Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Machtkampf in Bolivien
International 6 2 Min. 10.11.2019

Machtkampf in Bolivien

Rebellierende Polizisten auf dem Dach eines besetzten Gebäudes.

Machtkampf in Bolivien

Rebellierende Polizisten auf dem Dach eines besetzten Gebäudes.
AFP
International 6 2 Min. 10.11.2019

Machtkampf in Bolivien

Auch Polizisten schließen sich jetzt den Protesten in Bolivien gegen den linken Präsidenten Evo Morales an. Seine Gegner werfen ihm Wahlbetrug vor und fordern seinen Rücktritt. Nun haben sie zwei staatliche Sender gezwungen, den Betrieb einzustellen.

(dpa) - Der Druck auf Boliviens Staatschef Evo Morales wächst: In mehreren großen Städten haben sich Polizisten Berichten zufolge den Protesten gegen ihn nach der umstrittenen Präsidentenwahl angeschlossen. Die Polizeiwache am Präsidentenpalast in La Paz verließ demnach am Samstag ihre Posten. Regierungsgegner unterbrachen zudem den Betrieb der staatlichen Sender Bolivia TV und Radio Patria Nueva.

Organisierte Gruppen hätten die Mitarbeiter der Sender bedroht und eingeschüchtert und sie dann gezwungen, ihre Arbeitsplätze zu verlassen, schrieb Morales am Abend (Ortszeit) auf Twitter. „Sie sagen, dass sie die Demokratie verteidigen, verhalten sich aber wie in einer Diktatur.“ Die Häuser der Gouverneure zweier Departments sowie das seiner Schwester seien angezündet worden.


24.10.2019, Bolivien, La Paz: Evo Morales, Präsident von Bolivien, spricht auf einer Pressekonferenz. Morales beschuldigte rechte Politiker und Militärs im Ruhestand, mit internationaler Unterstützung einen Staatsstreich vorzubereiten. Der seit 2006 amtierende Politiker erklärte sich zum Wahlsieger. Sein Herausforderer, der konservative Carlos Mesa, sprach von Wahlbetrug. Foto: Diego Valero/ABI/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Bolivien: Wahlsieger Morales wird Manipulation vorgeworfen
Boliviens linker Staatschef Morales entgeht knapp einer Stichwahl – dank der Besonderheiten des Wahlrechts. Sein Rivale Mesa spricht von Wahlbetrug. Auch die EU empfiehlt Morales, sich einem zweiten Wahlgang zu stellen.

Der linke Staatschef hatte einige Stunden zuvor in einer Fernsehansprache erneut von einem Putschversuch gesprochen und seine Anhänger aufgefordert, zu mobilisieren. Die Polizei ermahnte er, die Verfassung zu erfüllen. Der neu eingesetzte Polizeichef der bevölkerungsreichsten bolivianischen Stadt Santa Cruz, Miguel Mercado, sagte nach einem Bericht der Zeitung „El Deber“ vor einer Menschenmenge: „Ich unterstütze die Meuterei.“

Der Oppositionsführer Luis Fernando Camacho dankte der Polizei auf Twitter dafür, dass sie auf der Seite des Volkes stehe. Er bedankte sich auch bei den Streitkräften. Deren Oberbefehlshaber Williams Kaliman hatte auf einer Pressekonferenz erklärt, Soldaten würden nicht gegen das Volk vorgehen.

Morales rief zu Gesprächen der vier Parteien auf, die laut dem umstrittenen Ergebnis der Wahl vor drei Wochen im Parlament vertreten sind. Er starte diesen dringenden Aufruf, um den Frieden zu bewahren, twitterte Morales, der erste indigene Präsident des Andenlandes. Er bat Papst Franziskus sowie verschiedene Kirchen und internationale Organisationen, die Gespräche zu begleiten.


Demonstranten benutzen Baustoffplatten als Schilde bei Zusammenstößen mit der Polizei.
Demonstranten in Bolivien fordern Rücktritt von Staatschef Morales
Die Wahl vom 20. Oktober, die nach der offiziellen Auszählung von Morales gewonnen wurde, solle annulliert werden, forderten die Führer der Kundgebung in La Paz am Donnerstagabend (Ortszeit).

