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Lindsay Hoyle ist neuer Präsident des britischen Unterhauses
International 2 Min. 04.11.2019 Aus unserem online-Archiv

Lindsay Hoyle ist neuer Präsident des britischen Unterhauses

Lindsey Hoyle am Montag im Unterhaus.

Lindsay Hoyle ist neuer Präsident des britischen Unterhauses

Lindsey Hoyle am Montag im Unterhaus.
Foto: AFP
International 2 Min. 04.11.2019 Aus unserem online-Archiv

Lindsay Hoyle ist neuer Präsident des britischen Unterhauses

Es sind große Fußstapfen, in die Lindsay Hoyle tritt. Ex-Parlamentspräsident John Bercow hatte das vergangene Jahrzehnt nicht nur mit seinen markanten Order-Rufen geprägt. Hoyle dürfte versuchen, weniger anzuecken als sein Vorgänger.

(dpa) - Lindsay Hoyle ist am Montag zum neuen Präsidenten des britischen Unterhauses gewählt worden. Der Labour-Abgeordnete setzte sich am Abend im vierten Wahlgang gegen seinen Parteifreund Chris Bryant durch. „Ich werde neutral sein, ich werde transparent sein“, sagte der 62 Jahre alte Politiker.

Der neue „Speaker of the House of Commons“ wird traditionell von seinen Kollegen zu seinem Stuhl gezerrt - eine Tradition aus früheren Jahrhunderten, als der Unterhauspräsident nicht selten in der Auseinandersetzung mit der Krone auf dem Schafott landete.


TOPSHOT - A handout photograph released by the UK Parliament shows UK Parliament Speaker John Bercow speaking in the House of Commons in London on October 21, 2019, on the European Union (EU) Withdrawal Act 2018 Motion. - UK Parliament Speaker John Bercow blocked British Prime Minister Boris Johnson from holding a vote Monday on his new Brexit divorce deal after MPs failed to back it on Saturday. "The motion will not be debated today as it would be repetitive and disorderly to do so," Bercow told lawmakers in the House of Commons. (Photo by JESSICA TAYLOR / UK PARLIAMENT / AFP) / RESTRICTED TO EDITORIAL USE - NO USE FOR ENTERTAINMENT, SATIRICAL, ADVERTISING PURPOSES - MANDATORY CREDIT " AFP PHOTO / Jessica Taylor /UK Parliament"
Der Dompteur von Westminster: John Bercow verlässt Parlament
Schrille Krawatten, wortgewaltig und von hohem Unterhaltungswert: John Bercow gibt sein Amt als Präsident des britischen Unterhauses auf. Im Streit um den Brexit hat er eine gewichtige Rolle gespielt.

Hoyle hatte eine Veränderung im Unterhaus versprochen. Es gehe darum, dass die Abgeordneten auf den hinteren Bänken die Regierung zur Rechenschaft ziehen könnten, hatte Hoyle in seiner Bewerbungsrede gesagt. Ein verantwortungsvoller Speaker müsse das unterstützen.

Hoyles Vorgänger John Bercow hatte vergangene Woche nach zehn Jahren das Amt abgegeben, wenige Tage bevor das Parlament für die vorgezogene Wahl am 31. Oktober aufgelöst wird. Dadurch wurde die Auswahl des neuen Speakers ungewöhnlicherweise am Ende statt zu Beginn einer Legislaturperiode getroffen.

Der Parlamentspräsident hat eine zentrale Rolle im Unterhaus inne. Er erteilt und entzieht Abgeordneten das Wort, entscheidet über die Zulässigkeit von Anträgen und vertritt die Kammer unter anderem gegenüber der Königin und dem Oberhaus (House of Lords).


31.10.2019, England, London: John Bercow, Präsident des britischen Unterhauses, trifft für seinen letzten Amtstag im Parlament ein und winkt. Bercow gibt heute (31.10.2019) sein Amt als Präsident des britischen Unterhauses auf. Foto: Stefan Rousseau/PA Wire/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
„Out of Order“: John Bercow nimmt Abschied
Der britische Parlamentspräsident scheidet nach zehn Jahren aus dem Amt. Seine Ordnungsrufe wurden zum Brüller.

 Bercow war der 157. „Speaker“ und seit 2009 im Amt. Er galt als großer Reformer, der den Hinterbänklern viel öfter das Wort erteilte als bis dahin üblich. Auch die Zahl der Dringlichkeitsdebatten nahm erheblich zu unter Bercow - Regierungsmitglieder mussten viel öfter Rede und Antwort stehen, als ihnen lieb war. Alte Zöpfe schnitt er ab. Beispielsweise verzichtete er auf das traditionelle Gewand des Speakers. Stattdessen trug er Anzug, oft schrille Krawatten und eine schlichte Robe. Perücken waren bereits unter seinen Vorgängern aus der Mode gekommen.

Doch er eckte immer wieder auch an. Im Streit über den geplanten EU-Austritt des Landes kritisierten ihn vor allem Brexit-Hardliner als parteiisch. Mehrmals setzte sich der 56-Jährige über Konventionen hinweg, damit sich die Abgeordneten im Streit mit der Regierung durchsetzen konnten.


A handout photograph released by the UK Parliament shows the speaker of the House of Commons, John Bercow gesturing as he speaks to MPs in the House of Commons in London on January 15, 2019, during the debate on the Brexit withdrawal bill. - Parliament is to finally vote today on whether to support or vote against the agreement struck between Prime Minister Theresa May's government and the European Union. (Photo by Jessica TAYLOR / UK PARLIAMENT / AFP) / RESTRICTED TO EDITORIAL USE - NO USE FOR ENTERTAINMENT, SATIRICAL, ADVERTISING PURPOSES - MANDATORY CREDIT " AFP PHOTO /JESSICA TAYLOR / UK Parliament"
Die Mutter aller Parlamente: Skurrile Traditionen im britischen Unterhaus
Brexit-Debatten in Westminster sind manchmal schwer zu ertragen, erst recht wenn man die Folgen bedenkt. Für Abwechslung sorgt der "Speaker of the House" John Bercow - nicht nur durch die Wahl seiner Krawatten.

Der ehemalige Konservative, als Speaker hatte er seine Parteizughörigkeit abgelegt, rechtfertigte das mit einem immer stärker autoritären Regierungsstil. Viele Parlamentarier lobten, er habe die Rechte des Unterhauses gegenüber der Regierung gestärkt.

Bereits in der Nacht zum Mittwoch soll das Parlament aufgelöst werden für die anstehende Neuwahl am 12. Dezember. Dann muss auch der „Speaker“ im Amt bestätigt werden; nach den Parlamentswahlen 2015 und 2017 geschah dies jeweils ohne Wahl.


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