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Mehrere Rathäuser in Deutschland evakuiert
International 2 Min. 26.03.2019

Mehrere Rathäuser in Deutschland evakuiert

Nach einer Drohmail wurde das Rathaus in Kaiserslautern von der Polizei geräumt.

Mehrere Rathäuser in Deutschland evakuiert

Nach einer Drohmail wurde das Rathaus in Kaiserslautern von der Polizei geräumt.
Foto: Oliver Dietze/dpa
International 2 Min. 26.03.2019

Mehrere Rathäuser in Deutschland evakuiert

Wegen Gewaltandrohungen wurden am Dienstagmorgen Rathäuser in sechs deutschen Städten geräumt. Auch in zwei Städten der Großregion musste die Polizei ausrücken.

(dpa) -  In mehreren deutschen Städten sind am Dienstagmorgen Rathäuser, Verwaltungsgebäude und auch ein Kindergarten evakuiert worden. Schauplätze waren Augsburg (Bayern), Göttingen (Niedersachsen), Kaiserslautern (Rheinland-Pfalz), Chemnitz (Sachsen), Neunkirchen (Saarland) und Rendsburg (Schleswig-Holstein).

Seit Monaten gibt es eine deutschlandweite Serie von Drohschreiben mutmaßlicher Rechtsextremer an Politiker, Behörden oder Gerichte. Die Berliner Staatsanwaltschaft, die federführend ermittelt, spricht inzwischen von mehr als 100 Fällen. Ob die Fälle vom Dienstag damit in Zusammenhang stehen, war zunächst offen.


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Auch bei der Stadt Heilbronn (Baden-Württemberg) ging ein Schreiben ein, es wurde aber nicht als ernsthaft eingestuft. Nach Angaben der Polizei erhielten viele deutsche Städte ein solches Schreiben. Ob und wie die Drohungen aber zusammenhingen, war zunächst unklar. Auch zu den Hintergründen war vorerst nichts bekannt. Das Bundeskriminalamt habe noch keine zentralen Ermittlungen dazu übernommen, sagte eine Sprecherin. Es gebe zwar einen Informationsaustausch, zuständig seien aber die Behörden vor Ort.

In Augsburg gab es am Morgen nach einer Gewaltandrohung einen Großeinsatz der Polizei, das Rathaus wurde evakuiert, Straßenbahnlinien, die über den Rathausplatz fahren, wurden gestoppt. Außerdem wurden drei Verwaltungsgebäude geräumt. Nach rund zwei Stunden gab die Polizei Entwarnung für das Rathaus und zwei benachbarte Gebäude. Es sei kein gefährlicher Gegenstand gefunden worden.

In Göttingen ging nach Angaben einer Sprecherin eine anonyme Bombendrohung ein. Die Straßen um das Rathaus wurden gesperrt, der öffentliche Personennahverkehr wurde weitläufig umgeleitet.

Auch zwei Verwaltungsgebäude in Kaiserslautern (Rheinland-Pfalz) mussten aus Sicherheitsgründen für mehrere Stunden geräumt werden. Die Drohung sei per Mail eingegangen – die Polizei ließ daraufhin am Dienstag das Hauptgebäude und das Rathaus Nord in der pfälzischen Stadt evakuieren und von Sprengstoffspürhunden untersuchen. Mehr als 1000 Mitarbeiter waren betroffen, für sie wurde in der Fruchthalle eine Anlaufstelle eingerichtet. Unterstützt wurden die Sicherheitskräfte von der US-Militärpolizei. Am späten Vormittag gaben die Behörden Entwarnung.

„Es wurde kein verdächtiger Gegenstand gefunden. Die Gebäude sind freigegeben. Die Ermittlungen dauern an“, teilte die Polizei mit. Über die Hintergründe der Drohung gab es zunächst keine Angaben. Auch der Bereich um das Rathaus war weiträumig abgesperrt worden.

Zeitgleich lief im saarländischen Neunkirchen ebenfalls ein Polizeieinsatz nach einer nächtlichen Bombendrohung per Mail. Das Rathaus und ein Kindergarten wurden vorsichtshalber geräumt. Die Eltern hätten die Kinder abgeholt, sagte Kriminalhauptkommissar Gerd Molter. „Es wird wohl bis in den Mittag dauern, bis das große Gebäude durchsucht ist. Das Rathaus bleibt heute vermutlich geschlossen.“

Bislang Unbekannte senden seit längerer Zeit Drohschreiben an verschiedenste Institutionen in Deutschland, darunter auch Finanzämter, Rathäuser, Anwaltskanzleien oder Verlage. Sie drohen mit Bomben oder – wie im Falle der Bundestagsabgeordneten Martina Renner (Linke) – damit, „Bürger auf offener Straße zu exekutieren“. Schon mehrfach wurden Gebäude daraufhin evakuiert, Sprengkörper wurden aber bislang nicht gefunden.

In Kaiserslautern sei eine Drohmail eingegangen, sagte ein Polizeisprecher. Die Einsatzkräfte seien auch mit Sprengstoff-Spürhunden vor Ort. Der Bereich rund um das Rathaus sei weiträumig abgesperrt worden. Es gebe aber derzeit keine konkrete Bedrohungslage, erklärte der Sprecher. Die Maßnahmen würden vorsorglich vorgenommen.



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