Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Madrid erhöht den Druck auf Katalonien
International 06.10.2017 Aus unserem online-Archiv
Brüssel fordert Dialog

Madrid erhöht den Druck auf Katalonien

Der Energieriese Gas Natural Fenosa kündigte an, seinen traditionellen Hauptsitz in Barcelona aufzugeben.
Brüssel fordert Dialog

Madrid erhöht den Druck auf Katalonien

Der Energieriese Gas Natural Fenosa kündigte an, seinen traditionellen Hauptsitz in Barcelona aufzugeben.
AFP
International 06.10.2017 Aus unserem online-Archiv
Brüssel fordert Dialog

Madrid erhöht den Druck auf Katalonien

Teddy JAANS
Teddy JAANS
Die spanische Regierung lehnt weiter jeden Dialog mit der Führung Kataloniens ab. Jetzt will sie die Region wirtschaftlich ausbluten - und macht besorgten Unternehmen und Geldhäusern den Abzug leichter.

(dpa) - Die spanische Regierung erhöht im Katalonien-Konflikt den wirtschaftlichen Druck auf die nach Unabhängigkeit strebende Region. Am Freitag verabschiedete sie in Madrid ein Dekret, das Firmen und Banken den Weggang aus Katalonien erleichtert. Spanische Medien sprachen von einer „salida exprés“ - einem Weggang im Eilverfahren. Demnach reicht für einen Ortswechsel künftig eine Entscheidung des Aufsichtsrats - eine Gesellschafterversammlung muss nicht mehr einberufen werden.

„Es ist nicht die Schuld der Unternehmen, wenn eine unverantwortliche Politik Unsicherheit und Unruhe verbreitet“, sagte der spanische Wirtschaftsminister Luis de Guindos am Nachmittag vor Journalisten. Die Entscheidung wurde angesichts der drohenden Unabhängigkeitserklärung der Region gefällt.

Wenige Stunden später kündigte der Energieriese Gas Natural Fenosa an, seinen traditionellen Hauptsitz in Barcelona aufzugeben und nach Madrid umzuziehen. Kurz darauf erklärte die Großbank La Caixa - der größte Geldgeber der Region -, sie werde nach Valencia ziehen. Bereits am Donnerstag hatte die fünftgrößte Bank des Landes, Banco Sabadell, ihren Umzug nach Alicante bekannt gemacht. 

Kein Einzelfall

Es wird erwartet, dass dank des Dekrets schnell weitere Geldhäuser und Firmen folgen könnten. Auch Freixenet, einer der größten Cava-Produzenten Spaniens, könnte Katalonien den Rücken kehren.  

„Wenn es wirklich zu einer einseitigen Unabhängigkeitserklärung kommen sollte, dann werden viele Firmen aus Katalonien abziehen, was großen Schaden anrichten wird“, zitierte die Zeitung „La Vanguardia“ Freixenet-Chef José Luis Bonet. Eine Abspaltung sei „kein Scherz“, sondern „eine echte Katastrophe“.

Die Katalanen hatten sich am Sonntag bei einem umstrittenen und von der Justiz untersagten Referendum mit deutlicher Mehrheit für eine Abspaltung der bisher wirtschaftsstarken Region von Spanien ausgesprochen. Die Regierung in Madrid unter Führung von Mariano Rajoy hatte wochenlang mit allen Mitteln versucht, die Volksabstimmung zu verhindern. Bislang lehnt sie jeden Dialog mit der Regionalregierung ab.

Druck aus Brüssel

Die EU-Kommission drängte Madrid und Barcelona, schnell miteinander ins Gespräch zu kommen. „Wir wollen, dass dies rasch passiert“, sagte ein Sprecher in Brüssel. Er blieb aber bei der Haltung der Kommission, sich nicht als Vermittler einzumischen. Die Behörde sieht den Konflikt als innere Angelegenheit Spaniens. 


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Im Konflikt um die Loslösung Kataloniens von Spanien weichen weder Barcelona noch Madrid auch nur einen Millimeter zurück. Am Montag soll die Unabhängigkeit ausgerufen werden. Doch eine Rede des Regionalregierungschefs Puigdemont gibt Anlass zu leichter Hoffnung.
Der katalanische Präsident Carles Puigdemont will nicht vom eingeschlagenen Kurs abweichen.
Hunderttausende gehen im Katalonien-Konflikt auf die Straßen. Aber weder die Zentralregierung in Madrid noch der König sind zu Kompromissen bereit. Barcelona könnte schneller als gedacht die Unabhängigkeit ausrufen.
Die "Estelada"-Flagge ist in den vergangenen Wochen in Katalonien omnipräsent.
Nach dem Sieg der Separatisten
Die Separatisten haben am Sonntag die Wahlen in Katalonien gewonnen. Sie wollen früher oder später eine unabhängige Republik ausrufen. Geht das?
Supporters of secessionist group Junts Pel Si (Together for Yes) react after polls closed in a regional parliamentary election in Barcelona, Spain, September 27, 2015.  Separatists have won a clear majority of seats in Catalonia's parliament, an exit poll showed on Sunday, in an election that could set the region on a collision course with Spain's central government over independence.     REUTERS/Andrea Comas