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Missbrauchsskandal: 30.000 Spuren, nicht Verdächtige
International 30.06.2020

Missbrauchsskandal: 30.000 Spuren, nicht Verdächtige

Nordrhein-Westfalens Justizminister Peter Biesenbach (CDU).

Missbrauchsskandal: 30.000 Spuren, nicht Verdächtige

Nordrhein-Westfalens Justizminister Peter Biesenbach (CDU).
Marcel Kusch/dpa
International 30.06.2020

Missbrauchsskandal: 30.000 Spuren, nicht Verdächtige

Im Fall Bergisch Gladbach ist Nordrhein-Westfalens Justizminister am Montag offenbar eine Kommunikationspanne unterlaufen. Die Ermittler sprachen von 30.000 Spuren, nicht Verdächtigen.

(dpa) - Die Zahl der Tatverdächtigen im Missbrauchsfall in der deutschen Stadt Bergisch Gladbach könnte deutlich kleiner ausfallen als die von Nordrhein-Westfalens Justizminister Peter Biesenbach am Montag zunächst genannte Zahl von 30.000.


ARCHIV - 11.11.2019, Nordrhein-Westfalen, Alsdorf: Ein Haus wird von der Polizei mit Unterstützung des THW durchsucht. Hier wurde im Zusammenhang mit dem Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach ein Verdächtiger festgenommenen und seine Wohnung durchsucht. Im Fall Bergisch Gladbach sind die Ermittler auf Spuren von mehr als 30 000 Verdächtigen gestoßen. Das hat NRW-Justizminister Biesenbach (CDU) am Montag in Düsseldorf mitgeteilt. In Foren und Messengerdiensten gingen die Pädo-Kriminellen ganz unverhohlen mit ihren Missbrauchstaten um, heizten sich an und gäben sich Tipps. Foto: Dagmar Meyer-Roeger/dmp press/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Missbrauchsskandal: Spuren von 30.000 Verdächtigen entdeckt
Ermittler gegen Kindesmissbrauch und Kinderpornografie sind in Deutschland auf eine neue Dimension gestoßen. Sie entdeckten Tarnnamen und Spuren von mehr als 30.000 Verdächtigen.

„Wenn mit der Zahl der Spuren die IP-Adressen gemeint sind, reden wir mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer deutlich geringeren Anzahl von Menschen, die sich dahinter verbergen“, sagte der Internet-Experte Bernhard Krönung, Beirat des größten deutschen Internetknotenpunkts DE-CIX, der Deutschen Presse-Agentur.

Krönung verwies darauf, dass Provider oft in regelmäßigen Abständen den Anschlüssen neue IP-Adressen zuweisen. Außerdem versuchten Kriminelle, im Internet ihre Spuren häufig im Anonymisierungsnetzwerk TOR zu verwischen. „Da werden auch jeweils neue IP-Adressen verwendet.“


Die Staatsanwaltschaft Münster informiert über die Taten.
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Gerade in Fällen schwerer Kriminalität versuchten die Täter auch, ihre örtliche Herkunft zu verschleiern. „Die loggen sich dann über Internet-Cafés oder öffentlich zugängliche WLAN-Hotspots ein.“ Daher könne es sein, dass einem Tatverdächtigen in dem Missbrauchsfall eine Vielzahl von IP-Adressen zuzuordnen seien.

Die deutschen Ermittler hatten am Montagabend die Angaben des Justizministers bereits relativiert und selbst gesagt, dass es sich um 30.000 Spuren handele, hinter denen nicht die gleiche Zahl an Verdächtigen stehen müsse. Es könne durchaus Dopplungen geben, wenn ein Verdächtiger zum Beispiel mehrere Nicknames oder Internetanschlüsse verwendet hätte.


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In dem Komplex „Bergisch Gladbach“ waren bisher in Deutschland 72 Verdächtige identifiziert worden. Zehn waren zuletzt in Untersuchungshaft. Sieben Anklagen gegen acht Personen sind bereits erhoben worden. Der Fall war im Oktober 2019 mit der ersten Durchsuchung bei einem der Hauptverdächtigen in Bergisch Gladbach bei Köln ins Rollen gekommen.


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