunken, doch die gefährlichen Überfahrten gehen weiter. Allein an diesem Wochenende wurden mehrere tausend Flüchtlinge gerettet.

(dpa) - Marine- und Küstenwachschiffe haben am Wochenende im Mittelmeer innerhalb weniger Stunden mehr als 4200 Bootsflüchtlinge gerettet. Das teilten die italienische und griechische Küstenwache am Sonntag mit. Inzwischen beteiligen sich auch Schiffe aus Frankreich und Deutschland an den Such- und Rettungsaktionen im Rahmen der EU-Grenzschutzmission „Triton“.

Die italienische Marine teilte mit, am Samstag und in der Nacht zum Sonntag seien mindestens 3690 Flüchtlinge in Sicherheit gebracht worden. Etwa 220 Menschen aus dem südlichen Afrika erreichten begleitet von der Küstenwache bereits die italienische Insel Lampedusa. Mehrere hundert Gerettete sollten nach Angaben der italienischen Marine am Montag auf Sizilien ankommen. Gleichzeitig starben aber auch mindestens zehn Flüchtlinge bei der gefährlichen Überfahrt.

Aufnahmelager in Griechenland überfüllt

Die griechische Küstenwache griff am Wochenende bis zum Sonntagmittag in der Ägäis knapp 530 weitere Migranten auf. Sie kamen auf den Inseln Lesbos, Chios, Farmakonisi, Samos, und Kos an, wie die Küstenwache mitteilte. Die meisten Migranten stammten aus Syrien, Somalia und Afghanistan, berichteten örtliche Medien. Durch die Ägäis führen Routen, über die Schleuserbanden Migranten nach Europa bringen.

Die Aufnahmelager in Griechenland sind überfüllt. Die meisten dieser Migranten versuchen, anschließend nach Mitteleuropa zu gelangen. Schleuserbanden machten zurzeit ein „Bombengeschäft“, sagte ein Offizier der Küstenwache der Deutschen Presse-Agentur am Sonntag.

Frankreich verstärkt Rettungsaktionen

Das französische Patrouillenboot „Commandant Birot“, das sich an der Rettungsaktion der Italiener beteiligte, kam am Samstag nördlich der lybischen Küste drei Flüchtlingsbooten in Seenot zu Hilfe. Wie die See-Präfektur für das Mittelmeer in Toulon mitteilte, nahm das Kriegsschiff 217 Menschen an Bord. Zwei der Insassen stünden im Verdacht, Schleuser zu sein. Die abgefangenen Boote seien unbrauchbar gemacht worden, Flüchtlinge und mutmaßliche Schlepper sollten den italienischen Behörden übergeben werden.

Frankreich hatte die „Commandant Birot“ erst in der vergangenen Woche für die Operation „Triton“ unter dem Dach der EU-Grenzschutzagentur Frontex abgestellt. Es war damit nach eigenen Angaben das erste Land, das dem Aufruf des EU-Sondergipfels nachkam, zusätzliche Mittel für den Einsatz bereitzustellen. Am Freitag erreichten auch zwei Schiffe der Deutschen Marine, die ebenfalls bei der Rettungsaktion mithelfen sollen, das Mittelmeer.

Flüchtlingsströme reißen nicht ab

Auch nach dem möglicherweise schlimmsten Flüchtlingsunglück im Mittelmeer mit vermutlich rund 800 Toten vor zwei Wochen geht die Zahl der Überfahrten nicht zurück. Tausende Migranten machen sich derzeit vor allem von Libyen aus auf den Weg über das Mittelmeer nach Europa. Vor allem bei gutem Wetter im Sommer wagen viele der Flüchtlinge die gefährliche Reise. Bei den Überfahrten in zumeist überfüllten Schiffen kommt es immer wieder zu Unglücken.

Nach dem Drama mit Hunderten Toten im April hatten die EU-Staats- und Regierungschefs bei einem Sondergipfel einen Ausbau der Seenotrettung und die Bekämpfung der Schleuser beschlossen. Seit Jahresbeginn sind nach Schätzungen von Hilfsorganisationen bereits mehr als 1600 Migranten ums Leben gekommen.

Italien ist besonders von der Flüchtlingsproblematik betroffen und fordert mehr Hilfe der anderen EU-Staaten. Das Land kann den Ansturm kaum noch bewältigen, die meisten Aufnahmezentren sind überfüllt. 2014 erreichten erreichten nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) etwa 170 000 Bootsflüchtlinge Italien. Für 2015 gehen Experten von einer nochmaligen Steigerung dieser Zahl aus.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Hunderte Migranten durchbrechen den Stacheldraht an der Grenze zwischen Griechenland und Mazedonien. Tausende Flüchtlinge geraten im Mittelmeer in Seenot. Angesichts der Dramen wird der Ton im europäischen Flüchtlingsstreit schärfer.
A man holds two children after crossing Greece's border into Macedonia near Gevgelija, Macedonia, August 22, 2015. Thousands of migrants stormed across Macedonia's border on Saturday, overwhelming security forces who threw stun grenades and lashed out with batons in an increasingly futile bid to stem their flow through the Balkans to western Europe. Some had spent days in the open with little or no access to food or water after Macedonia on Thursday declared a state of emergency and sealed its borders to migrants, many of them refugees from war in Syria and other conflicts in the Middle East. REUTERS/Ognen Teofilovski
Trotz Katastrophen mit Hunderten Toten wagen immer mehr Menschen die gefährliche Überfahrt über das Mittelmeer. Italien und Griechenland retten Tausende - an nur einem Wochenende.
Auch die französische Marine beteiligt sich mittlerweile an den Rettungsaktionen.
Solidarität mit Flüchtlingen
Mehrere hundert Teilnehmer haben am Donnerstagmittag auf der Place d'Armes in Luxemburg-Stadt auf das Schicksal von Flüchtlingen in der Mittelmeerregion aufmerksam gemacht.
Zwischen 300 und 400 Personen kamen am Donnerstag auf die Place d'Armes, um ein Zeichen zu setzen.
Neues Flüchtlingsdrama im Mittelmeer: Nach dem Kentern eines voll besetzten Schiffes werden Hunderte Menschen vermisst. Es ist vermutlich eine der schlimmsten Tragödien der letzten Jahre.
Die italienische Küstenwache war mit Schiffen und Hubschraubern im Einsatz.
Im Mittelmeer ereignete sich einer Hilfsorganisation zufolge erneut eine Flüchtlingskatastrophe. Überlebende berichten von Hunderten Toten nach einem Bootsunglück.
Die italienische Küstenwache rettet immer wieder Flüchtlinge im Mittelmeer.