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Merkel zur Flüchtlingsfrage bei Anne Will: "Es gibt keinen Aufnahmestopp"
Angale Merkel äußerte sich ungewohnt klar.

Merkel zur Flüchtlingsfrage bei Anne Will: "Es gibt keinen Aufnahmestopp"

Foto: AFP
Angale Merkel äußerte sich ungewohnt klar.
International 2 Min. 08.10.2015

Merkel zur Flüchtlingsfrage bei Anne Will: "Es gibt keinen Aufnahmestopp"

Die deutsche Kanzlerin will bei ihrem Fernsehauftritt nichts versprechen. Nur dass sie mit aller Kraft die Flüchtlingskrise bewältigen möchte. Ob das den Deutschen reicht? EU-Aufnahmekandidat Türkei erteilte sie eine Absage.

(dpa) - Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel will trotz wachsender Kritik an ihrem offenen Kurs in der Flüchtlingspolitik festhalten. Merkel verbreitete am Mittwochabend in der ARD-Talkshow „Anne Will“ erneut Zuversicht: „Wir schaffen das, da bin ich ganz fest davon überzeugt.“ Die Deutschen hätten die besten Voraussetzungen, diese Krise zu bewältigen. „Man kann mit Willen sehr, sehr viel schaffen.“ Sie habe den „Optimismus und auch die innere Gewissheit“, dass diese Aufgabe lösbar sei. „So gehe ich da ran.“

Auch in den eigenen Reihen und vor allem von CSU-Chef Horst Seehofer war ihr Kurs beim Flüchtlingsthema scharf kritisiert worden. Merkel nutzte ihren ersten Auftritt in einer TV-Talkshow seit langem dazu, bei den Bürgern um Verständnis zu werben. Die Kanzlerin sagte, sie werde nichts versprechen, was sie nicht halten könne. Es gebe keine einfachen Lösungen und es sei nun mal nicht möglich, die Grenze zu schließen. „Es gibt den Aufnahmestopp nicht.“

Dem angeschlagenen Innenminister Thomas de Maizière gab sie Rückendeckung. Auf die Frage, ob sie ihn entlassen werde, sagte Merkel: „Natürlich nicht. Ich brauche ihn dringender denn je.“ Die Regierungschefin beteuerte, es sei keine Entmachtung des Ministers, dass das Bundeskanzleramt künftig die Flüchtlingspolitik koordiniert.

Gerechtere Verteilung

Merkel betonte, es müsse alles versucht werden, damit die Aufnahme der Asylbewerber geordneter und gesteuerter vonstatten gehe. Zudem wolle sie dafür sorgen, dass die Verteilung der Flüchtlinge in Europa gerechter werde. Deutschland solle den Flüchtlingen weiter sein freundliches Gesicht zeigen: „Deutschland ist ein Land, dass die Flüchtlinge freundlich empfängt.“ Sie wolle sich nicht an einem Wettbewerb beteiligen, wer am unfreundlichsten zu Asylbewerbern ist, damit diese wegblieben.

Genervt über Spekulationen

Auf Spekulationen darüber, dass sie am Freitag den Friedensnobelpreis bekommen könnte, reagierte sie eher genervt. „Die Diskussion bedrückt mich fast.“ Sie sei derzeit mit ganz anderen Dingen beschäftigt. Merkel gilt wegen ihrer Politik der offenen Arme gegenüber den Flüchtlingen und ihrem Engagement für eine Lösung des Ukraine-Konflikts als Kandidatin für den Friedensnobelpreis.

Merkel erteilte der Türkei ungeachtet der Bedeutung des Landes bei der Lösung der Flüchtlingskrise erneut eine Absage für eine Vollmitgliedschaft in der Europäischen Union erteilt. „Ich war ja immer gegen eine Vollmitgliedschaft der Türkei (...) und das bin ich auch weiter.“ Das wisse auch der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan.

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