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Madrid: Eispalast zur Leichenhalle umfunktioniert
International 2 Min. 24.03.2020

Madrid: Eispalast zur Leichenhalle umfunktioniert

In Madrid wird der Palacio de Hielo – der Eispalast – zur Leichenhalle umfunktioniert. Der Palacio de Hielo ist ein Einkaufs- und Freizeitzentrum mit einer Eisbahn.

Madrid: Eispalast zur Leichenhalle umfunktioniert

In Madrid wird der Palacio de Hielo – der Eispalast – zur Leichenhalle umfunktioniert. Der Palacio de Hielo ist ein Einkaufs- und Freizeitzentrum mit einer Eisbahn.
Foto: AFP
International 2 Min. 24.03.2020

Madrid: Eispalast zur Leichenhalle umfunktioniert

Martin DAHMS
Martin DAHMS
Seit Tagen kommen in Spanien Meldungen von massenhaften Todesfällen aus einer länger werdenden Reihe von Altenheimen. Die Bestattungsinstitute und Krematorien der Hauptstadt kommen nicht mehr mit.

Von LW-Korrespondent Martin Dahms (Madrid)

Die Zahlen vom Dienstag in Spanien: 39.673 positiv Getestete. 2.696 Tote. 2.626 Patienten auf der Intensivstation. Die Zahl der positiv Getesteten ist wenig aussagekräftig, weil zu wenige Menschen in Spanien getestet worden sind. Die Zahl der Intensivpatienten wächst jeden Tag, ohne dass eine Tendenz zum Besseren oder noch viel Schlimmeren erkennbar wäre. 

Die Zahl der Toten wächst seit dem Sonntag mit täglich leicht abnehmender Rate: Am Samstag war sie im Vergleich zum Vortag um gut 32 Prozent gestiegen, an diesem Dienstag um 23,5 Prozent. Die Kurve beginnt abzuflachen. Ein dünner Lichtstreif.

Am Montag berichtet die spanische Verteidigungsministerin Margarita Robles, dass die Militärische Notfalleinheit (UME) der Armee 74 Altenheime im ganzen Land aufgesucht habe und in einigen Fällen „absolut verlassene, wenn nicht tot in ihren Betten liegende Alte“ gefunden habe. Die UME, die sonst bei Naturkatastrophen aktiv wird, sollte die Heime desinfizieren. 

Bis zur völligen Erschöpfung  

Seit Tagen kommen Meldungen von massenhaften Todesfällen aus einer länger werdenden Reihe von Altenheimen. Im Heim Montehermoso in Madrid starben bisher 18 Bewohner, 75 weitere steckten sich an. Das Personal ist hier und überall überfordert. Viele der Pfleger haben sich selber angesteckt, andere sollen aus Sorge vor Ansteckung geflohen sein, der Rest arbeitet bis zur völligen Erschöpfung. 

Frauen in Burgos stellen Masken her.
Frauen in Burgos stellen Masken her.
Foto: AFP

Die Netzzeitung El Confidencial berichtet von einer Altenpflegerin in Villanueva del Pardillo im Umland von Madrid, die am Dienstagmorgen vergangener Woche ihre Arbeit antrat und am Freitagnachmittag wieder nach Hause ging.

In Madrid wird jetzt der Palacio de Hielo – der Eispalast – zur Leichenhalle umfunktioniert. Der Palacio de Hielo ist ein Einkaufs- und Freizeitzentrum mit einer Eisbahn. Die Bestattungsinstitute und Krematorien der Hauptstadt kommen nicht mehr mit.


17.03.2020, Spanien, Ceuta: Hunderte von Touristen verschiedener Nationalitäten warten in Ceuta darauf, an Bord der von den Behörden zur Verfügung gestellten Schiffe zu gehen, damit sie auf die Iberische Halbinsel zurückkehren können. Nach mehreren Ländern in Europa und anderen Weltregionen hat auch das Urlaubsland Spanien wegen der Coronavirus-Krise seine Grenzen geschlossen. Foto: Antonio Sempera/Europa Press/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Hunderte Urlauber hängen vor Ceuta fest
Hunderte europäische Touristen sitzen vor der spanischen Exklave Ceuta in Marokko fest.

Ein Telefonvideo vom Freitagabend zeigt einen Flur der Notaufnahme des Madrider Krankenhauses Infanta Leonor, in dem etliche Patienten auf Laken auf dem Fußboden liegen. Das regionale Madrider Gesundheitsministerium bestätigt, dass es am Freitagabend „punktuell“ einen großen Zustrom an Patienten in diesem Krankenhaus gegeben habe. 

Polizisten vor dem Palacio de Hielo.
Polizisten vor dem Palacio de Hielo.
Foto: AFP

Mittlerweile, nach der Eröffnung des Notfalllazaretts für bis zu 5.500 Patienten in den Madrider Messehallen, sei die Lage dort etwas entspannter.

Viel anfängliche Improvisation   

 Bis zum Dienstag haben sich rund 5.400 Ärzte und Pfleger mit dem Coronavirus angesteckt, ein Drittel mehr als am Vortag. Nicht nur Betten, Beatmungsgeräte, Gesichtsmasken werden knapp, sondern auch Menschen, die sich um die Kranken kümmern können.


This handout picture made available by Madrid�s regional government, Comunidad de Madrid, shows workers setting up a tent at the temporary hospital set up for coronavirus patients at a pavilion in Ifema convention and exhibition center in Madrid, on March 21, 2020. - Spain announced 394 new deaths caused by the novel coronavirus, raising to 1,720 the official death toll in Europe's worst-hit country after Italy, a 30 percent increase over the previous day. (Photo by - / COMUNIDAD DE MADRID / AFP) / RESTRICTED TO EDITORIAL USE - MANDATORY CREDIT "AFP PHOTO / HANDOUT / COMUNIDAD DE MADRID - NO MARKETING - NO ADVERTISING CAMPAIGNS - DISTRIBUTED AS A SERVICE TO CLIENTS
Krise in Spanien: Leben und sterben lassen
Bald kann das spanische Gesundheitssystem nicht mehr alle Covid-19-Kranken behandeln. Dann müssen die Ärzte entscheiden, um wen sie sich noch kümmern werden und um wen nicht.

 Der Arzt Antonio Antela vom Krankenhaus in Santiago de Compostela hat gerade die schlimmste Phase der Covid-19 überwunden, seit Montag kann er wieder sprechen. Über die spanische Reaktion auf die nahende Epidemie sagt er zu El País: „Es gab viel anfängliche Improvisation und eine gewisse Entspanntheit.“

Wie jeden Abend in Madrid: Applaus für Mediziner, Pfleger und Helfer.
Wie jeden Abend in Madrid: Applaus für Mediziner, Pfleger und Helfer.
Foto: AFP

In Segovia starb am Montag die in Spanien sehr geliebte italienische Filmschauspielerin Lucía Bosé mit 89 Jahren an den Folgen einer Coronavirusinfektion. Die Nachricht rückt in den Netzausgaben der Zeitungen schnell weit nach unten.

Bleib zuhause!  

Wer sich die Kurven der Coronavirus-Todesfälle im Vergleich anschaut, kommt zu dem Schluss, dass die Entwicklung in Spanien dramatischer ist als die in Italien, wo die Krise etwas früher begann und die Gesamtzahlen deswegen höher sind. In den kommenden Tagen, diese Woche, so hoffen Laien und Experten, wird die Spitze an täglich neuen Toten in Spanien erreicht sein: wenn endlich der Effekt der Totalquarantäne durchschlägt. Die Botschaft der Regierung, immer und überall: Bleib zuhause! 

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