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Liste der "America First"-Videos wächst: Nur Litauen will Dritter sein
International 7 4 Min. 08.02.2017 Aus unserem online-Archiv

Liste der "America First"-Videos wächst: Nur Litauen will Dritter sein

Halb Europa buhlt parodistisch um Platz zwei hinter Amerika. Litauen möchte lieber das Spiel um Platz drei gewinnen.

Liste der "America First"-Videos wächst: Nur Litauen will Dritter sein

Halb Europa buhlt parodistisch um Platz zwei hinter Amerika. Litauen möchte lieber das Spiel um Platz drei gewinnen.
Foto: Screenshot Youtube
International 7 4 Min. 08.02.2017 Aus unserem online-Archiv

Liste der "America First"-Videos wächst: Nur Litauen will Dritter sein

Tom RÜDELL
Tom RÜDELL
Die Niederlande veralberten Donald Trumps "America First"-Fantasie mit einem Video, andere zogen nach, auch Luxemburg. Mittlerweile finden sich 14 Länder und ein paar Städte auf der Liste. Und das Ergebnis ist durchaus komisch.

Von Tom Rüdell

So sieht ein Internet-Hype aus: Als die niederländische Satire-Show "Zondag met Lubach" sich mit einer Videoparodie auf Donald Trumps "America First"-Wahlkampfslogan bezog und sich so als zweitwichtigste Nation der Welt andiente, war das ein ziemlich guter Witz. Dass einige europäische Länder nachziehen würden, war abzusehen. Und so kamen aus Belgien, der Schweiz, Deutschland und Portugal recht schnell die jeweils eigenen "Werbevideos" mit satirischen Argumenten für den zweiten Platz hinter Amerika.

Portugal

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Etwas unerwarteter war dann schon die Luxemburger Version: Das Comedy-Format "Studio Ben" landete mit seinem Film einen vielbeachteten Youtube-Hit, der sich vor den größeren europäischen Ländern nicht verstecken muss. Der Film kratzt am Mittwoch zur Mittagszeit fast an der Millionen-Marke, was die Klicks auf youtube angeht.

Stolz und Vorurteile

Doch damit ist es noch längst nicht vorbei: Auf der Website everysecondcounts.eu, die die einzelnen, immer nach dem gleichen Muster gestrickten Filmchen zusammenfasst, sind mittlerweile 14 Videos gelistet. Und alle haben, wie das Original, gute Argumente und sorgsam ausgesuchte Vorurteile zu bieten - man will Trump schließlich überzeugen.

Moldawien

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Moldawien bietet den größten Weinkeller auf, in den im Falle einer atomaren Katastrophe alle reinpassen, "aber natürlich nicht die Rumänen!".

Litauen

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Litauens Gründervater Vytautas der Große hat "die dreckigen Deutschen schon besiegt, bevor das zum Trend wurde". Trotzdem sind die Litauer aber faire Sportsmänner und gestehen den Niederlanden, weil sie nunmal schneller waren, den zweiten Platz zu. Das geht aber natürlich wieder nicht ohne typisch Trumpsche Volte: "Jeder weiß doch, dass es besser ist, Bronze zu gewinnen, als im Finale zu verlieren."

Österreich

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Der österreichische Beitrag geht an die Grenzen des schwarzen Humors, die in Österreich aber immer schon etwas durchlässiger waren: Trump habe mal gesagt, er würde mit seiner Tochter ausgehen, wenn sie nicht seine Tochter wäre, heißt es da. Der Zuschauer ahnt, was jetzt kommen muss: Ein Bild des berüchtigten Josef Fritzl, verbunden mit der Aussage: "In Austria, that's quite okay." Natürlich fehlt auch der obligatorische Verweis auf Hitler nicht - man habe hier immerhin nicht nur den ersten, sondern auch den zweiten Weltkrieg erfunden.

Marokko

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Außer Konkurrenz, zumindest was die EU angeht, macht auch Marokko mit. Nur folgerichtig, sagt die Off-Stimme des Trump-Imitators: Schließlich sei Marokko das erste Land der Erde gewesen, das die Vereinigten Staaten anerkannt hat, bereits 1777. (Das stimmt übrigens tatsächlich.) Und vergleichbar sei man auch, schließlich hätte auch Marokko im 17. Jahrhundert eine "großartige Sklaverei" gehabt. Außerdem: Melania würde das marokkanische Staatsfernsehen sicher gefallen, viel besser als der "Fake News-Kanal CNN", sogar Schminktipps für Opfer häuslicher Gewalt werden gesendet. (Auch das stimmt, leider.)

Auch Städte preisen ihre Vorzüge

Die nächste Entwicklung in der Reihe der "America-First"-Filmchen geht nochmals tiefer: Es sind bereits die ersten Städte-Videos aufgetaucht.

Trier

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So hat zum Beispiel der regionale Fernsehsender OK54 aus Trier einen eigenen Film ins Netz gestellt, in dem die Schönheiten der ältesten Stadt Deutschlands gepriesen werden: "Vom Turm Luxemburg aus können wir illegale Einwanderer aus Luxemburg beobachten. Und das beste ist: Die Luxemburger haben dafür bezahlt. Wirklich."

Oostende

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Und aus Oostende kommt ebenfalls eine Bewerbung: Im "White House Hotel" direkt am Strand könne der Präsident übernachten, auch mit großen Mauern (gegen den Sturm) kenne man sich aus. Und einer der berühmten Söhne der Stadt, der Sänger Arno, habe mit "Putin, Putin" sogar ein Lied über Trumps "russischen Freund" geschrieben.

Landeskundliche Eulenspiegeleien

Muss man das nun alles lustig finden? Ansichtssache. In der Summe und vor allem in der hohen Frequenz (seit dem Holland-Video scheinen die Filme wie Pilze aus dem Boden zu schießen) sind die Videos aber durchaus bemerkenswert.

Denn sie folgen mit wenigen Ausnahmen stringent einem Stil: Sie greifen Trumpsche Denk- und Redemuster auf und setzen ihnen landeskundliche Eigenheiten entgegen. Diese sind entweder frei erfunden (Das Handelsschiff "Merkator", das im Hafen von Oostende für Touristen zu besichtigen ist, hat NICHT Amerika entdeckt, da kann der Off-Sprecher noch so überzeugend "it's true!" sagen). Oder sie sind, wie im österreichischen "Fall Fritzl", definitiv nichts, worauf man stolz sein könnte.

Den meisten Videos gelingt dieser humoristische Rundumschlag. Sie halten Trump UND dem eigenen Land den Spiegel vor. Und das ist, in weltpolitisch schwierigen Zeiten, durchaus von guter satirischer Qualität.

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