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Polizei findet Hassbotschaften in Täterwohnung
International 3 Min. 26.06.2021
Messerattacke von Würzburg

Polizei findet Hassbotschaften in Täterwohnung

Vor dem Kaufhaus in der Würzburger Innenstadt haben Bürger Kerzen zur Erinnerung an die Opfer aufgestellt.
Messerattacke von Würzburg

Polizei findet Hassbotschaften in Täterwohnung

Vor dem Kaufhaus in der Würzburger Innenstadt haben Bürger Kerzen zur Erinnerung an die Opfer aufgestellt.
Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
International 3 Min. 26.06.2021
Messerattacke von Würzburg

Polizei findet Hassbotschaften in Täterwohnung

Ein Mann geht mit einem Messer offensichtlich wahllos auf Menschen los. Mindestens drei überleben den Angriff in Würzburg nicht. Mutige Passanten stellen sich dem 24-Jährigen in den Weg und verhindern so womöglich Schlimmeres.

(dpa) - Am Tag nach der tödlichen Messerattacke von Würzburg sind die Ermittler bei der Suche nach einem Motiv noch nicht endgültig fündig geworden. Unklar sei, inwiefern die Psyche des 24 Jahre alten Somaliers eine Rolle gespielt habe und inwiefern islamistische Einstellungen zur Tat beigetragen hätten, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Samstag in Würzburg. 

Die Beamten gingen weiter davon aus, dass es sich um einen Einzeltäter handelt. Der Somalier wurde nach dem Verbrechen, das sich in einem Kaufhaus, einer Bank und auf der Straße abgespielt hatte, von der Polizei angeschossen und festgenommen.

Das bayerische Landeskriminalamt übernahm in Zusammenarbeit mit der Generalstaatsanwaltschaft München die Ermittlungen zu den Hintergründen von den lokalen Behörden. Die Übergabe an die übergeordneten Behörden erfolge, weil es sich um eine „Amoklage“ gehandelt habe, erklärte Würzburgs Leitender Oberstaatsanwalt Frank Gosselke.

Bei dem Angriff am Freitagnachmittag in der Innenstadt hatte der Mann drei Frauen in einem Kaufhaus getötet. Auf der Straße und in einer Bank verletzte er danach sechs weitere Frauen schwer und einen männlichen Jugendlichen leicht. Eine Frau befand sich auch am Samstag noch in Lebensgefahr. Der Somalier hatte nach Darstellung der Polizei offenbar grundlos auf die ihm unbekannten Menschen eingestochen.

Bayerns Innenminister Karl-Josef Hermann bei der Pressekonferenz.
Bayerns Innenminister Karl-Josef Hermann bei der Pressekonferenz.
Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Bei den Opfern handelt es sich fast ausschließlich um Frauen. Ob der Verdächtige bewusst Frauen ausgewählt hat, ist der Polizei zufolge noch nicht bekannt. Nach gegenwärtigem Ermittlungsstand könne es sich auch um einen Zufall handeln.

Täter war polizeibekannt

Ermittler fanden in dem Obdachlosenheim, in dem der mutmaßliche Angreifer zuletzt lebte, Hassbotschaften. Das sagte der Leitende Kriminaldirektor Armin Kühnert. Das Material sei sichergestellt, aber noch nicht ausgewertet worden. Auch Nachrichten auf einem entdeckten Handy müssten noch untersucht werden, was wegen der dabei genutzten Fremdsprache etwas dauere.

Der 24-Jährige war schon vor der Tat polizeibekannt. Er soll im Januar bei einem Streit in einer Obdachlosenunterkunft zu einem Messer gegriffen und es bedrohlich in der Hand gehalten haben, wie Wolfgang Gründler von der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg sagte. Worum es bei der Auseinandersetzung mit Mitbewohnern und Verwaltern ging, sagte er nicht. Verletzt worden sei niemand.


25.06.2021, Bayern, Würzburg: Polizisten stehen in der Innenstadt. Bei einer Messerattacke in der Würzburger Innenstadt sind am Freitag mehrere Menschen getötet worden. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Drei Tote und mehrere Verletzte bei Messerattacke
Drei Menschen wurden bei der Messerattacke getötet, wie die Polizei bestätigt. Mehrere Menschen wurden teils schwer verletzt.


Die Polizei leitete aber ein Ermittlungsverfahren wegen Bedrohung und Beleidigung ein, der Somalier kam zunächst vorübergehend in eine Psychiatrie. Das Verfahren laufe weiter, ein psychiatrisches Gutachten steht demnach noch aus.

„Verstörtes Verhalten“

Im Juni soll der 24-Jährige zudem einen Verkehrsteilnehmer in der Würzburger Innenstadt belästigt haben. „Da hat der Beschuldigte ein verstörtes Verhalten mit psychischen Auffälligkeiten gezeigt“, sagte Gründler. Der Mann sei erneut in eine Psychiatrie gekommen, aber nach einem Tag wegen fehlenden Behandlungsbedarfes entlassen worden.

Der Mann aus dem Bürgerkriegsland Somalia sei am 6. Mai 2015 nach Deutschland eingereist, erläuterte Unterfrankens Polizeipräsident Gerhard Kallert. Seit dem 4. September 2019 war der Asylbewerber in Würzburg erfasst und erhielt später subsidiären Schutz - er hält sich also legal in Deutschland auf.

Ein Mann entzündet vor dem geschlossenen und abgesperrten Kaufhaus in der Würzburger Innenstadt eine Kerze.
Ein Mann entzündet vor dem geschlossenen und abgesperrten Kaufhaus in der Würzburger Innenstadt eine Kerze.
Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Auf Weisung des Amtsgerichts Würzburg sitzt der Verdächtige mittlerweile in Untersuchungshaft - wegen dreifachen Mordes, versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung in sechs weiteren Fällen und vorsätzlicher Körperverletzung in einem weiteren Fall.

Verteidiger: Kein islamistischer Hintergrund

Der Pflichtverteidiger des Somaliers, Hanjo Schrepfer, sagte, sein Mandant sei trotz einer Beinschussverletzung als haftfähig eingestuft worden. Nach Gesprächen mit dem 24-Jährigen könne er bisher kein islamistisches Motiv erkennen. „Offiziell hat er sich noch nicht zur Sache eingelassen“, sagte Schrepfer.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) bezeichnete die Bluttat als Amoklauf. Aus Sicherheitskreisen hieß es am Samstag, der junge Mann habe bei seiner Vernehmung eine Äußerung gemacht, die auf religiösen Fanatismus schließen lasse. Hinweise auf Kontakte zu militanten Salafisten gibt es dem Vernehmen nach bisher jedoch nicht. „Ich bin von dieser unfassbar brutalen Tat tief erschüttert“, sagte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU).


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