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Messerstiche gegen Bürgermeister-Kandidatin: 14 Jahre Haft für Kölner Reker-Attentäter
International 01.07.2016 Aus unserem online-Archiv

Messerstiche gegen Bürgermeister-Kandidatin: 14 Jahre Haft für Kölner Reker-Attentäter

Der Attentäter (sitzend) muss für die Messerstiche 14 Jahre hinter Gitter.

Messerstiche gegen Bürgermeister-Kandidatin: 14 Jahre Haft für Kölner Reker-Attentäter

Der Attentäter (sitzend) muss für die Messerstiche 14 Jahre hinter Gitter.
Foto: AFP
International 01.07.2016 Aus unserem online-Archiv

Messerstiche gegen Bürgermeister-Kandidatin: 14 Jahre Haft für Kölner Reker-Attentäter

Volker BINGENHEIMER
Volker BINGENHEIMER
Einen Tag vor ihrer Wahl zur Kölner Oberbürgermeisterin wurde Henriette Reker von einem Attentäter beinahe umgebracht. Der Messerstecher wollte mit der Bluttat ein „Klima der Angst“ schaffen, meint die Richterin beim Schuldspruch.

(dpa) - 14 Jahre Gefängnis erhält der Mann, der die heutige Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker mit seiner Messerattacke fast getötet hat. Das Oberlandesgericht im westdeutschen Düsseldorf sprach den 45-jährigen Attentäter am Freitag wegen versuchten Mordes schuldig.

„Er wollte ein Signal gegen die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung setzen“, sagte die Vorsitzende Richterin Barbara Havliza in ihrer Urteilsbegründung. „Er wollte ein Klima der Angst schaffen und die Politik beeinflussen.“

Attentäter Frank S. hatte Reker am 17. Oktober 2015, einen Tag vor ihrer Wahl zur Oberbürgermeisterin von Köln, ein großes Jagdmesser in den Hals gerammt. Die 59-Jährige schwebte in akuter Lebensgefahr und lag mehrere Tage im künstlichen Koma. Die Klinge hatte ihre Luftröhre fast vollständig durchtrennt und einen Brustwirbel getroffen. Die Bundesanwaltschaft hatte lebenslange Haft, der Verteidiger maximal 15 Jahre gefordert. Bei der Verlesung des Urteils schüttelte Frank S. auf der Anklagebank kurz den Kopf.

Er hatte in den 1990er Jahren der rechten Szene angehört und wegen einer Reihe überwiegend rechtsradikal motivierter Gewalttaten bereits drei Jahre im Gefängnis gesessen. Er hatte auch an Neonazi-Aufmärschen für den Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß teilgenommen.

Im Prozess hatte Frank S. das Attentat gestanden. Er sagte aber auch, er habe Reker nicht töten wollen. Er habe sie lediglich als Oberbürgermeisterin verhindern wollen, der er eine „linksradikale Esoterik-Politik“ vorwarf. Die parteilose Reker war im Wahlkampf von Christdemokraten, Liberalen und Grünen unterstützt worden.

„Er hielt die Bundesregierung nicht für berechtigt, Flüchtlinge ins Land zu lassen“, sagte Richterin Havliza. „Seiner Meinung nach beging die Bundesregierung Hochverrat. Er wollte dagegen ein extremes und brutales Zeichen setzen.“ Einem Polizisten zufolge hatte Frank S. auch ein Attentat auf Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel erwogen, aber keine Chance gesehen, an sie heranzukommen. Neben Reker waren in Köln noch vier weitere Menschen durch seine Messerstiche verletzt worden.