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Madiba leuchtet weiter
Friedensnobelpreisgewinner Nelson Mandela: Der Architekt des neuen, demokratischen Südafrikas wäre am 18. Juli 100 Jahre alt geworden.

Madiba leuchtet weiter

Foto: Kim Ludbrook/EPA FILE/dpa
Friedensnobelpreisgewinner Nelson Mandela: Der Architekt des neuen, demokratischen Südafrikas wäre am 18. Juli 100 Jahre alt geworden.
International 3 Min. 18.07.2018

Madiba leuchtet weiter

Am 18. Juli 2018 wäre der südafrikanische Freiheitskämpfer Nelson Mandela 100 Jahre alt geworden. Mit Knie-OPs und Korruptionsbekämpfung feiert Südafrika den Geburtstag seines Nationalhelden.

Von LW-Korrespondent Markus Schönherr (Kapstadt)

Arbeitslosigkeit, Armut und Korruption bestimmen den Alltag in Südafrika. Doch die Nation hat dem sozialen Grundübel den Kampf angesagt: Ein Geburtstagsgeschenk für Nelson Mandela.

Wenn Häftlinge wie Großmütter bunte Deckchen stricken und Radiomoderatorinnen wie Bandenmitglieder auf Motorrädern durchs Land ziehen, kann das nur einen Grund haben: Nelson Mandela Day. Was auch immer um den 18. Juli passiert und sich auf Südafrikas Nationalhelden beruft, geschieht zum guten Zweck.

„Madiba“ hätte dieses Jahr seinen 100. Geburtstag gefeiert - für die Nelson-Mandela-Stiftung eine „einmalige Gelegenheit für alle Weltbürger, über sein Leben zu reflektieren und sein Erbe hochzuhalten“.

Die "Mandela-Rose"

Vielschichtig und strahlend war der 2013 verstorbene Friedensnobelpreisträger. Es sind diese zwei Eigenschaften, die auch auf seine neueste Zucht-Rose zutreffen, findet der Botaniker Keith Kirsten. Er traf Mandela erstmalig 1993 bei einer Baumpflanzung im Township Alexandra und war begeistert von dem Mann, der ein Jahr später Südafrikas Präsident werden sollte. Um „Madibas Leuchtkraft“ einzufangen, züchtete er jetzt die orange scheinende „Mandela-Rose“.

Die orangefarbene „Mandela-Rose“.
Die orangefarbene „Mandela-Rose“.
Foto: Getty Images

Kaum wo kommt man in Südafrika dieser Tage an Mandela vorbei: Anlässlich des 100. Geburtstags erscheinen drei neue TV-Serien und zwei Bücher. Darin erzählen unter anderem frühere Angestellte, Freunde und ehemalige Weggefährten über ihre Zeit mit dem Staatsvater.


FILE -- In this Sunday, Feb. 11, 1990 file photo, Nelson Mandela and wife Winnie, walk hand-in hand-with their raised clenched fists upon Mandela's release from Victor Verster prison, near Cape Town South Africa. Mandela never met with Martin Luther King Jr but the two fought for the same issues at the same time on two different continents. Mandela said in a 1964 speech that he was prepared to die to see his dream of a society where blacks and whites were equal become reality. King was killed by an assassin's bullet while working for that same dream. ( (AP Photo/Greg English, File)
„Mandela ist Teil des Weltgewissens“
Mandelas Name steht für Widerstand gegen Rassendiskriminierung, aber auch für Versöhnung.

Südafrikas Zentralbank bringt zum Jubiläum neue Banknoten mit Mandelas Konterfei in Umlauf. Und unter dem Motto „Shave to Remember“ sind Südafrikaner aufgerufen, sich Mandelas markanten Scheitel aus Jugendjahren schneiden zu lassen – Männer wie Frauen.

Sonderschichten im OP-Saal

Einen Feiertag wollte der Freiheitskämpfer nie zu seinen Ehren. Stattdessen beanspruchte Mandela einen Tag der Aktionen. Eine Tradition, die für Europäer seltsam klingen mag, bei einem Blick auf Südafrikas überlastetes Gesundheitssystem aber sinnvoll ist, sind Gratis-OPs.

