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Luxemburger in Wien: "Eine Freundin musste sich verstecken"
International 2 Min. 03.11.2020

Luxemburger in Wien: "Eine Freundin musste sich verstecken"

Eine Stadt in Habachtstellung: In den Wiener U-Bahn-Stationen patrouillieren am Dienstag zahlreiche Polizisten.

Luxemburger in Wien: "Eine Freundin musste sich verstecken"

Eine Stadt in Habachtstellung: In den Wiener U-Bahn-Stationen patrouillieren am Dienstag zahlreiche Polizisten.
Foto: AFP
International 2 Min. 03.11.2020

Luxemburger in Wien: "Eine Freundin musste sich verstecken"

Michael MERTEN
Michael MERTEN
Wien steht noch ganz unter dem Eindruck des Anschlags vom Montagabend. Ein Luxemburger, der seit elf Jahren dort lebt, berichtet, wie Freunde und er die Situation wahrnehmen.

Marc Weber ist 2009 zum Studium der Theater-, Film- und Medienwissenschaft nach Wien gegangen. Der 34-Jährige blieb in der Donaustadt, wurde Medienschaffender und bezeichnet sich selbst als „Luxemburgischer Kreativ-Allrounder im Wiener Großstadt-Dschungel“. Im Telefonat mit dem Luxemburger Wort ordnet er die aktuelle Lage ein.

Herr Weber, wie man hört, handelt es sich bei der Gegend des Anschlags um eine beliebte Ausgehzone; am Montagabend soll auch die letzte Möglichkeit gewesen sein, um vor dem Lockdown noch mal was trinken zu gehen.

Genau. Seit dieser Nacht ist die Vorgabe, dass man zwischen 20 Uhr und 6 Uhr morgens zu Hause bleiben muss, wenn man keinen besonderen Grund hat. Es war der letzte Abend, wo man noch mal legal etwas trinken gehen konnte, weil die Gastronomie schließen muss. Es war auch ein warmer Novemberabend, da war viel los. In der Gegend des Anschlags sind viele Bars, wo viele Studenten und ein jüngeres Zielpublikum unterwegs sind. Das sind viele verwinkelte Gassen, wo sehr viel los ist. Normalerweise sind da auch viele Touristen unterwegs; der Stephansdom ist nicht weit weg.


Opera guests leave the state opera under the supervision of armed policemen, in the center of Vienna on November 2, 2020, following a shooting. - Two people, including one attacker, have been killed in a shooting in central Vienna, police said late November 2, 2020. Vienna police said in a Twitter post there had been "six different shooting locations" with "one deceased person" and "several injured", as well as "one suspect shot and killed by police officers". (Photo by Joe Klamar / AFP)
Wiener Anschlag: Täter mit Pass aus Österreich und Nordmazedonien
Nach dem Terroranschlag in der Wiener Innenstadt, bei dem fünf Menschen starben, gibt es erste Erkenntnisse zum Attentäter. Der junge Mann war einschlägig vorbestraft.

Wann hat sich die Nachricht von dem Anschlag bei den Wienern verbreitet, und wie wurde das aufgenommen?

Bei mir war es so, dass ich mal einen ruhigen Abend haben wollte und das Handy weggelegt habe. Aber irgendwann habe ich gesehen, dass das Handy blinkt und so viele Nachrichten eintreffen. Ein Freund aus Luxemburg schrieb mir: Was ist denn bei dir los? Also habe ich das Fernsehen eingeschaltet und gesehen, dass es Schüsse in der Innenstadt gibt. Ich habe meinen Freunden geschrieben, ob alles okay ist.

Der Luxemburger Marc Weber lebt seit 2009 in Wien.
Der Luxemburger Marc Weber lebt seit 2009 in Wien.
Foto: Privat

Und denen geht es gut?

Ja, Gott sei Dank. Eine Freundin hat mir geschrieben, dass sie in der Nähe in einem Lokal war. Die haben sich dann dort versteckt und mussten mehrere Stunden drin bleiben, weil die Polizei sofort gesagt hat: Egal wo man ist, man soll drin bleiben. Es ist schon bedrohlich; ich wohne zwar etwa 15 Minuten weg und bekomme direkt nichts mit. Aber ich habe die Vorhänge zugezogen; man weiß ja nicht, wer da noch herumläuft. 

Also besteht immer noch die Sorge, dass da noch ein weiterer Attentäter herumlaufen könnte?

Diese Sorge ist auch heute früh noch da; man weiß es nicht genau. Daher sollen die Leute auf jeden Fall zu Hause bleiben. 

Die Straßen, in denen der Anschlag passierte, waren beliebte Ausgehviertel.
Die Straßen, in denen der Anschlag passierte, waren beliebte Ausgehviertel.
Foto: AFP

Wie sehen Sie den medialen Umgang mit dem Anschlag?

Das Problem war, dass zwei der größten österreichischen Medien, OE24 und Kronen Zeitung, sofort Videos veröffentlicht haben. Heftige Videos, wo Opfer angeschossen waren und überhaupt nicht geschützt sind. Die Videos wurden aber relativ schnell wieder runtergenommen, denn es gab großen Protest. Beim österreichischen Presserat sind jetzt wohl schon über 1.000 Beschwerden eingegangen. 


03.11.2020, Österreich, Wien: Besucher verlassen nach einer Vorstellung das Burgtheater am abgesperrten Ring. Bei einem Terrorangriff in der Wiener Innenstadt sind am Abend mehrere Menschen getötet und verletzt worden. Die Attacke von Wien geht nach den Worten von Österreichs Innenminister Nehammer auf das Konto mindestens eines islamistischen Terroristen. Foto: Herbert Neubauer/APA/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Wiener Anschlag: Luxemburger Student auf Weg der Besserung
Bei dem Terroranschlag in Wien war auch ein Luxemburger Student angeschossen worden. Die gute Nachricht: Er befindet sich auf dem Weg der Besserung.

Daran gibt es Kritik. Die Polizei hat aber auch den Aufruf an Privatleute gestartet, keine Bilder und Videos in sozialen Netzwerken zu posten.

Genau. Solche Videos haben sich die Menschen auch hin- und hergeschickt. Die Polizei hat aber nun eine eigene Seite gepostet, wo man solche Videos hochladen soll. Dort sind schon Tausende Videos hochgeladen worden, die die Ermittler nun auswerten können.

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