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London: Attentat entfacht Debatte über vorzeitige Haftentlassung
International 1 4 Min. 30.11.2019

London: Attentat entfacht Debatte über vorzeitige Haftentlassung

Die Polizei sperrte die London Bridge weiträumig ab.

London: Attentat entfacht Debatte über vorzeitige Haftentlassung

Die Polizei sperrte die London Bridge weiträumig ab.
Foto: AFP
International 1 4 Min. 30.11.2019

London: Attentat entfacht Debatte über vorzeitige Haftentlassung

Der Attentäter, der am Freitag zwei Menschen tötete, war ein verurteilter Terrorist, der vorzeitig auf Bewährung freigekommen war. Nun fragen sich die Briten, wie das geschehen konnte.

(dpa) - Nach dem Anschlag mit zwei Toten in London ist in Großbritannien eine Debatte über die routinemäßige vorzeitige Entlassung von Häftlingen entbrannt. Zuvor war bekannt geworden, dass der Attentäter Usman Khan, der am Freitag eine Frau und einen Mann nahe der London Bridge tötete, ein verurteilter Terrorist war, der vorzeitig auf freien Fuß gekommen war.

Die Entlassung war Medienberichten zufolge routinemäßig erfolgt. Die zuständige Kommission (Parole Board) teilte am Samstag mit, sie sei nicht an der Entscheidung beteiligt gewesen. „Ich habe seit Langem argumentiert, dass es ein Fehler ist, Schwer- und Gewaltverbrecher vorzeitig aus dem Gefängnis zu entlassen“, sagte Premierminister Boris Johnson (Konservative) am Freitagabend vor einer Sitzung des Nationalen Krisenstabs (Cobra).

Fragen über Fragen

 Der Attentäter war kein unbschriebenes Blatt.
Der Attentäter war kein unbschriebenes Blatt.
Foto: AFP

Der Londoner Bürgermeister Sadiq Khan von der oppositionellen Labour-Partei hinterfragte, ob die zuständigen Behörden ausreichend Mittel zur Verfügung hätten, um gefährliche Personen zu überwachen. Unklar ist, wie das Thema den laufenden Wahlkampf beeinflussen wird. Am 12. Dezember wählen die Briten ein neues Parlament. Für Samstag wurden mehrere Wahlkampfveranstaltungen abgesagt.

Der 28 Jahre alte Usman Khan hatte der Tageszeitung „The Times“ zufolge einen Anschlag auf die Londoner Börse geplant, bevor er 2012 zu 16 Jahren Haft verurteilt wurde. Außerdem wollte er demnach im pakistanischen Teil Kaschmirs ein Trainingscamp für Terroristen aufbauen. Er war bereits im Dezember 2018 unter Bewährungsauflagen auf freien Fuß gekommen, wie die Polizei mitteilte. Dem „Times“-Bericht zufolge trug er eine elektronische Fußfessel.

Keine Mittäter


TOPSHOT - Armed police with dogs patrol along Cannon Street in central London, on November 29, 2019 after reports of shots being fired on London Bridge. - The Metropolitan Police on Friday said several people were injured and a man was held after a stabbing near London Bridge in the centre of the British capital. (Photo by Ben STANSALL / AFP)
Attentäter von London war bekannter Terrorist
Wegen Terrordelikten saß er sechs Jahre im Gefängnis. Dann wurde Usman Khan im Dezember 2018 vorzeitig entlassen. Er hatte zugestimmt, eine Fußfessel zu tragen.

Nach Mittätern fahndete die Polizei zunächst nicht. Es werde aber mit Hochdruck ermittelt, um herauszufinden, ob weitere Personen an der Tat beteiligt waren, hieß es in einer Mitteilung von Scotland Yard. Eine Wohnung in der Grafschaft Staffordshire in Mittelengland wurde im Rahmen der Ermittlungen durchsucht. Die Polizei twitterte, die umfangreichen Absperrungen würden wohl noch einige Zeit in Kraft bleiben. Die Öffentlichkeit solle die Gegend meiden.

Begonnen hatte der Angriff am Freitag der Polizei zufolge in der Fishmonger's Hall, wo der Attentäter an einer Konferenz über Resozialisierung der Universität Cambridge mit dem Titel „Learning Together“ (Gemeinsam lernen) teilgenommen hatte. Er endete auf der London Bridge, wo Usman Khan von der Polizei erschossen wurde. Er trug einen Sprengstoffgürtel, der sich später als Attrappe herausstellte.

Heldenhaftes Benehmen von Passanten

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Berichten zufolge hatte der 28-Jährige gedroht, die Fishmonger's Hall, die ehemalige Halle der Fischhändler-Gilde in der City of London, in die Luft zu sprengen. Dort soll er begonnen haben, auf Menschen einzustechen. 


An armed police officer covers a cordon near London Bridge in London, on November 29, 2019 after reports of shots being fired on London Bridge. - A man wearing a suspected hoax explosive device was shot dead by armed officers on London Bridge on Friday after a stabbing spree, in what police said was a terrorist incident. (Photo by DANIEL SORABJI / AFP)
Zwei Todesopfer bei Messerattacke in London
Bei der Messerattacke in London am Freitag sind Medienberichten zufolge neben dem Angreifer zwei weitere Menschen ums Leben gekommen.

Er wurde dem „Times“-Bericht zufolge von einer Reihe von Männern in Richtung London Bridge verfolgt. Einer versuchte demnach, dem Attentäter mit einem Feuerlöscher ins Gesicht zu sprühen, ein anderer hatte sich den Stoßzahn eines Narwals geschnappt, das in der Gilde-Halle als Verzierung an der Wand hing. Gemeinsam soll es ihnen gelungen sein, dem Attentäter zwei Messer zu entwenden, die er mit Klebeband an seiner Hand befestigt hatte. Polizisten trennten schließlich die ringenden Männer und schossen auf Usman Khan, wie auf Videos zu sehen war, die im Internet kursierten.

Junger Extremist

Nun will man herausfinden, wie der Attentäter seinen Angriff planen konnte.
Nun will man herausfinden, wie der Attentäter seinen Angriff planen konnte.
Foto: AFP

Nun müsse man herausfinden, wie Usman Khan das Attentat ausführen konnte, sagte der Chef der britischen Anti-Terror-Ermittler, Neil Basu. Laut der Tageszeitung „The Guardian“ hatte der Richter bei Khans Verurteilung dessen Pläne als „ernsthaftes, langfristiges Projekt“ bezeichnet und gewarnt, der Mann könne ein dauerhaftes Risiko für die Öffentlichkeit darstellen. Usman Khan habe zu neun Extremisten gehört, die 2012 verurteilt worden seien. Er sei mit 19 Jahren der Jüngste der Gruppe gewesen.

Ursprünglich sollte Usman Khan nicht wieder freigelassen werden, es sei denn, er werde nicht mehr als Bedrohung angesehen. Diese Bedingung sei später aufgehoben worden.

Das Gebiet um die London Bridge bleibt bis auf weiteres abgeriegelt.
Das Gebiet um die London Bridge bleibt bis auf weiteres abgeriegelt.
Foto: AFP



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