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London und Dublin vereinbaren neue Gespräche über Nordirland
International 2 Min. 26.04.2019 Aus unserem online-Archiv

London und Dublin vereinbaren neue Gespräche über Nordirland

Der irische Premierminister Leo Varadkar und die britische Premierministerin Theresa May besuchten die Beerdigung der im nordirischen Londonderry getöteten Journalistin Lyra McKee.

London und Dublin vereinbaren neue Gespräche über Nordirland

Der irische Premierminister Leo Varadkar und die britische Premierministerin Theresa May besuchten die Beerdigung der im nordirischen Londonderry getöteten Journalistin Lyra McKee.
Foto: AFP
International 2 Min. 26.04.2019 Aus unserem online-Archiv

London und Dublin vereinbaren neue Gespräche über Nordirland

Der gewaltsame Tod der Journalistin Lyra McKee hat die Politiker in Großbritannien und Irland aufgerüttelt. Sie wollen nun die Selbstverwaltung in dem britischen Landesteil wiederbeleben.

(dpa) - Mehr als zwei Jahre nach dem Zusammenbruch der Einheitsregierung in Nordirland haben London und Dublin Gespräche über deren Wiederbelebung vereinbart. 


(FILES) In this file photo taken on April 19, 2019 A handout picture released by Jess Lowe Photography on April 19, 2019 and taken on May 19, 2017 shows journalist and author Lyra McKee posing for a photograph in Belfast. - The killing of journalist Lyra McKee in Derry on April 18, 2019 marked the latest upsurge of violence in Northern Ireland -- where fears grow that a fragile and hard-won peace is increasingly at risk. (Photo by Jess LOWE / JESS LOWE PHOTOGRAPHY / AFP) / RESTRICTED TO EDITORIAL USE - MANDATORY CREDIT  " AFP PHOTO / JESS LOWE PHOTOGRAPHY "  -  NO MARKETING NO ADVERTISING CAMPAIGNS   -   DISTRIBUTED AS A SERVICE TO CLIENTS - TO GO WITH AFP STORY BY JOSEPH STENSON
Getötete Journalistin: "Neue IRA" bekennt sich, Frau festgenommen
Nach dem Tod einer jungen Journalistin im nordirischen Londonderry bekannte sich die "Neue IRA" zu der Tat.

Das teilten die Regierungschefs beider Länder am Freitag mit. „Wir haben uns auf einen neuen Prozess politischer Gespräche geeinigt mit allen wichtigen Parteien in Nordirland“, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung der britischen Premierministerin Theresa May und des irischen Regierungschefs Leo Varadkar.

Ausschlaggebend für die neuen Bemühungen war die große Anteilnahme an dem gewaltsamen Tod der Journalistin Lyra McKee vor einer Woche. Die 29-Jährige war am vergangenen Donnerstagabend bei Ausschreitungen in der Stadt Londonderry erschossen worden. Die militante katholisch-nationalistische Gruppe „Neue IRA“ bekannte sich zu der Tat, stellte sie aber als „tragisches“ Versehen dar. 

Die Journalistin wurde bei Ausschreitungen im nordirischen Londonderry "versehentlich" erschossen.
Die Journalistin wurde bei Ausschreitungen im nordirischen Londonderry "versehentlich" erschossen.
Foto: AFP

Die „Neue IRA“ ging aus Splittergruppen der Untergrundorganisation IRA (Irisch-Republikanische Armee) hervor, die zwischen 1968 und 1997 mit gewaltsamen Mitteln versuchte, eine Vereinigung der beiden Teile Irlands herbeizuführen. Erst mit dem Karfreitagsabkommen von 1998 endete der Konflikt, bei dem etwa 3.700 Menschen ums Leben kamen und 50.000 verletzt wurden.

Bei der Trauerfeier McKees in der St-Anne's-Kathedrale in Belfast waren am Mittwoch zahlreiche irische und britische Politiker aller Lager einträchtig versammelt. Die beißende Kritik eines Priesters fand unter den Trauergästen große Resonanz: „Warum in Gottes Namen braucht es den Tod einer 29 Jahre alten Frau, die ihr ganzes Leben noch vor sich hatte, damit wir an diesen Punkt gelangen?“

Die Regierungskoalition in Belfast, in der sich Katholiken und Protestanten die Macht teilten, war im Januar 2017 nach dem Rücktritt von Vizeregierungschef Martin McGuinness auseinandergebrochen. Der inzwischen gestorbene Politiker der katholischen Sinn-Fein-Partei hatte als Grund Differenzen mit dem Koalitionspartner, der protestantischen DUP, angegeben. Die Einheitsregierung war im Zuge des Friedensprozesses zwischen Katholiken und Protestanten vereinbart worden.

Die Hoffnungen, dass es bei den Gesprächen zu einem Durchbruch kommen könnte, gelten jedoch als gering. Trotz guten Willens zeichnen sich bisher keine Veränderungen bei den Positionen der Streitparteien ab. Ende Mai soll eine Zwischenbilanz gezogen werden.

Der irische Premierminister Leo Varadkar (rechts) und die britische PRemierministerin Theresa May (mitte) bei der Trauerfeier für die erschossene Journalistin Lyra McKee in der St Anne's Cathedral in Belfast.
Der irische Premierminister Leo Varadkar (rechts) und die britische PRemierministerin Theresa May (mitte) bei der Trauerfeier für die erschossene Journalistin Lyra McKee in der St Anne's Cathedral in Belfast.
Foto: AFP

Die Gesellschaft im britischen Nordirland ist tief gespalten in Protestanten, die sich als Briten verstehen und Katholiken, die sich als Iren definieren. Nur sieben Prozent der nordirischen Kinder besuchen gemischt-konfessionelle Kindergärten und Schulen. Viele Wohnviertel sind entweder katholisch oder protestantisch, oft getrennt durch meterhohe Mauern oder Zäune.

Zuletzt nahmen die Spannungen in Nordirland wieder zu. Befürchtet wird zudem, dass es zu neuen Gewaltausbrüchen kommen könnte, wenn wegen des geplanten EU-Austritts Großbritanniens wieder Grenzkontrollen zwischen Nordirland und der Republik Irland eingeführt werden müssen. Das wollen zwar alle Seiten verhindern, aber solange das Brexit-Abkommen nicht ratifiziert ist, ist die Gefahr nicht gebannt.

Für Katholiken, die eine Teilung der Insel ablehnen, wären neue Grenzkontrollen nur schwer zu akzeptieren. Die Grenzposten waren während des Bürgerkriegs häufiges Ziel von Anschlägen.


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