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Migrationskrise: Immer mehr Staaten bewegen sich
International 4 Min. 07.09.2015

Migrationskrise: Immer mehr Staaten bewegen sich

Am Bahnhof von München kamen am Montag erneut Tausende Flüchtlinge an.

Migrationskrise: Immer mehr Staaten bewegen sich

Am Bahnhof von München kamen am Montag erneut Tausende Flüchtlinge an.
REUTERS
International 4 Min. 07.09.2015

Migrationskrise: Immer mehr Staaten bewegen sich

Die Zahl der EU-Staaten, die sich bereit zeigen, weitere Flüchtlinge aufzunehmen, steigt. Doch Ungarn blockt weiter. Die wichtigsten Nachrichten vom Tag zur Migrationskrise.

(dpa) - Die Flüchtlingskrise ist derzeit das alles beherrschende Thema in der europäischen Politik. Wir fassen die wichtigsten Geschehnisse vom Montag zusammen.

Ungarn: Orban legt nach

Ministerpräsident Viktor Orban hält eine Quotenregelung für nicht realisierbar, weil im Schengenraum Reisefreiheit herrsche. „Wie soll das funktionieren?“, sagte er bei der Jahresversammlung ungarischer Diplomaten. „Hat das jemand durchdacht?“ Die EU habe keinen Krisenplan, kritisierte er. Über Verteilungsquoten könne man erst reden, wenn man die Gründe zur Flucht beseitigt habe.

Ungarn II: Flüchtlinge marschieren Richtung Budapest

Am ungarisch-serbischen Grenzübergang Röszke haben Hunderte Flüchtlinge am Montagabend eine Polizeiabsperrung durchbrochen, um auf der Autobahn M5 Richtung Budapest zu marschieren. Unter den schätzungsweise tausend Menschen seien viele Familien mit Kindern, berichteten ungarische Medien. Die Migranten schienen nach Westeuropa weiterreisen zu wollen.

Die Migranten liefen mitten auf einer Autobahn, die nach Budapest führt.
Die Migranten liefen mitten auf einer Autobahn, die nach Budapest führt.
REUTERS

Die Polizei sperrte den betroffenen Autobahnabschnitt für den Kraftverkehr und ließ die Flüchtlinge gewähren. Ihr Marsch dauerte am Abend noch an. Die Flüchtlinge hatten ihre Registrierung im Transitlager Röszke verweigert. Insgesamt kamen am Montag bis zum späten Nachmittag rund 2100 neue Flüchtlinge nach Ungarn.


Deutschland: Mehr Geld für die Flüchtlingshilfe

Mit einem milliardenschweren Maßnahmenpaket will die Bundesregierung die Versorgung und Unterbringung von Flüchtlingen in Deutschland in den Griff bekommen. Unter dem Druck wachsender Asylbewerberzahlen erhöht der Bund die Mittel im Haushalt 2016 um drei Milliarden Euro. Bundesländer und Kommunen sollen weitere drei Milliarden Euro erhalten, heißt es in einem Papier, das die Spitzen der großen Koalition in der Nacht zum Montag beschlossen.

In München wurde eine Messehalle in eine Notunterkunft umgewandelt.
In München wurde eine Messehalle in eine Notunterkunft umgewandelt.
AFP

Nach der Ankunft Tausender Flüchtlinge am Wochenende in München sind auch am Montag wieder viele Menschen in Bayerns Landeshauptstadt eingetroffen. Allein bis zum Nachmittag (15 Uhr) brachten Sonderzüge aus Österreich knapp 2000 Menschen nach München, wie die Bundespolizei mitteilte. Die Regierung von Oberbayern rechnete bis zum Abend mit insgesamt bis zu 3600 Neuankömmlingen. Am Wochenende waren 20 000 Migranten angekommen.


Frankreich: Aufnahme von weiteren 24.000 Flüchtlingen

Frankreich ist bereit, wie von der EU-Kommission vorgesehen, 24.000 zusätzliche Flüchtlinge über zwei Jahre aufzunehmen. „Das werden wir machen“, sagte Präsident François Hollande am Montag in Paris. Er zeigte sich zuversichtlich, dass die Flüchtlingskrise bewältigt werden könne. Bedingung sei allerdings auch, dass in den Ankunftsländern im Süden der EU Zentren für die Identifizierung der Migranten eingerichtet würden.


Großbritannien: Premier Cameron bewegt sich

Premier Cameron gibt seine harte Haltung auf.
Premier Cameron gibt seine harte Haltung auf.
AFP

Großbritannien will in den kommenden Jahren 20.000 aus Syrien geflohene Menschen aufnehmen. Es würden Menschen aus Lagern rund um die syrische Grenze ins Land geholt, sagte Premierminister David Cameron am Montag im Parlament in London. Dabei solle ein Schwerpunkt auf Kindern und Waisen liegen. Die Flüchtlinge erhielten ein für fünf Jahre gültiges Visum.

Großbritannien ist nicht Teil der Schengenzone ohne Grenzkontrollen und beteiligt sich nicht am Programm zur Verteilung von Flüchtlingen in Europa. In den vergangenen vier Jahren hat das Land nach Regierungsangaben 5000 Syrern Asyl gewährt.


Dänemark: Neue Töne in der Asylpolitik

Dänemark ist zur Aufnahme weiterer Flüchtlinge bereit. „Wir sind kein Teil der europäischen Flüchtlingspolitik, aber wir sind ein Teil Europas. Deshalb müssen wir handeln“, sagte der dänische Ministerpräsident Lars Løkke Rasmussen am Montag. Deutschlands Entscheidung, seine Grenzen zu öffnen, habe auch mehr Menschen nach Dänemark gebracht, sagte Rasmussen. Rund 400 Flüchtlinge, die seit Sonntag mit Zug und Fähre aus Deutschland gekommen seien, würden in Dänemark registriert, auch wenn sie nach Schweden weiterreisen wollten. Medienberichten zufolge kommen viele aus Syrien.

Die Minderheitsregierung von Rasmussens liberaler Partei Venstre war im Juni auch mit dem Wahlversprechen an die Macht gekommen, den Andrang von Flüchtlingen durch strengere Asylregeln kontrollieren zu wollen.


Schweden: Mehr Solidarität gefordert

Schweden will sich für ein dauerhaftes, verpflichtendes System zur Umverteilung von Asylsuchenden innerhalb der EU stark machen. Freiwillige Lösungen seien bei den steigenden Flüchtlingszahlen nicht genug, sagte der schwedische Premier Stefan Löfven am Montag in Stockholm. Er forderte eine Erhöhung der Flüchtlingsquoten in der EU auf 100.000 statt der im Juni vereinbarten 20.000.

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