Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Melania Trump und die Diplomatie der Gesten
Melania im Kreis der "First Ladies" beim Nato-Gipfel in Brüssel. Links Luxemburgs "First Gentleman" Gauthier Destenay.

Melania Trump und die Diplomatie der Gesten

AFP
Melania im Kreis der "First Ladies" beim Nato-Gipfel in Brüssel. Links Luxemburgs "First Gentleman" Gauthier Destenay.
International 3 Min. 26.05.2017

Melania Trump und die Diplomatie der Gesten

Volker BINGENHEIMER
Volker BINGENHEIMER
Egal ob die Diskussion um den Schleier beim Papst oder um ihre Handgesten: Während der ersten Auslandsreise von US-Präsident Trump zeigte sich wieder, wie sehr seine Frau Melania mit ihrer Rolle fremdelt.

(dpa) - Zumindest mit dem Händchenhalten hat es auf Sizilien geklappt. Als Melania Trump am Vorabend des G7-Gipfels an der Seite ihres Mannes aus der Air Force One steigt, nimmt er ihre Hand - und sie zieht sie nicht zurück. Auf den vorherigen Stationen der ersten Auslandsreise von „Potus und Flotus“, wie US-Präsident Donald Trump und seiner Frau Melania im Fachjargon genannt werden, brachten Melanias Handgesten dagegen die Gerüchteküche um den Zustand der Trump-Ehe zum Brodeln: In Israel und Rom zog sie augenscheinlich ihre Hand weg, als Donald sie halten wollte. „Hand-Gate“ war geboren.

Die Sprecherin der First Lady musste sogar Gerüchte dementieren, wonach die 47-Jährige bei ihrer Station in Brüssel nicht bei ihrem Mann in der Botschaft übernachtet hatte sondern in einem Hotel. „Das ist falsch“, erklärte Stephanie Grisham.

Beim Partnerprogramm zum Gipfel der sieben führenden Industrienationen in Taormina jedenfalls fokussiert sich der Blick wieder auf Melania. In einem weißen Kleid und einer Dolce-Gabbana-Jacke mit Blumenmuster (Kostenpunkt mehr als 50000 Euro, wie italienische Medien in Erfahrung gebracht haben wollen) wirkt sie einen Hauch fröhlicher als bei anderen Terminen.

In Brüssel besuchte Melania Trump ein Kinderkrankenhaus der Stiftung von Königin Fabiola.
In Brüssel besuchte Melania Trump ein Kinderkrankenhaus der Stiftung von Königin Fabiola.
AFP

Aber auch Brigitte Macron, die 64 Jahre alte Frau von Frankreichs neuem Präsidenten Emmanuel Macron (39), stand im Rampenlicht. Zum Partnerprogramm gehörte ein Hubschrauber-Rundflug über den Ätna, bei dem Melania aus Sicherheitsgründen aber nicht dabei war, ein Mittagessen beim Bürgermeister von Catania und ein Besuch im antiken Theater der Stadt.

Joachim Sauer (68), der Mann von Kanzlerin Angela Merkel, war mal wieder der einzige Mann in der Runde der Partner(innen): Philip May, der Mann von Großbritanniens Premierministerin Theresa May, war wider Erwarten nicht nach Sizilien gekommen. Der Chemieprofessor Sauer scheut die Öffentlichkeit eigentlich und tritt nicht als „First Husband“ in Erscheinung. Bei keiner einzigen der drei Vereidigungen Merkels war er dabei.

Auch Melania hält sich sehr im Hintergrund, zu sehr wie einige meinen. Erst in Kürze will die dritte Frau von Donald Trump von New York nach Washington ziehen, wo ihr gemeinsamer Sohn Barron zur Schule gehen soll.

Melania fremdelt mit ihrer Rolle

Die Rolle der First Lady ist vornehmlich eine repräsentative. Zu einem gewissen Grad hat sie sogar ein politisches Amt. Viele von Trumps Vorgängerinnen machten aber auch ihren politischen Einfluss geltend - so etwa Hillary Clinton und zuletzt Michelle Obama.

„First Ladies haben durchaus auch einen Einfluss auf ihre Männer und deren Politik. Melania Trump ist neu, sie hat viel Kritik erfahren“, sagt Katrina Bland, die an der Universität Toronto zum Thema Internationale Beziehungen forscht. Es sei nachvollziehbar, dass sie sich mit öffentlichen Kommentaren sehr zurückhalte.

Über Melanias Schleier, den sie beim Besuch im Vatikan trug, wurde viel gewitzelt.
Über Melanias Schleier, den sie beim Besuch im Vatikan trug, wurde viel gewitzelt.
REUTERS

Entgleitende Gesichtszüge

Während der ersten Auslandsreise des neuen US-Präsidenten zeigte sich aber einmal mehr, wie sehr Melania Trump mit ihrer Rolle fremdelt. Als Model gehörte es zu ihrer Aufgabenbeschreibung, auf Knopfdruck zu lächeln. Umso erstaunlicher ist, dass ihr als First Lady nur allzu oft die Gesichtszüge entgleiten. Das sei sehr untypisch für eine First Lady, meint die „Washington Post“. Schließlich gehöre zur Rolle eine Art „Gesichtsdiplomatie“, die Wohlwollen, Fröhlichkeit oder zumindest ein geringfügiges Interesse an den jeweiligen Aktivitäten suggeriere.

Bei ihrem Besuch im Vatikan spotteten Beobachter über den schwarzen Schleier, den sie bei dem Treffen mit dem Papst anhatte. Italienische Medien wollen gar erkannt haben, dass die gebürtige Slowenin wie eine „traurige Balkan-Barbie“ ausgesehen habe. Zudem wurde notiert, dass Melania in einem Kinderkrankenhaus „nur die typische Frauenrolle“ einnahm - während Donald Trumps Tochter Ivanka bei der katholischen Hilfsorganisation Sant'Egidio auftrat, was zum traditionellen politischen Programm aller Staats- und Regierungschefs gehört, wenn sie den Papst besuchen.

„Ivanka ist politisch sehr involviert. Viele sagen, sie ist die wahre First Lady“, so Politik-Expertin Bland. „Nur die Zeit wird zeigen, welche Rolle Melania wirklich einnehmen wird.“


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

"Partnerprogramm" beim G20: Herr Sauer und die Damen
Melania Trump ist in Deutschand eingetroffen - und alle Augen richten sich auf die First Lady der USA. Wird das ehemalige Model shoppen gehen oder sich lieber vom Kanzlergatten Joachim Sauer den Klimawandel erklären lassen?
US President Donald Trump and US First Lady Melania Trump step off Air Force One upon arrival at the airport in Hamburg, northern Germany on July 6, 2017. 
Leaders of the world's top economies will gather from July 7 to 8, 2017 in Germany for likely the stormiest G20 summit in years, with disagreements ranging from wars to climate change and global trade. / AFP PHOTO / Christof STACHE
In Saudi-Arabien: Trump will Allianz gegen Terror und Iran
Die Verbreitung von Demokratie und Menschenrechten in der arabischen Welt - mit diesem Konzept seiner Vorgänger möchte US-Präsident Trump nichts zu tun haben. Er will, dass arabische Monarchen für „Stabilität“ sorgen, am liebsten mit ganz viel Waffen „Made in USA“.
Der saudische König Salman bin Abdulaziz Al Saud (l.) empfängt Donald Trump.