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Medienschelte als Auszeichnung
International 3 Min. 18.01.2018 Aus unserem online-Archiv
Trumps "Fake News Awards"

Medienschelte als Auszeichnung

Ernsthafte Medienkritik oder kindisches Ablenkungsmanöver? Donald Trump hat eine Liste mit "Fake-news-Awards" zusammengestellt.
Trumps "Fake News Awards"

Medienschelte als Auszeichnung

Ernsthafte Medienkritik oder kindisches Ablenkungsmanöver? Donald Trump hat eine Liste mit "Fake-news-Awards" zusammengestellt.
Foto: AFP
International 3 Min. 18.01.2018 Aus unserem online-Archiv
Trumps "Fake News Awards"

Medienschelte als Auszeichnung

Tom RÜDELL
Tom RÜDELL
Donald Trump und sein Lieblingsthema: "Fake News". Mit einer Preisverleihung wollte der US-Präsident die "unredlichsten" Berichterstatter an den Pranger stellen - und erntete dafür geharnischte Kritik, auch aus den eigenen Reihen.

(dpa/tom) - US-Präsident Donald Trump hat in der Nacht zu Donnerstag „Fake News Awards“ für aus seiner Sicht besonders unredliche und falsche Berichterstattung verliehen. Gleich vier Mal fand sich auf der Liste, deren exaktes Zustandekommen nicht näher begründet wurde, der Sender CNN.

Die "Preisverleihung" war zuvor kontrovers diskutiert worden, kritische Stimmen kamen auch aus Trumps eigener Partei. Der republikanische Senator aus Arizona, Jeff Flake attackierte Trump scharf. Eine freie Presse sei der Feind von Despoten, und das mache die freie Presse zum Wächter der Demokratie, betonte Flake bei einer Rede am Mittwoch. „Wenn eine an der Macht befindliche Person reflexhaft jede Veröffentlichung, die ihm nicht passt, als "Fake News" bezeichnet, dann ist es diese Person, die Verdacht erregen sollte, nicht die Presse.“

 Wenn eine an der Macht befindliche Person reflexhaft jede Veröffentlichung, die ihm nicht passt, als "Fake News" bezeichnet, dann ist es diese Person, die Verdacht erregen sollte, nicht die Presse.

Flake ging noch weiter: Die Vierte Gewalt im Staate als „Fake News“ und gar als „Feinde des Volkes“ zu bezeichnen, sei eines Präsidenten nicht würdig. Die Bezeichnung von Medien als Volksfeinde stamme von Sowjet-Diktator Josef Stalin. Der Vergleich sei selbst von Parteichef Nikita Chruschtschow verboten worden.

Trumps „Awards“ wurden jeweils für einzelne Ereignisse einer Berichterstattung benannt, nicht für Medien generell. 

Auf Platz eins landete Paul Krugman, Nobelpreisträger und Kolumnist der „New York Times“. Grund: Er habe behauptet, die US-Wirtschaft werde sich nie „erholen“, dabei boome sie extrem. Auf Platz zwei folgt ein Reporter des Senders ABC.

Erst auf Platz drei landete der Sender CNN, das kam angesichts der innigen Feindschaft, mit der Trump CNN öffentlich verfolgt, für viele überraschend. Dafür wurde CNN dann mehrfach benannt.

  • Der Begriff „Fake News“ stand zunächst für absichtlich gefälschte Informationen. Trump machte ihn sich zu eigen, um kritische und ihm nicht genehme Berichterstattung zu markieren. Kritiker sagen, dass dem Präsidenten die grundsätzliche Unterminierung medialer Glaubwürdigkeit längst gelungen ist. Sie verweisen auf gravierende Folgeschäden für Demokratie und Gesellschaft.

Platz vier ging an eine Berichterstattung des „Time Magazine“, der fünfte Rang an einen Bericht der „Washington Post“. Wider Erwarten landete die „New York Times“, von Trump anhaltend beschimpft und fälschlich sinkender Auflagen bezichtigt - wenn auch regelmäßig gelesen - abgesehen von Kolumnist Krugman erst wieder auf Platz zehn.

Platz elf der Liste ging im weitesten Sinn an Berichte über eine Einmischung Russlands in die Präsidentenwahl 2016. Einen klaren Adressaten gab es nicht, aber Großbuchstaben: „ES GIBT KEINE GEHEIMEN ABSPRACHEN!“

Kann man darüber lachen?

Reihenweise machten sich US-Journalisten in Reaktionen über die „Awards“ lustig und erklärten, sie seien die eigentlichen Sieger. Late-Night-Talker Stephen Colbert hatte schon vor der Vergabe gesagt, es könne ja wohl keine größere Ehre geben, als von Trump dergestalt ausgezeichnet zu werden.

Trump hatte schon als Kandidat ein sehr ambivalentes Verhältnis zu Medien, das setzte er als Präsident in einmaliger Weise fort. Einerseits wird Trump als aufmerksamkeits- und geltungssüchtig beschrieben, er braucht vor allem das Fernsehen dringend als Spiegel und Inspiration und nutzt oft lediglich den Sender „Fox News“ als Quelle. Obwohl er viele US-Medien beschimpft, gibt er ihnen andererseits oft spontane und ausführliche Interviews.

Das Komitee zum Schutz von Journalisten (CPJ) erklärte in der Nacht, Bedrohungen von Journalisten und der Pressefreiheit gäben keinerlei Anlass zum Spaßen. Das CPJ konterte Trumps Medienschelte allerdings satirisch mit einem eigenen Preis auf Twitter: Den "Press Oppressors Awards", für die größten Unterdrücker der Pressefreiheit. 

Hier bescheinigte der Verband dem türkischen Präsidenten Erdogan den Sieg in der Kategorie "Dünnhäutigster Staatschef".  Den Gesamtsieg trug allerdings Trump davon: "In der Kategorie Gesamtleistung im Untergraben der globalen Pressefreiheit ist der GEWINNER der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump.“

"Verleihung" mit Hindernissen

Trump hatte die „Preise“ wochenlang angekündigt, ihre Verkündung war bereits verschoben worden. Von einer Zeremonie zu ihrer Verleihung der Preise war nun nicht mehr die Rede.

Der Versuch, den „Fake News Award“ per Twitter zu vergeben, ging in der Nacht allerdings ins Leere. Der Link für seine Medienschelte, den Trump seiner Twitterbotschaft hinzufügte, funktionierte nicht. Möglicherweise brach der Server wegen hoher Nachfrage zusammen.

Wer nachsehen wollte, welches Medium aus Sicht des Präsidenten besonders unkorrekt berichtet habe, landete lange Zeit im digitalen Nichts. Die Seite sei nicht erreichbar, hieß es, man solle es bitte später probieren. US-Medien berichteten dann unter Berufung auf das Weiße Haus über die Rangliste.


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