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Merkel warnt in Auschwitz vor Antisemitismus und Hassreden
International 1 3 Min. 06.12.2019 Aus unserem online-Archiv

Merkel warnt in Auschwitz vor Antisemitismus und Hassreden

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und der polnische Premierminister Mateusz Morawiecki stellen Kerzen an das internationale Monument Auschwitz II-Birkenau.

Merkel warnt in Auschwitz vor Antisemitismus und Hassreden

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und der polnische Premierminister Mateusz Morawiecki stellen Kerzen an das internationale Monument Auschwitz II-Birkenau.
Foto: AFP
International 1 3 Min. 06.12.2019 Aus unserem online-Archiv

Merkel warnt in Auschwitz vor Antisemitismus und Hassreden

Ihr erster Besuch im ehemaligen deutschen KZ Auschwitz-Birkenau fiel Kanzlerin Merkel ganz offensichtlich alles andere als leicht. Die Gedenkstätte sei Mahnung gegen Vergessen und Relativieren.

(dpa) - Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hat angesichts der von den Nationalsozialisten im deutschen Konzentrationslager Auschwitz begangenen Gräuel vor Antisemitismus und Hassreden gewarnt. „Wir erleben einen Besorgnis erregenden Rassismus, eine zunehmende Intoleranz, eine Welle von Hassdelikten“, sagte Merkel am Freitag bei ihrem ersten Besuch in Auschwitz in Anwesenheit des polnischen Ministerpräsidenten Mateusz Morawiecki.

Es gebe einen Angriff auf die Grundwerte der liberalen Demokratie und einen gefährlichen Geschichtsrevisionismus, sagte Merkel. „Wir dulden keinen Antisemitismus. Auschwitz mahne täglich, wachsam zu sein. „Wir dürfen niemals vergessen. Einen Schlussstrich kann es nicht geben. Und auch keine Relativierung.“

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bei einer Kranzniederlegung an der Todesmauer im ehemaligen deutschen Konzentrationslager Auschwitz.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bei einer Kranzniederlegung an der Todesmauer im ehemaligen deutschen Konzentrationslager Auschwitz.
Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/d

Gleich zu Beginn ihrer Rede in der Gedenkstätte des ehemaligen deutschen Konzentrationslagers sagte Merkel, sie empfinde tiefe Scham. Angesichts der Verbrechen, die die Grenzen alles Fassbaren überschritten, müsse man vor Entsetzen eigentlich verstummen. Dennoch dürfe das Schweigen nicht die einzige Antwort sein. Deutschland sei verpflichtet, die Erinnerung an die damaligen Verbrechen wach zu halten.

Wir erleben einen Besorgnis erregenden Rassismus, eine zunehmende Intoleranz, eine Welle von Hassdelikten.

Kanzlerin Angela Merkel

Zugleich bezeichnete es die Kanzlerin als großes Geschenk, dass es nach den Nazi-Gräueln heute in Deutschland wieder ein blühendes jüdisches Leben gebe. Das gleiche fast einem Wunder. Es könne aber Geschehenes nicht ungeschehen machen und die ermordeten Juden nicht zurückbringen. „In unserer Gesellschaft wird für immer eine Lücke klaffen.“

Die Kanzlerin betonte, es sei wichtig, deutlich zu benennen, dass damals Deutsche die Täter gewesen seien. Dies sei man auch den Opfern schuldig. Die Verantwortung für die damaligen Taten gehörten untrennbar zu Deutschland, sie seien fester Teil der nationalen Identität. Die Taten Deutscher in Auschwitz stehe für das größte Menschheitsverbrechen, für den Holocaust, für die Verfolgung von Sinti und Roma, von Homosexuellen, Behinderten und anderen, für Hunger, Kälte, Seuchen, Zwangsarbeit und medizinische Versuche an Menschen.

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Auch Polens Ministerpräsident warnte beim Besuch der Kanzlerin in Auschwitz-Birkenau vor dem Vergessen. Es gebe immer weniger Zeitzeugen. Umso größer sei die Verpflichtung, die Erinnerung zu bewahren und zu pflegen. „Wenn die Erinnerung geht, hätten wir zum zweiten Mal diese Menschen verletzt, die hier so gelitten haben.“ Der polnische Staat verpflichte sich, die Erinnerung an die Verbrechen von Nazi-Deutschland aufrechtzuerhalten.

Merkel zeigte sich bewegt, bei ihrem Besuch Zeitzeugen begrüßen zu dürfen. Diese hätten immer wieder aus ihrer Leidenszeit berichtet. Sie teilten ihre Geschichte, damit jüngere Menschen davon lernen könnten. „Sie zeigen wahrhaft menschliche Größe. Ich bin sehr dankbar, dass wir von Ihnen lernen dürfen“, sagte die Kanzlerin.

