Luxemburg verliert Rennen um EU-Bankenaufsichtsbehörde: "Die Chancen waren von Anfang an gering"
(miz) - Die Reaktionen lassen auf sich warten. Am Montagabend wurde in Brüssel entschieden, dass die europäische Bankenaufsicht EBA nach dem Brexit nicht nach Luxemburg umziehen wird, sondern nach Paris.
Luxemburg ist mit sieben anderen EU-Staaten ins Rennen gegangen, um den Sitz der EBA übernehmen zu können – und ging leer aus.
Während die Luxemburger Bankenvereinigung ABBL die Wahl nicht kommentieren will, kommt die Absage an Luxemburg für den LSAP-Abgeordneten Franz Fayot wenig überraschend: „Es war nicht falsch, dass Luxemburg eine Kandidatur abgegeben hat. Allerdings waren die Chancen von Anfang an gering, dass Luxemburg den Sitz bekommen würde“, sagt Fayot dem LW. Als einen der Gründe nennt Fayot den „Fakt, dass schon eine Reihe an europäischen Institutionen ihren Sitz in Luxemburg haben“. Auch kann die Entscheidung möglicherweise am Ruf liegen, den Luxemburg als Finanzplatz inne hat, so der Politiker.
Glückwünsche via Twitter
Premierminister Xavier Bettel ist von der Entscheidung zwar enttäuscht, gratulierte dem französischen Premier Emmanuel Macron aber bereits über Twitter.
Dem LW sagt er: „Zunächst habe ich zu gratulieren und ich habe auch sowohl Mark Rutte als Emmanuel Macron persönlich meine Glückwünsche übermittelt. Es ist schade, dass Luxemburg nicht als Standort für die Europäische Bankenaufsicht zurückbehalten wurde, denn unsere Kandidatur war definitiv eine der besten. Leider spielten hier politische Überlegungen eine größere Rolle als die Qualität der Bewerbung. Hinzu kommt, dass Luxemburg erst vor kurzem als Standort für die Europäische Staatsanwaltschaft bestimmt wurde. Das hat wohl eine Rolle gespielt.”
Für Nicolas Mackel von Luxembourg for Finance hatte Luxemburg keine andere Wahl als am Wettbewerb teilzunehmen: „Als Finanzplatz und europäische Hauptstadt konnte Luxemburg nicht nicht für den EBA-Sitz kandidieren“, so Mackel. „Wir haben uns aber nicht von vornherein darauf eingestellt, dass Luxemburg diese Wahl auch gewinnen wird. Die anderen Staaten haben schließlich auch eine Reihe an Vorteilen zu bieten.“ Laut Nicolas Mackel war die EBA-Wahl „ein rein politischer Prozess“, während dessen jeder seine Beziehung spielen gelassen hat. „Uns ist es wichtiger, dass Luxemburg für Finanzakteure weiterhin attraktiv ist und bleibt.“ Und was bedeutet die Entscheidung für Paris? „Es bedeutet, dass 150 Menschen mehr in Paris arbeiten und leben werden“, so Mackel.
Neuer Mieter gesucht
Für einen Teil des Moonlight-Gebäudes in der Route d'Esch muss nach der Entscheidung vom Montag ein neuer Mieter her. Es war von der Luxemburger Regierung für die EBA reserviert worden. „Es gab eine Anfrage. Die wird jetzt aufgehoben und dann suchen wir nach einem neuen Mieter“, heißt es von der Baufirma Giorgetti.
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