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Mädchen stirbt bei Mutprobe: Tiktok in Italien gesperrt
International 2 Min. 23.01.2021

Mädchen stirbt bei Mutprobe: Tiktok in Italien gesperrt

Die vor allem bei jungen Menschen beliebte Kurzvideo-App Tiktok steht in Europa immer mehr in der Kritik.

Mädchen stirbt bei Mutprobe: Tiktok in Italien gesperrt

Die vor allem bei jungen Menschen beliebte Kurzvideo-App Tiktok steht in Europa immer mehr in der Kritik.
Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa
International 2 Min. 23.01.2021

Mädchen stirbt bei Mutprobe: Tiktok in Italien gesperrt

Die Teilnahme an einer "Blackout Challenge" auf Tiktok endete für eine Zehnjährige in Italien tödlich. Die Behörden ergreifen nun Maßnahmen gegen die Handy-App.

(dpa) - Nach dem Tod einer Zehnjährigen vermutlich bei einer Internet-Mutprobe ist die App Tiktok in Italien heftig in die Kritik geraten. Italiens Datenschutz-Aufsicht forderte von dem Unternehmen am Freitagabend die sofortige Sperrung aller Konten, bei denen das Alter der Nutzer nicht mit Sicherheit festgestellt wurde. 

Tiktok erklärte, man prüfe das Schreiben. „Privatsphäre und Sicherheit haben für TikTok oberste Priorität“, zitierte die Nachrichtenagentur Ansa am Samstag eine Stellungnahme. Man arbeite am Schutz der Nutzer, besonders der jüngeren.

Im süditalienischen Palermo hatte sich diese Woche die zehnjährige Antonella zu Hause mit einem Gürtel bewusstlos gewürgt, wie Medien berichteten. Im Krankenhaus stellten die Ärzte den Hirntod fest. Justiz und Jugendschutz nahmen Ermittlungen auf.

In einem Bericht des „Corriere della Sera“ erklärte der Vater des Mädchens: „Tiktok war ihre Welt. Und Youtube. Sie war die ganze Zeit dort drauf.“ Auf den Vorwurf, warum er die Handy-Nutzung seiner Tochter nicht stärker kontrolliert habe, meinte der Mann, er habe seiner Tochter vertraut.

Anordnung kommt Komplett-Blockade gleich

Da Tiktok - wie ähnliche Netzwerke - die Kontrolle des Nutzeralters aktuell kaum leisten könnte, lasse sich die Anordnung sogar als Komplett-Blockade interpretieren, hieß es in der Zeitung „La Repubblica“ unter Berufung auf die Behörde. Eigentlich soll Tiktok erst ab 13 Jahren genutzt werden.


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Die Zehnjährige hatte nach Berichten an einer sogenannten Blackout Challenge oder Hanging Challenge im Netzwerk der Video-App mitmachen wollen. Dabei strangulieren sich Teilnehmer, filmen das und laden die Bilder mit dem Smartphone hoch.

Da im Corona-Teil-Lockdown in Italien die Nutzung sozialer Netzwerke boomt, schlugen die Wogen der Empörung am Samstag weiter hoch. Der Jugend-Psychiater Stefano Vicari aus Rom mahnte, dass es gute Gründe gebe, dass Kinder unter zwölf Handys nicht alleine nutzen sollten. Netzwerke alleine seien nicht an Aggressionen gegen den eigenen Körper Schuld.

„Versunken in der digitalen Welt“

Nunzia Ciardi, die Direktorin der auf Internetkriminalität spezialisierten italienische Post- und Telekommunikationspolizei, empfahl Eltern, sich mehr mit der Lebensrealität ihrer Kinder auseinanderzusetzen. „Wenn wir das nicht machen, wird die Distanz zwischen uns und den Digital Natives nur noch größer.“ Kinder seien in der digitalen Welt teilweise versunken, sagte Ciardi dem „Corriere della Sera“. Dies hängt auch damit zusammen, dass digitale Hilfsmittel für viele junge Menschen nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken sind, etwa wenn es um die Erledigung von Hausaufgaben oder die Teilnahme an Online-Schulstunden geht.

Die Plattform Tiktok kommt aus China und ist weltweit erfolgreich. Sie wird von mehreren europäischen Datenschutzbehörden skeptisch beobachtet.


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