Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Luxemburger gegen "Brexit"
International 2 Min. 06.06.2016 Aus unserem online-Archiv
TNS-Umfrage in zehn europäischen Ländern

Luxemburger gegen "Brexit"

Anti-EU-Pins werden bei einer Versammlung der Brexit-Befürworter verteilt.
TNS-Umfrage in zehn europäischen Ländern

Luxemburger gegen "Brexit"

Anti-EU-Pins werden bei einer Versammlung der Brexit-Befürworter verteilt.
AFP
International 2 Min. 06.06.2016 Aus unserem online-Archiv
TNS-Umfrage in zehn europäischen Ländern

Luxemburger gegen "Brexit"

Pierre LEYERS
Pierre LEYERS
66 Prozent der Einwohner Luxemburgs sind dafür, dass die Briten Mitglied der EU bleiben. Das ergibt eine Umfrage, die das Meinungsforschungsinstitut TNS-Ilres in der zweiten Maihälfte durchgeführt hat.

Von Pierre Leyers

Sollte das Vereinigte Königreich Mitglied der Europäischen Union bleiben, oder sollte es sie verlassen? Auf diese Frage werden die Briten am 23. Juni antworten müssen. Im Mai wurde sie von der Marktforschungsgruppe TNS den Bürgern in zehn Ländern der EU gestellt.

In Luxemburg führte TNS Ilres die Umfrage durch. Das Ergebnis zeigt eine überwältigende Mehrheit für den Verbleib – zumindest auf dem Kontinent. 66 der befragten Einwohner Luxemburgs sprachen sich für „Bleiben“ aus. 25 Prozent waren für „Gehen“, 9 Prozent unentschieden. Nur in Deutschland (79 Prozent) und in Irland (70 Prozent) ist der Anteil der Brexit-Gegner noch höher als in Luxemburg.

Der Fragebogen für das Referendum wird derzeit den Briefwählern zugestellt.
Der Fragebogen für das Referendum wird derzeit den Briefwählern zugestellt.
REUTERS

Auf der Insel selber sieht es anders aus: Dort wollen 43 der Briten für den EU-Austritt stimmen. 41 Prozent zählen sich zu dem Europa-Lager. 9 Prozent antworteten mit „weiss nicht“. Dieses Ergebnis bestätigt den zuletzt in mehreren Umfragen festgestellten Trend, dem zufolge Brexit-Gegner und Befürworter in Großbritannien gleichauf liegen.

Mehrheit sieht finanzielle Nachteile

Spannend sind die Ergebnisse auf eine weitere Frage. Sie lautet: Sollte Großbritannien die Europäische Union verlassen, stünde die EU dann finanziell besser, schlechter, oder gleich da? Hier antworten 40 Prozent der Briten, ihrem Land gehe es nach einer Entscheidung für die Trennung schlechter. 26 Prozent glauben nicht, dass ein Brexit einen Unterschied mache, und nur 8 Prozent glauben an eine Verbesserung. Dieses Ergebnis zeigt deutlich, dass sogar ein Teil der Befürworter eines Austritts mit negativen wirtschaftlichen Konsequenzen rechnet. In Luxemburg gehen 34 Prozent der Befragten davon aus, dass die Briten bei einem Brexit schlechter da stünden. 37 Prozent sehen keinen Unterschied.

Dieser britische Bürger zeigt eine klare Haltung gegenüber der EU.
Dieser britische Bürger zeigt eine klare Haltung gegenüber der EU.
AFP

In Dänemark, Finnland, Frankreich, Polen und Luxemburg fragten die Demoskopen, ob die EU im Falle eines Brexit besser oder schlechter funktionieren würde. In Luxemburg hielt sich die Zahl derjenigen, die mit einer Verbesserung rechnen (27 Prozent), mit denen, die mit einer Verschlechterung rechnen (28 Prozent), fast die Waage. 34 Prozent sehen keinen großen Unterschied, wie auch immer das Referendum am 23. Juni ausfallen wird. In Dänemark (46 Prozent) und in Finnland (42 Prozent) sind die Bürger, die mit einem schlechteren Funktionieren rechnen, deutlich in der Mehrzahl.

Auch Niederländer wollen Referendum

Nur in Irland, den Niederlanden, Dänemark, Finnland und Polen wurde die Frage gestellt, ob denn die Bürger in den jeweiligen Ländern ein ähnliches Referendum begrüßen würden. Während sich 61 Prozent der Iren gegen diese Idee aus sprachen, war eine klare Mehrheit von 38 Prozent der Niederländer für ein Referendum. 28 Prozent sprachen sich dagegen aus. In allen übrigen Ländern wurde ein Referendum über den EU-Verbleib abgelehnt.

Für die jetzt veröffentlichte TNS-Erhebung wurden pro Land etwa 1000 Einwohner über 18 Jahren im Zeitraum vom 19. bis zum 31. Mai befragt. In Luxemburg nahmen 868 Einwohner an der Umfrage teil. 


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Nach dem Volksentscheid über den Austritt Großbritanniens aus der EU beantragen mehr Briten, die in Luxemburg leben, die Luxemburger Nationalität.
 Seit Anfang des Jahres haben 64 Briten einen Antrag auf die Luxemburger Staatsbürgerschaft gestellt.
Der britische Botschafter John Marshall zum Brexit
So hatte sich John Marshall seine Mission wohl nicht vorgestellt. Seit er im März seinen Posten als britischer Botschafter in Luxemburg antrat, ist der Brexit das beherrschende Thema. Jetzt ist der Austritt Realität geworden.
Botschafter John Marshall: "All meine Luxemburger Gesprächspartner haben mir gesagt, dass sie den Entschluss des britischen Volkes bedauern, aber respektieren.".
Nach dem Brexit herrscht Katerstimmung auf der Insel. Die EU beginnt zaghaft mit der Zukunftsplanung. London tritt unterdessen auf die Bremse. Das Referendum sei ein Ausdruck der feigen Politiker, heißt es in der Presse.
Die EU-Außenminister machen bei einem Treffen noch einmal klar: Ein Brexit würde Folgen haben - für die EU und den Inselstaat. "Das Referendum ist kein Experiment", mahnte Jean Asselborn.
(From L to R) British Foreign Secretary Philip Hammond talks with Luxemburger Foreign minister Jean Asselborn, Slovakian Foreign minister Miroslav Lajcak and Cyprus Foreign minister Ioannis Kasoulides during a monthly Foreign Affairs meeting where foreign ministers will discuss extending sanctions imposed on Russia in 2014 over the Ukraine conflict, in Luxembourg on June 20, 2016. / AFP PHOTO / JOHN THYS
Zehn Fragen und Antworten zum Brexit
Mit den Briten hat es die EU noch nie so ganz einfach gehabt. Demnächst können sie entscheiden, ob sie Mitglied bleiben oder dem Club der 28 lieber den Rücken kehren wollen. Manche fürchten schon einen Dominoeffekt - doch es gibt auch noch andere Sorgen.
A woman hands out leaflets campaigning to stay in Europe for the BREXIT vote in London, Britain, May 20, 2016.  REUTERS/Kevin Coombs