Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Merkel: "Es war mir eine große Freude“
Bundeskanzlerin Angela Merkel bedankt sich nach ihrer Rede auf dem CDU-Bundesparteitag bei den Parteimitgliedern.

Merkel: "Es war mir eine große Freude“

Foto: Kay Nietfeld/dpa
Bundeskanzlerin Angela Merkel bedankt sich nach ihrer Rede auf dem CDU-Bundesparteitag bei den Parteimitgliedern.
International 8 2 Min. 07.12.2018

Merkel: "Es war mir eine große Freude“

Der CDU-Parteitag in Hamburg hat Angela Merkel nach 18 Jahren als Parteivorsitzende zum Abschied stehend mit einem knapp zehn Minuten langen Applaus gedankt.

Der CDU-Parteitag in Hamburg hat Angela Merkel nach 18 Jahren als Parteivorsitzende zum Abschied stehend mit einem knapp zehn Minuten langen Applaus gedankt. Merkel hatte sich zuvor mit den Worten „Es war mir eine große Freude. Es war mir eine Ehre“ in ihrer letzten Rede als Vorsitzende von den 1001 Delegierten verabschiedet.

Schilder mit der Aufschrift "Danke Chefin" halten Delegierte nach der Rede Merkels in die Höhe.
Schilder mit der Aufschrift "Danke Chefin" halten Delegierte nach der Rede Merkels in die Höhe.
Foto: Michael Kappeler/dpa

Viele CDU-Mitglieder im Saal hielten Schilder mit der Aufschrift „Danke Chefin für 18 Jahre CDU-Vorsitz“ hoch. Merkel hatte zuvor betont, sie habe sich immer vorgenommen gehabt, ihre staatspolitischen Ämter in Würde zu tragen und in Würde zu verlassen.

Eine Ära geht zu Ende

Merkel spricht in ihrer Abschiedsrede am Freitag beim CDU-Parteitages in Hamburg ungewohnt emotional.

Die deutsche Bundeskanzlerin hofft, dass ihre Christdemokraten trotz des Wettbewerbs um die Parteispitze mit Geschlossenheit und Kompromissfähigkeit in die nächsten Wahlkämpfe gehen werden.

Die CDU könne auch in diesen schwierigen Zeiten gute Ergebnisse erringen, wenn sie „geschlossen und entschlossen“ kämpfe, sagte die scheidende Vorsitzende. „Wohin uns nicht enden wollender Streit führt, dass haben CDU und CSU in den letzten Jahren bitter erfahren“, fügte sie warnend hinzu.

Merkel, die nach 18 Jahren und 8 Monaten an der CDU-Spitze nicht mehr für den Parteivorsitz antritt, wurde von den 1001 Delegierten mit minutenlangem Applaus empfangen. 

Eine Schicksalsstunde der Christlich Demokratischen Union Deutschlands haben wir vor 18 Jahren erlebt.

Im Mittelpunkt des Parteitages stand die Wahl eines Nachfolgers der Bundesvorsitzenden, die nach schweren Verlusten der CDU und der Schwesterpartei CSU bei den Landtagswahlen in Bayern und Hessen Ende Oktober ihren Rückzug erklärt hatte. Als Bundeskanzlerin wird Merkel aber noch bis zum Ende der Legislaturperiode 2021 weitermachen.

Den Parteitag nutzte Merkel auch für einen Blick zurück. Sie sagte, die CDU habe nach der Parteispendenaffäre damals nicht klein beigegeben, sondern sie habe es „allen gezeigt“. Sie betonte, die Aussetzung der Wehrpflicht 2011 sei richtig gewesen.

Folgen der Spendenaffäre überwunden

Um ihre Nachfolge im Parteivorsitz bewerben sich Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer, der frühere CDU/CSU-Fraktionschef Friedrich Merz und Gesundheitsminister Jens Spahn. Beobachter erwarten ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Kramp-Karrenbauer und Merz. Mit Spannung wird auch erwartet, ob Spahn mit einem zweistelligen Ergebnis zumindest einen Achtungserfolg erzielen kann. Im Rennen um den Parteivorsitz gilt er als weitgehend chancenlos.

Merkel erinnerte daran, wie sie den Vorsitz im April 2000 übernommen hatte, als die CDU wegen der Folgen der Spendenaffäre am Boden lag. „Die Zeiten heute sind fordernd, ohne Zweifel. Doch eine Schicksalsstunde der Christlich Demokratischen Union Deutschlands haben wir vor 18 Jahren erlebt“, sagte sie. Die Folgen der Spendenaffäre seien überwunden. „Wir haben zurück zur Sache gefunden“, sagte sie.

Neuer Parteichef und Migrationspakt

Es ist das erste Mal seit 1971, dass die CDU-Delegierten bei der Wahl ihres Vorsitzenden zwischen mehreren Kandidaten entscheiden. Die Noch-Parteichefin begrüßte den Wettbewerb. „Das ist Demokratie pur, wenn Auswahl besteht“, hatte Merkel am Vortag erklärt.

Neben dem Vorsitzenden, den fünf Stellvertretern, dem Schatzmeister und fünf weiteren Präsidiumsmitgliedern werden in Hamburg auch 26 Mitglieder des Bundesvorstands sowie 19 Beisitzer gewählt. Offen ist, ob die 1001 Delegierten auch schon einen neuen Generalsekretär wählen werden. Das entscheidet der neue Parteichef.

Außerdem soll der Parteitag nach dem Willen des Bundesvorstands einen Beschluss zum umstrittenen UN-Migrationspakt fassen. Die Wähler reagierten zunächst positiv auf die Wechselstimmung bei den Christdemokraten. Im neuen ARD-Deutschlandtrend gewannen CDU und CSU vier Prozentpunkte hinzu und kamen somit auf 30 Prozent.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Zurück in die Zukunft
Wird es Annegret Kramp-Karrenbauer, Friedrich Merz oder Jens Spahn? Am Freitag wählen die Delegierten einen Nachfolger für die CDU-Vorsitzende Angela Merkel.
Am Freitag fallen die Würfel über den Vorsitz auf dem 31. CDU-Parteitag. Die drei Favoriten sind Friedrich Merz, Annegret Kramp-Karrenbauer und Jens Spahn (v.l.n.r.).
Vom Elend der Volksparteien
Die Volksparteien brauchen neue Gesichter, die nicht für die vergangenen Versäumnisse stehen, sondern eine ehrliche Politik im Sinne des Gemeinwohls glaubwürdig verkörpern können.
Merkel kündigt personelle Erneuerung an
In der SPD geht es drunter und drüber. Doch auch in der CDU gärt es. Hat Angela Merkel in den Koalitionsverhandlungen einen zu hohen Preis gezahlt, um ihre vierte Amtszeit zu retten? Nein, sagt die Kanzlerin. Und geht auf ihre Kritiker zu.
Angela Merkel will im Falle einer Regierungsbildung die vier vollen Jahre im Amt bleiben.