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Lehrermord: Ermittlungsverfahren gegen Verdächtige eingeleitet
International 1 2 Min. 22.10.2020

Lehrermord: Ermittlungsverfahren gegen Verdächtige eingeleitet

Paris: Eine Menschenmenge versammelt sich auf dem Place de la Sorbonne, um auf einer Leinwand eine Hommage an den Lehrer Samuel Paty zu verfolgen.

Lehrermord: Ermittlungsverfahren gegen Verdächtige eingeleitet

Paris: Eine Menschenmenge versammelt sich auf dem Place de la Sorbonne, um auf einer Leinwand eine Hommage an den Lehrer Samuel Paty zu verfolgen.
Bertrand Guay/AFP/dpa
International 1 2 Min. 22.10.2020

Lehrermord: Ermittlungsverfahren gegen Verdächtige eingeleitet

In Frankreich läuft ein Ermittlungsverfahren gegen sieben Verdächtige. Zwei von ihnen sind noch Jugendliche.

(dpa) - Nach der Enthauptung eines Lehrers in Frankreich hat die Staatsanwaltschaft gegen mehrere Verdächtige Ermittlungsverfahren eröffnet. Sie wirft ihnen unter anderem Beihilfe zu einem Mord mit Terrorhintergrund vor, wie die Anti-Terror-Staatsanwaltschaft am späten Mittwochabend mitteilte. Verfahren wurden unter anderem gegen zwei 14 und 15 Jahre alte Schüler eröffnet und gegen den Vater, der im Netz Stimmung gegen Lehrer gemacht hatte.


TOPSHOT - People stand near flowers and placards reading "We will continue to teach freedom" as they gather in Strasbourg, eastern France, on October 18, 2020, in homage to history teacher Samuel Paty two days after he was beheaded by an attacker who was shot dead by policemen. - Thousands of people rally in different French cities on October 18 in a show of solidarity and defiance after a teacher was beheaded for showing pupils cartoons of the Prophet Mohammed. His murder in the suburb of French capital on October 16 shocked the country and brought back memories of a wave of Islamist violence in 2015. (Photo by FREDERICK FLORIN / AFP)
Kommentar: Das Gebot der Stunde
Gerade jetzt, nach der brutalen Enthauptung eines Lehrers in Paris, ist Aufklärung und Bildung mehr denn je das Gebot der Stunde.

Das 47-jährige Mordopfer Samuel Paty war am vergangenen Freitag in einem Pariser Vorort den Ermittlern zufolge von einem 18-Jährigen getötet und dann enthauptet worden. Der mutmaßliche Terrorist mit russisch-tschetschenischen Wurzeln wurde später von Sicherheitskräften erschossen. Sein Motiv war nach bisherigen Erkenntnissen, dass Paty im Unterricht Karikaturen des Propheten Mohammed gezeigt hatte. Staatspräsident Emmanuel Macron hatte direkt nach der Tat von einem islamistischen Terrorakt gesprochen.

Die 14 und 15 Jahre alten Verdächtigen wurden unter Justizaufsicht gestellt. Das bedeutet, dass sie unter Auflagen auf freien Fuß gesetzt werden. Der 18-jährige Angreifer kannte laut Ermittlern zwar den Namen des Lehrers und die Adresse der Schule, wusste aber nicht, wie Paty aussieht. Den beiden Minderjährigen wird nun vorgeworfen, den Lehrer für den mutmaßlichen Täter gegen Geld am Tag des Attentats identifiziert zu haben.

Wie den Jugendlichen wird auch dem Vater einer Schülerin Beihilfe vorgeworfen. Er hatte im Netz gegen den Lehrer mobilisiert, seine Entlassung gefordert und sensible Daten wie den Namen und die Adresse der Schule veröffentlicht, wie die Ermittler erklärten. Gegen einen Mann, der den Vater unterstützt hatte und laut Medien ein bekannter Islamist ist, wurde ebenfalls ein Verfahren wegen Beihilfe zu einem Mord mit Terrorhintergrund eröffnet.

Insgesamt wurden gegen sechs Personen Verfahren mit diesem Vorwurf eingeleitet. Gegen eine weitere Person wird unter anderen wegen des Vorwurfs der Beteiligung an einer kriminellen terroristischen Vereinigung ermittelt. Die Ermittlungsverfahren können am Ende zu einem Strafprozess führen, falls die Ermittler ausreichend Beweise gegen den Beschuldigten sehen.

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Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron hatte am Mittwochabend bei einer emotionalen Gedenkfeier zur Verteidigung der Freiheit aufgerufen.   


People gather on the Place de la Sorbonne in Paris on October 21, 2020, to watch a live broadcast on a giant screen of a national homage at the Sorbonne University to French teacher Samuel Paty, who was beheaded for showing cartoons of the Prophet Mohamed in his civics class. - France pays tribute on October 21 to a history teacher beheaded for showing cartoons of the Prophet Mohamed in a lesson on free speech, an attack that has shocked the country and prompted a government crackdown on radical Islam. Seven people, including two schoolchildren, will appear before an anti-terror judge for a decision on criminal charges over the killing of the 47-year-old history teacher. (Photo by Bertrand GUAY / AFP)
„Adieu Samuel“ - Frankreich nimmt Abschied von getötetem Lehrer
Ein Lehrer wird das Ziel eines mutmaßlichen Terroristen. Frankreich ist über den barbarischen Tod von Samuel Paty schockiert. Staatschef Macron sieht den 47-Jährigen als ein Vorbild.

„Wir werden nicht auf Karikaturen (und) Zeichnungen verzichten“, sagte er im Innenhof der Pariser Sorbonne-Universität mit Blick auf die Mohammed-Karikaturen, die weltweit Kontroversen ausgelöst hatten. Paty sei das Opfer einer tödlichen Verschwörung, von Dummheit, Lüge und Hass auf andere geworden, sagte Macron. „Wir machen weiter, (Herr) Lehrer!“ Das Verbrechen in einem Pariser Vorort hatte im ganzen Land Entsetzen ausgelöst. Am Wochenende gingen Zehntausende auf die Straße, um sich solidarisch zu zeigen.

Première Madame Brigitte Macron konnte nicht an der Zeremonie teilnehmen, weil sie Kontakt mit einem Corona-Infizierten hatte. Die ehemalige Lehrerin veröffentlichte daher einen Brief in Gedenken an Samuel Paty. Darin heißt es: Lehrer sein, bedeute Schülerinnen und Schüler Türen zu öffnen - denn die des Geistes und des Wissens seien unendlich. „All das, Samuel, wusstest du, und noch besser, du hast es verkörpert“, so Brigitte Macron weiter.


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