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Machtwechsel in Uruguay
International 2 Min. 28.11.2019

Machtwechsel in Uruguay

Anhänger des neu gewählten Präsidenten feiern am Donnerstag ausgelassen nach Bekanntgabe des Ergebnisses.

Machtwechsel in Uruguay

Anhänger des neu gewählten Präsidenten feiern am Donnerstag ausgelassen nach Bekanntgabe des Ergebnisses.
Foto: AFP
International 2 Min. 28.11.2019

Machtwechsel in Uruguay

Klaus EHRINGFELD
Klaus EHRINGFELD
Konservativer Präsidentensohn Lacalle Pou in Uruguay zum Staatschef gewählt. Es ist das Ende von 15 Jahren Mitte-links-Regierung.

Am Ende steht dann doch der Machtwechsel. Fast vier Tage musste die Wahlbehörde in Uruguay nachzählen bis feststand, was sich schon am Sonntagabend abzeichnete. Es gibt einen Rechtsruck in dem kleinen südamerikanischen Land, eingeklemmt zwischen den großen Nachbarn Argentinien und Brasilien. Es enden nun 15 Jahre Mitte-links-Regierung der Frente Amplio und es wird ab März wieder ein konservativer Staatschef das Land führen. 

Luis Lacalle Pou, gerade 46 Jahre alt und Sprössling einer Politikerfamilie in dem südamerikanischen Land, erreichte bei der Nachzählung der Stimmen am Donnerstag einen uneinholbaren Vorsprung. „Uruguay hat einen neuen Präsidenten", schrieb seine Nationale Partei über den Kurznachrichtendienst Twitter. 

Der Vorsprung für Lacalle Pou gilt mittlerweile als uneinholbar.
Der Vorsprung für Lacalle Pou gilt mittlerweile als uneinholbar.
Foto: AFP

Sein Rivale Daniel Martínez vom Frente-Amplio-Bündnis räumte daraufhin seine Niederlage ein. „Wir grüßen den gewählten Präsidenten Luis Lacalle Pou. Morgen werde ich mich mit ihm treffen", schrieb er ebenfalls über Twitter. Später am Tag wurde eine Erklärung der Wahlbehörde erwartet.

Nach dem äußerst engen Abstimmungsergebnis bei der Wahl am Sonntag wollte die Wahlbehörde keinen Sieger ausrufen, sondern zunächst eine Nachzählung bestimmter Stimmen abwarten. Alleine das war schon überraschend, denn die Umfragen hatten Lacalle Pou zuvor einen sehr großen Vorsprung vorhergesagt. Aber am Wahlabend waren auf den konservativen Herausforderer lediglich 48,71 Prozent der Stimmen entfallen, auf den Regierungskandidaten 47,51 Prozent.

Urenkel von zwei rechten Präsidenten

Lacalle Pou hat die Politik in die Wiege gelegt bekommen. Er ist Sohn und Urenkel von zwei rechten Präsidenten. Der gelernte Anwalt gilt als detailversessener Arbeiter und ist ein guter Redner. Er erreichte schon mit 20 Jahren ein Abgeordnetenmandat, als er für seine Mutter nachrückte. Vor vier Jahren unterlag er in der Stichwahl noch dem amtierenden Präsidenten Tabaré Vázquez. Experten sagen, mit Lacalle Pou komme eine konservative, religiös geprägte Rechte an die Macht in dem kleinen Staat, der gerade gut drei Millionen Einwohner zählt.


A man votes at a polling station in Montevideo during Uruguay's run-off presidential election on November 24, 2019. - Voting got underway Sunday in Uruguay's run-off presidential election. (Photo by EITAN ABRAMOVICH / AFP)
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Der künftige Präsident hatte im Wahlkampf versprochen, die Wirtschaftssituation Uruguays zu verbessern. Das Wachstum hat sich in den vergangenen Jahren verlangsamt. In der Folge stiegen Arbeitslosigkeit und Haushaltsdefizit. Dabei ist Uruguay der wohlhabendste Staat in Lateinamerika. 

Mit 17.280 Dollar ist das Pro-Kopf-Einkommen nirgends in der Region höher. Aber Lacalle Pou will vor allem die Exportzölle für die Landwirte reduzieren und Anreize für mehr und schnelleres Wachstum schaffen. Hauptaugenmerk wird er aber auf den Kampf gegen die Kriminalität legen müssen.

Zunahme von Raub und Mord

Uruguay verzeichnet – vermutlich durch das Vordringen der Drogenkartelle – eine für das Land dramatische Zunahme an Raub und Mord in den vergangenen Jahren. Zwischen 2017 und 2018 stiegen die Morde nach offiziellen Angaben um 46 Prozent. 

Mittlerweile hat das ehedem so beschauliche kleine Land mit 11,8 Morden pro 100.000 Einwohner eine klassische lateinamerikanische Quote. In Ländern wie Deutschland, Österreich und Luxemburg liegt die Rate bei rund einem Mord pro 100.000 Einwohner.

Außenpolitisch könnte Lacalle Pou das kleine Land neu positionieren. Beobachter gingen davon aus, dass er einen konfrontativeren Kurs gegen die sozialistische Regierung von Nicolás Maduro in Venezuela fahren und die Beziehungen zu den USA intensivieren wird.



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