Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Messerangriff in Paris: Justiz geht von Terrorismus aus
International 1 2 Min. 05.10.2019 Aus unserem online-Archiv

Messerangriff in Paris: Justiz geht von Terrorismus aus

Ein Rettungswagen fährt nach dem Attentat im Pariser Polizeihauptquartier durch eine versperrte Straße auf der Île de la Cité.

Messerangriff in Paris: Justiz geht von Terrorismus aus

Ein Rettungswagen fährt nach dem Attentat im Pariser Polizeihauptquartier durch eine versperrte Straße auf der Île de la Cité.
Foto: Jair Cabrera Torres/dpa
International 1 2 Min. 05.10.2019 Aus unserem online-Archiv

Messerangriff in Paris: Justiz geht von Terrorismus aus

Ein Mitarbeiter der Polizei greift in der Polizeipräfektur mitten in Paris seine Kollegen mit einem Messer an. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun wegen eines terroristischen Hintergrunds.

(dpa/jt/asc) - Nach der tödlichen Messerattacke im Pariser Polizeihauptquartier haben Anti-Terror-Spezialisten der Staatsanwaltschaft die Ermittlungen übernommen. Das bestätigte die Pariser Staatsanwaltschaft der Deutschen Presse-Agentur am Freitagabend. Die Ermittlungen seien aufgrund der bisherigen Erkenntnisse von den Anti-Terror-Spezialisten übernommen worden.  Es werde sowohl wegen Mordes und versuchten Mordes als auch wegen Terror-Verdachts ermittelt. Der Sender BFMTV berichtete, dass die Nutzung des Mobiltelefons des Angreifers zu den Anti-Terror-Ermittlungen geführt hätten.  

Motiv des mutmaßlichen Angreifers weiter unklar

Ein 45-jähriger Mitarbeiter des Polizeihauptquartiers im Herzen von Paris hatte am Donnerstag vier Menschen mit einem Messer getötet. Bei den Opfern handelt es sich um drei Männer und eine Frau. Der Angreifer wurde erschossen. Es gab zudem mehrere Verletzte.    

Nach der tödlichen Messerattacke sucht die Polizei weiter nach dem Motiv des mutmaßlichen Angreifers. Die Ehefrau des Mannes blieb am Samstag weiterhin in Gewahrsam, wie Justizkreise bestätigten. Die Frau war nach der Tat in der französischen Hauptstadt am Donnerstag festgenommen worden.   

"Nur Gott wird über dich richten"

Einem Bericht der Zeitung "Le Parisien" zufolge soll der Mann das Tatmesser – die Klinge aus Keramik maß 33 Zentimeter – am selben Tag gekauft haben. Kurz bevor er auf die Polizisten in der Präfektur losging, soll er seiner Frau eine SMS geschickt haben, in dem er sie über den Kauf des Messers informierte. Die Frau habe sinngemäß geantwortet: "Nur Gott wird über dich richten". 

360 Videos werden hier nicht unterstützt. Wechseln Sie in die Youtube App, um das Video anzusehen.

"Le Parisien" schreibt auch, dass der 45-Jährige nach dem Attentat auf das Satiremagazin "Charlie Hebdo" im Januar 2015 bereits in den Fokus der Behörden geraten war.

2017 soll der Angreifer zum Islam konvertiert sein, hieß es in mehreren Medienberichten. Der Pariser Polizeipräsident Didier Lallement sagte am Nachmittag, dass keine Hypothese bei den Ermittlungen ausgeschlossen werden könne. Am Morgen hatte Regierungssprecherin Sibeth Ndiaye noch erklärt, dass es bisher keine Hinweise auf eine Radikalisierung des Angreifers gebe. 

Île de la Cité trägt Trauer

Der in dieser Form beispiellose Fall löste in Frankreich Entsetzen und Trauer aus. Die Polizeipräfektur sei mit dem Angriff so schwer wie nie zuvor getroffen worden, hieß es. Am Vormittag versammelten sich zahlreiche Menschen vor dem Hauptquartier auf der Seine-Insel Île de la Cité zu einer Schweigeminute. Dort wurde auch ein Kondolenzbuch aufgestellt.

Der 45-Jährige sei als ein Informatiker bei der Polizei tätig gewesen und habe seit 2003 dort gearbeitet, sagte Polizeipräsident Lallement. Ein Polizei-Gewerkschafter beschrieb ihn als vorbildlichen Beamten, der von seinen Kollegen sehr geschätzt worden sei. Bei dem Mann soll es sich um eine "sehr empfindliche und sehr unauffällige" Person gehandelt haben, berichtet "Le Monde" unter Berufung auf polizeinahe Kreise.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Attacke in Paris: Polizei schießt Terroristen nieder
Ein Mann hat am Dienstagnachmittag im Zentrum von Paris einen Polizisten mit einem Hammer angegriffen und wurde niedergeschossen. Die Sicherheitskräfte sperrten das Viertel ab, die Staatsanwaltschaft geht von einem terroristischen Hintergrund aus.
Das Viertel wurde nach dem Angriff von der Polizei hermetisch abgeriegelt.