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Macron gewinnt erste Runde - Le Pen erneut in der Stichwahl
International 3 Min. 11.04.2022
Wahl in Frankreich

Macron gewinnt erste Runde - Le Pen erneut in der Stichwahl

Emmanuel Macron hat gute Chancen auf eine zweite Amtszeit.
Wahl in Frankreich

Macron gewinnt erste Runde - Le Pen erneut in der Stichwahl

Emmanuel Macron hat gute Chancen auf eine zweite Amtszeit.
Foto: AFP
International 3 Min. 11.04.2022
Wahl in Frankreich

Macron gewinnt erste Runde - Le Pen erneut in der Stichwahl

Die erste Runde der Präsidentschaftswahl in Frankreich geht an Emmanuel Macron: Der Amtsinhaber liegt vor Marine Le Pen. Sozialisten und Konservative erleben eine krachende Niederlage.

Von Christine Longin (Paris)

Emmanuel Macron hat die erste Runde der Präsidentschaftswahlen gewonnen. Laut Prognosen des Meinungsforschungsinstitut Ipsos lag der Staatschef mit 27,60 Prozent vor der Rechtspopulistin Marine Le Pen mit 23,41. Bis zum frühen Montagmorgen waren nach Angaben des Innenministeriums 97 Prozent der Stimmen ausgezählt. Damit bestreiten die beiden Kandidaten wie schon 2017 die Stichwahl in zwei Wochen. 

Den dritten Platz belegte der Linksaußen Jean-Luc Mélenchon mit 21,95 Prozent, gefolgt vom Rechtsextremisten Éric Zemmour mit 7,1 Prozent. Der wegen Volksverhetzung verurteilte Fernsehkommentator dürfte sich für die Stichwahl mit Le Pen zusammentun, die damit ein größeres Wählerreservoir hat als Macron. Umfragen sagen für den 24. April ein knappes Ergebnis voraus.

Die einstigen französischen Traditionsparteien, die Konservativen und die Sozialisten, erlitten beide eine Blamage. Die konservative Kandidatin Valérie Pécresse kam nur auf 4,8 Prozent, die Sozialistin Anne Hidalgo auf 1,7 Prozent. Pécresse hatte bereits angekündigt, dass sie für die Stichwahl keine Empfehlung abgeben werde. Sie sprach von einer „persönlichen und kollektiven Enttäuschung“.  

Le Pen hatte auf den letzten Metern des Wahlkampfes deutlich zugelegt. Nachdem sie Anfang März noch zehn Prozentpunkte von Macron getrennt hatten, verringerte sie den Abstand zuletzt kontinuierlich. In den nächsten zwei Wochen will sie alle Gegnerinnen und Gegner des Präsidenten hinter sich vereinen und die Stichwahl so zu einem Anti-Macron-Referendum machen. Vor fünf Jahren hatte Macron mit 66 Prozent noch deutlich gegen die 53-Jährige gewonnen. 

Der Staatschef hatte seine Kandidatur erst spät angekündigt und dann kaum Wahlkampf gemacht. Zuletzt warnte er vor dem „Tandem“, das Le Pen zusammen mit Zemmour in der Stichwahl bilden werde. Die Anwältin hatte sich in den vergangenen Monaten ein gemäßigteres Image gegeben und ihrem Rivalen Zemmour die Hetze gegen Einwanderer überlassen. Durch einen Zusammenschluss mit dem 63-Jährigen rückt sie allerdings auch in den Köpfen ihrer Landsleute wieder weiter nach rechts. 

Marine Le Pen trifft in der Stichwahl erneut auf Emmanuel Macron.
Marine Le Pen trifft in der Stichwahl erneut auf Emmanuel Macron.
Foto: AFP

Zemmour, den 62 Prozent der Französinnen und Franzosen für eine Gefahr halten, müsste durch seine Unterstützung mit einem Regierungsamt belohnt werden. Der frühere Fernsehkommentator hatte bereits angekündigt, dass er im Fall einer Niederlage für die Parlamentswahlen kandidieren werde. „Am Morgen des 25. werde ich Präsident oder Oppositionsführer sein“, sagte er bei einem Fernsehauftritt. 

In den kommenden zwei Wochen dürften Le Pens Leute auch versuchen, die Wählerinnen und Wähler Mélenchons zu überzeugen. 21 Prozent von ihnen wollen in der Stichwahl für die Rechtspopulistin stimmen. Schwierigkeiten dürfte Le Pen allerdings durch ihre Nähe zum russischen Präsidenten Wladimir Putin bekommen. Ihrer traditionellen Wählerschaft, die meist der unteren Mittelschicht angehört, ist die pro-russische Haltung der Kandidatin relativ egal. Schwieriger wird es aber, damit konservative Wählerinnen und Wähler zu überzeugen.   

Der extrem rechte Publizist Éric Zemmour rief am Wahlabend zur Wahl von Marine Le Pen in der zweiten Runde auf.
Der extrem rechte Publizist Éric Zemmour rief am Wahlabend zur Wahl von Marine Le Pen in der zweiten Runde auf.
Foto: AFP

Wahlbeteiligung bei 74 Prozent

Wie schon 2017 dürften sich die konservativen Républicains, die mehrfach den französischen Präsidenten stellten, vor der Stichwahl in zwei Lager spalten: diejenigen, die Macron unterstützen und diejenigen, die sich nicht festlegen und damit die Tür zu einem Votum für Le Pen öffnen. Ex-Präsident Nicolas Sarkozy, der sich bisher nicht zu den Wahlen äußerte, könnte eine Empfehlung für Macron abgeben. 


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Der Staatschef dürfte bei der Stichwahl allerdings Schwierigkeiten haben, die republikanische Front wiederherzustellen, die ihm 2017 zur Wahl verholfen hatte. Die meisten Parteien hatten damals dazu aufgerufen, ihm gegen Le Pen die Stimme zu geben. Diesmal fehlt dem Präsidenten diese Unterstützung. Die Wahlbeteiligung lag bei knapp 74 Prozent und damit deutlich niedriger als vor fünf Jahren. Sie war allerdings nicht so schlecht wie 2002, als überraschend Le Pens Vater Jean-Marie gegen den Konservativen Jacques Chirac in die Stichwahl gekommen war.   

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