Der konservative Ex-Präsident Carlos Mesa, der bei der Wahl Zweiter geworden war, lehnte das Angebot ab. „Ich habe mit Evo Morales und seiner Regierung nichts zu verhandeln“, sagte er in einer Videoansprache. Morales müsse nun entscheiden, auf welchem Wege er das Amt verlassen wolle. „Verantwortlich für die Situation, die man einen Staatsstreich nennen könnte, ist Evo Morales, indem er einen riesigen Wahlbetrug begangen hat.“

Morales ist der dienstälteste Präsident des Kontinents. Bereits seit 2006 leitet der frühere Koka-Bauer die Geschicke Boliviens. Der 59-Jährige hatte sich zum dritten Mal zur Wiederwahl gestellt, obwohl die Verfassung nur eine Wiederwahl vorsieht. Morales überwand diese Hürde mit Hilfe der Justiz, die die Begrenzung der Amtszeiten als Verletzung seiner Menschenrechte bezeichnete.

Nach der ersten Runde der Präsidentenwahl am 20. Oktober erklärte er sich direkt zum Sieger, obwohl die Opposition, aber auch die Organisation Amerikanischer Staaten und die EU erhebliche Zweifel anmeldeten. Seitdem liefern sich Anhänger und Gegner von Morales fast täglich heftige Auseinandersetzungen.

Zwar floriert Bolivien - das Armenhaus Südamerikas - unter dem Sozialisten wirtschaftlich, doch sein zunehmend selbstherrliches und autoritäres Gehabe stößt immer mehr Bolivianern bitter auf. Vor allem die Menschen im wirtschaftlich starken Osten des Landes fühlen sich von Morales über den Tisch gezogen.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Morales: "Ich bin weiter Präsident"
Boliviens Langzeitpräsident Morales klammerte an der Macht, löste damit Unruhen im Land aus. Und auch nach seinem Rücktritt kann er im Exil nicht loslassen.
13.11.2019, Mexiko, Mexiko-Stadt: Evo Morales, Ex-Präsident von Bolivien, spricht bei einer Pressekonferenz im «Museum der Mexiko-Stadt». Morales war nach massiven Protesten und auf Druck des Militärs am 10.11.2019 nur drei Wochen nach seiner umstrittenen Wiederwahl zurückgetreten. Der Sozialist hatte sich nach der Abstimmung am 20. Oktober zum Sieger in der ersten Runde erklärt, obwohl die Opposition und internationale Beobachter erhebliche Zweifel angemeldet und ihm Wahlbetrug vorgeworfen hatten. Er ging daraufhin ins Exil nach Mexiko. (Wiederholung mit geändertem Bildausschnitt.) Foto: Gerardo Luna/NOTIMEX/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Bolivien: Evo Morales muss in die Stichwahl
Boliviens Staatschef strebt eine vierte Amtsperiode an. Er verfehlt jedoch die absolute Mehrheit in der ersten Wahlrunde. Sein Rivale Mesa feiert nach vorläufiger Auszählung die Aussicht auf eine Stichwahl.
18.10.2019, Bolivien, Uyuni: Evo Morales, Präsident von Bolivien, spricht bei der Einweihung eines Instituts. Am 20.10.2019 finden in dem Land die Präsidentschaftswahl statt. Staatsoberhaupt Morales bewirbt sich um eine vierte Amtszeit. Sein stärkster Herausforderer ist der Journalist Mesa. Foto: Enzo de Luca/ABI/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Lust auf noch mehr Wort?
Lust auf noch mehr Wort?
7 Tage gratis testen
E-Mail-Adresse eingeben und alle Inhalte auf wort.lu lesen.
Fast fertig...
Um die Anmeldung abzuschließen, klicken Sie bitte auf den Link in der E-Mail, die wir Ihnen gerade gesendet haben.