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Milchbauern zwischen den Mühlen der Politik
International 06.09.2015 Aus unserem online-Archiv
EU: Nur Minimalkompromiss?

Milchbauern zwischen den Mühlen der Politik

Nicht nur in Luxemburg protestierten die Bauern: Am Samstag gab es Proteste vor dem Landwirtschaftsministerium in Madrid.
EU: Nur Minimalkompromiss?

Milchbauern zwischen den Mühlen der Politik

Nicht nur in Luxemburg protestierten die Bauern: Am Samstag gab es Proteste vor dem Landwirtschaftsministerium in Madrid.
Foto: AFP
International 06.09.2015 Aus unserem online-Archiv
EU: Nur Minimalkompromiss?

Milchbauern zwischen den Mühlen der Politik

Der Milchpreis stürzt ab und bringt Landwirte in Existenznot. Nun sollen bei einem Treffen der EU-Agrarminister neue Maßnahmen her. Doch eine einheitliche Position scheint nicht in Sicht.

(dpa) - Nach dem Preisverfall bei Milch wollen die EU-Staaten den protestierenden Milchbauern unter die Arme greifen. Angedacht sind laut EU-Diplomaten etwa Subventionen, um Magermilchpulver und Butter einzulagern. Direkte Einkommenshilfen der EU an Landwirte sollen früher als üblich ausgezahlt werden, also schon Mitte Oktober statt Anfang Dezember. Zudem will Brüssel den Handel und Export mit Kampagnen ankurbeln und es den Staaten erleichtern, Kredite an Landwirte zu vergeben. Europas Agrarminister beraten an diesem Montag (7. September) bei einem Sondertreffen in Brüssel über Sofortmaßnahmen gegen die Krise.

Millionenhilfen oder keine Eingriffe?

Umstritten sind nach wie vor Eingriffe in den Milchmarkt. Während Frankreich dies befürwortet, ist der deutsche Landwirtschaftsminister Christian Schmidt dagegen. Experten erwarten bei dem Krisentreffen daher nur einen Minimalkompromiss. Die französische Regierung hatte ihren Bauern vor wenigen Tagen neue Millionenhilfen wie Notkredite, Zahlungsaufschübe und Investitionshilfen versprochen.

Die EU-Kommission hat ein Paket angekündigt, das EU-Agrarkommissar Phil Hogan den Ministern vorstellen will. Hogan und Schmidt lehnen die Wiedereinführung einer Quotenregelung strikt ab. „Wir stimmen alle überein, die Marktorientierung der gemeinsamen Landwirtschaftspolitik beizubehalten“, hatte der Kommissar jüngst gesagt. Am 1. April war die Milchquote abgeschafft worden, die Bauern können nun so viel melken, wie sie wollen. Dies hat für ein Überangebot gesorgt.

Das Treffen wird begleitet von Tausenden Bauern, die nach Angaben von Bauernverbänden zu Protesten in die belgische Hauptstadt kommen. Auch Hunderte Milchbauern wollten sich am Wochenende mit ihren Traktoren auf den Weg nach Brüssel machen.


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