Südafrikas Zentralbank bringt zum Jubiläum neue Banknoten mit Mandelas Konterfei in Umlauf.
Südafrikas Zentralbank bringt zum Jubiläum neue Banknoten mit Mandelas Konterfei in Umlauf.
Foto: AFP

Nasen- und Ohrkorrekturen, Hüftprothesen sowie Knie-Operationen stehen dieses Jahr auf dem Plan. „Viele unserer Patienten müssen lange auf ihren Eingriff warten, da Notfälle Vorrang haben“, sagt Dr. Anita Parbhoo vom Red Cross-Kinderkrankenhaus in Kapstadt. Durch Sonderschichten im OP geben Ärzte den Patienten neue Hoffnung.


ARD/SWR LEGENDEN: NELSON MANDELA, Film von Walter Sucher, am Mittwoch (31.08.05) um 21:45 Uhr im Ersten.
Nelson Mandela ( in seiner Zelle auf Robben Island).
© SWR/JŸrgen Schadeberg - Honorarfrei, Verwendung nur im Zusammenhang mit o.g. Sendung bei Nennung "Bild: SWR/JŸrgen Schadeberg" (S  2). SWR-Pressestelle/Fotoredaktion, Tel. 07221/929-2287,-3852 oder Fax -2059.
Madibas Magie
Warum Mandela Geschichte geschrieben hat und andere nicht.

Auch im Gefängnis „Zonderwater“ nahe der Hauptstadt Pretoria hat Mandelas Geist zugeschlagen. Dort strickten Hunderte Häftlinge vor kurzem mehr als 4.000 Decken und vereinten sie am benachbarten Sportplatz zu einem gigantischen Mandela-Gemälde - nur, um sie anschließend wieder zu zerpflücken.

4.000 Decken wurden auf einem Sportplatz zu einem gigantischen Mandela-Gemälde vereint.
4.000 Decken wurden auf einem Sportplatz zu einem gigantischen Mandela-Gemälde vereint.
Foto: MMM - Zonderwater/dpa

Am Mandela-Tag sollen die einzelnen Decken an Bedürftige gespendet werden. „Vielleicht stecke ich im Gefängnis. Aber diese Idee gab mir das Gefühl von Freiheit“, sagte der verurteilte Straftäter Lucas Booysen.

Verzaubertes Südafrika

Vom Township Soweto bis zum Villenviertel Camps Bay: Der Mandela-Zauber hat Südafrika fest im Griff. Und das wird sich bis zum 18. Juli nicht ändern. Perfekt wird der Moment, wenn der frühere US-Präsident Barack Obama - wie Mandela Friedensnobelpreisträger - in Johannesburg die jährliche „Mandela Lecture“ hält.

Der frühere US-Präsident Barack Obama hält in Johannesburg die jährliche „Mandela Lecture“.
Der frühere US-Präsident Barack Obama hält in Johannesburg die jährliche „Mandela Lecture“.
Foto: AFP

Und danach? Zurück zum Alltag in einer politisch und wirtschaftlich schwer angeschlagenen Nation. Denn trotz Aufruf der Verantwortlichen, „jeden Tag zum Mandela-Tag“ zu machen, brodelt es am Kap gewaltig: Jeder vierte Südafrikaner hat keinen Job, die Wirtschaft erholt sich nur langsam von der Regentschaft des skandalumwitterten Präsidenten Jacob Zuma.

Zuletzt kam es erneut zu Spannungen zwischen den einzelnen Volksgruppen. Stimmung wird von links und rechts gemacht.

Neuer Hoffnungsträger

Präsident Cyril Ramaphosa soll die südafrikanische Nation in eine bessere Zukunft führen.
Präsident Cyril Ramaphosa soll die südafrikanische Nation in eine bessere Zukunft führen.
Foto: AFP

Als Hoffnungsträger gilt Präsident Cyril Ramaphosa (65). Seit Februar im Amt, sorgte er bereits für Überraschungen, ob er im Township in Jogginghosen oder bei gewalttätigen Protesten als Vermittler auftauchte. Zudem sagte er Vetternwirtschaft den Kampf an.

„Es gibt verbindende Elemente zwischen Mandela und Ramaphosa“, meint Anthony Butler, Politprofessor an der Uni Kapstadt und Ramaphosa-Biograf. „Wie Mandela, ist auch Ramaphosa ein zielstrebiger Versöhner, der rivalisierende Gruppen und Personen zusammenbringt.“

Es ist kein Geheimnis, dass Mandela gerne Ramaphosa als seinen Nachfolger gesehen hätte. Vielleicht gelingt es ihm, jeden Tag in einen Mandela-Tag zu verwandeln.


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