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AfD zum ersten Mal im Bundestag
International 2 Min. 24.09.2017 Aus unserem online-Archiv
Laut Prognosen

AfD zum ersten Mal im Bundestag

Die AfD-Spitzenkandidaten Alexander Gauland (l.) und Alice Weidel feiern ihren Sieg.
Laut Prognosen

AfD zum ersten Mal im Bundestag

Die AfD-Spitzenkandidaten Alexander Gauland (l.) und Alice Weidel feiern ihren Sieg.
AFP
International 2 Min. 24.09.2017 Aus unserem online-Archiv
Laut Prognosen

AfD zum ersten Mal im Bundestag

Mit der Alternative für Deutschland zieht laut Prognosen erstmals eine deutlich rechts der Christdemokratie stehende Partei in den Bundestag ein. In den Prognosen steht sie bei 13 Prozent. Der AfD-Chef droht Merkel.

Berlin (dpa) - Mit der Alternative für Deutschland (AfD) zieht laut ersten Prognosen erstmals seit den 1950er Jahren eine deutlich rechts der Christdemokratie stehende Partei in den deutschen Bundestag ein. Laut ersten Prognosen erreichte sie 13 Prozent.

2013 von Eurokritikern gegründet, sitzt sie bereits in 13 von 16 Länderparlamenten und im Europaparlament. In Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern ist die AfD zweitstärkste Partei. Sie hat rund 25 000 Mitglieder.

„Wir werden Sie jagen"

Der Spitzenkandidat der rechtspopulistischen Alternative für Deutschland, Alexander Gauland, hat das gute Wahlergebnis seiner Partei bei der deutschen Bundestagswahl als Kampfansage an die künftige Bundesregierung gewertet.

„Sie kann sich warm anziehen. Wir werden sie jagen“, sagte er am Sonntagabend in Berlin. „Wir werden uns unser Land und unser Volk zurückholen.“

Anti-AfD-Demo in Berlin

Parallel zum Erfolg der AfD haben sich am Sonntagabend in der Hauptstadt Berlin Demonstranten vor der Wahlparty der Rechtspopulisten versammelt.

Etwa 300 Menschen versammelten sich am Sonntagabend vor einem Hochhaus am Alexanderplatz, wo die AfD in einem der unteren Geschosse ihren Einzug in den Bundestag feierte.

Viele Demonstranten pfiffen, riefen Parolen wie „Haut ab, haut ab“ und „AfD Rassistenpack“ oder machten Krach mit verschiedenen Instrumenten. Darunter waren auch Vertreter linksradikaler Gruppen wie der Antifa. Auf einem Transparent stand „Rassismus ist keine Alternative“. Die Polizei war mit einem größeren Aufgebot vertreten.

Wiederholt Rechtsruck vorgeworfen

Die AfD will die Einreise von Flüchtlingen durch diverse Schritte - unter anderem sofortige Grenzschließung und eine Abschottung auch mit Zäunen - drastisch reduzieren und fordert eine „jährliche Mindestabschiebequote“. Sie lehnt Familiennachzug ab und will nur qualifizierte Fachkräfte einwandern lassen. Die AfD setzt auf ein traditionelles Familienbild und will eine „nationale Bevölkerungspolitik.“ Sie plädiert dafür, die Europäische Währungsunion „geordnet aufzulösen“.

Seit ihrer Gründung wurde der Partei wiederholt ein Rechtsruck vorgeworfen. Viele Vertreter des wirtschaftsliberalen Flügels, unter ihnen auch Mitgründer Bernd Lucke, sind schon wieder ausgetreten. Von den ursprünglich sieben Europaabgeordneten gehören nur noch zwei der AfD an. Die Partei wird in Deutschland nicht als rechtsextrem eingestuft, Sachsen-Anhalt lässt aber die Beobachtung des dortigen Landesverbandes durch den Verfassungsschutz prüfen.

Führende AfD-Politiker haben in Deutschland mit nationalistischen Äußerungen Empörung ausgelöst. Gegen den Thüringer Landesvorsitzenden Björn Höcke läuft ein Parteiausschlussverfahren, nachdem er in einer Rede das Berliner Holocaust-Mahnmal als „Denkmal der Schande“ bezeichnet und mit Blick auf den Nationalsozialismus eine „erinnerungspolitische Wende um 180 Grad“ gefordert hatte. Spitzenkandidat Alexander Gauland sagte kürzlich, die Deutschen dürften stolz sein auf „die Leistungen deutscher Soldaten“ im Ersten und Zweiten Weltkrieg.


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