Der 87-jährige Auschwitz-Überlebende Bogdan Stanislaw Bartnikowski hatte zuvor von den traumatischen Erlebnissen erzählt, die er als Junge in dem Konzentrationslager hatte.


04.12.2019, Berlin: Das gläserne Kernstück der Säule, die vom Künstlerkollektiv «Zentrum für politische Schönheit» (ZPS) im Regierungsviertel aufgestellt wurde, ist mit schwarzem Klebeband blickdicht abgeklebt. Das für seine umstrittenen Aktionen bekannte Künstlerkollektiv «Zentrum für politische Schönheit» (ZPS) hat sich für sein jüngstes Projekt entschuldigt. Es hatte in Sichtweite des Reichstagsgebäudes am 02.12.2019 eine sogenannte Gedenkstätte errichtet - ein Teil davon ist eine Stahlsäule, die nach Angaben der Gruppe Asche von Opfern der Massenmorde der Nazis enthält. Foto: Paul Zinken/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Asche von Holocaust-Opfern vor dem Reichstag: Aktivisten entschuldigen sich
Nachdem das Künstlerkollektiv "Zentrum für Politische Schönheit" für die Aktion stark kritisiert wurde, ruderten die Aktivisten am Mittwochabend zurück und entschuldigten sich in einer Stellungnahme.

Anlass für Merkels Besuch ist das zehnjährige Bestehen der Stiftung Auschwitz-Birkenau, die sich für den Erhalt der Gedenkstätte auf dem Gelände des ehemaligen Lagers einsetzt. Angesichts der historischen deutschen Verantwortung stellen Bund und Länder für die Erhaltung der Gedenkstätte zusätzlich insgesamt 60 Millionen Euro zum Kapitalstock der Stiftung zur Verfügung. Merkel wurde unter anderem vom Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, und dem Vorsitzenden des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, begleitet. 

Das nationalsozialistische Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau im von Deutschland besetzten Polen gilt weltweit als Symbol für den Holocaust. Während des Zweiten Weltkrieges (1939-45) wollten die deutschen Nationalsozialisten die europäischen Juden systematisch ermorden. Ihrem Rassenwahn fielen nach Erkenntnissen der Forschung rund sechs Millionen Juden zum Opfer. Sie wurden ermordet durch Vergasung, Erschießung, Injektionen, medizinische Versuche oder durch gezieltes Verhungern lassen - allein in Auschwitz-Birkenau waren es nach Schätzungen mehr als eine Million Opfer, die meisten Juden.

Eine erschütternde Besichtigung

Kanzlerin Angela Merkel hat im ehemaligen deutschen Konzentrationslager Auschwitz der Opfer der Nazi-Gräuel gedacht. An der sogenannten Schwarzen Wand im Stammlager Auschwitz hielt sie für eine Gedenkminute inne und legte einen Kranz an der Todeswand nieder. Dort waren Tausende Häftlinge erschossen worden. 

Zuvor hatte die Kanzlerin eine Gaskammer und ein Krematorium besichtigt. Merkel wurde vom polnischen Ministerpräsidenten Mateusz Morawiecki und dem Direktor der Gedenkstätte und Präsidenten der Stiftung Auschwitz-Birkenau, Piotr Cywinski, begleitet.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) besucht das ehemalige deutsche Konzentrationslager Auschwitz und geht zusammen mit dem polnischen Ministerpräsidenten Mateusz Morawiecki (rechts neben Merkel) und dem Direktor der Gedenkstätte und Präsidenten der Stiftung Auschwitz-Birkenau, Piotr Cywinski (links neben Merkel), unter dem Eingangstor mit dem Schriftzug "Arbeit macht frei".
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) besucht das ehemalige deutsche Konzentrationslager Auschwitz und geht zusammen mit dem polnischen Ministerpräsidenten Mateusz Morawiecki (rechts neben Merkel) und dem Direktor der Gedenkstätte und Präsidenten der Stiftung Auschwitz-Birkenau, Piotr Cywinski (links neben Merkel), unter dem Eingangstor mit dem Schriftzug "Arbeit macht frei".
Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/d

Zusammen gingen die Kanzlerin, Morawiecki und Cywinski auch zu dem berüchtigten Tor mit dem zynischen Schriftzug „Arbeit macht frei“. Merkel besichtigte Häftlingsblocks, in denen Ausstellungsstücke wie leere Dosen des Giftes Zyklon B zu sehen sind, mit dem Menschen in Auschwitz vergast wurden. Anschließend besuchte Merkel das ehemalige deutsche Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau.


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