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Lage auf der „Open Arms“ eskaliert
International 2 Min. 18.08.2019

Lage auf der „Open Arms“ eskaliert

Das Schiff "Open Arms" der Hilfsorganisation Proactiva Open Arms ankert vor der Küste von Lampedusa.

Lage auf der „Open Arms“ eskaliert

Das Schiff "Open Arms" der Hilfsorganisation Proactiva Open Arms ankert vor der Küste von Lampedusa.
Friedrich Bungert/SeaWatch/dpa
International 2 Min. 18.08.2019

Lage auf der „Open Arms“ eskaliert

Der Kapitän der „Open Arms“ hatte vor einer tickenden Zeitbombe gewarnt - nun haben erste Migranten auf dem Schiff die Nerven verloren. Nach zweieinhalb Wochen auf See sprangen sie ins Meer, um Land zu erreichen.

(dpa) - Frankreich will 40 der vom spanischen Rettungsschiff „Open Arms“ geretteten Menschen aufnehmen. Allerdings müssten es Flüchtlinge sein oder Menschen, die „internationalen Schutz“ benötigten, berichtete die Nachrichtenagentur AFP am Sonntag unter Berufung auf das Innenministerium.

Das Schiff liegt seit Donnerstag wenige Hundert Meter vor der italienischen Insel Lampedusa, darf aber weiterhin nicht anlegen.

An Bord befanden sich am Sonntag noch 107 der ursprünglich fast 160 Menschen, die die private Hilfsorganisation Proactiva Open Arms aus dem Mittelmeer gerettet hatte.

Italiens Innenminister Matteo Salvini hatte am Samstag 27 unbegleiteten Jugendlichen erlaubt, das Schiff zu verlassen und an Land zu kommen. „Gegen meinen Willen“, wie der Politiker mitteilte - und auch nur, weil Ministerpräsident Giuseppe Conte ihn zu dem Schritt aufgefordert habe.

Unterdessen sprangen verzweifelte Migranten am Sonntag ins Meer - offenbar um zu versuchen, die nahe gelegene italienische Insel Lampedusa schwimmend zu erreichen.

Spanien erlaubt das Anlegen

Spanien hatte zuvor der „Open Arms“ offiziell Algeciras in Andalusien als sicheren Hafen angeboten. Jedoch würde die rund 1 800 Kilometer lange Fahrt erneut mehrere Tage auf hoher See für die erschöpften Migranten bedeuten.

„Ich habe veranlasst, dass der Hafen von Algeciras für den Empfang der #OpenArms aktiviert wird“, twitterte der sozialistische Ministerpräsident Pedro Sánchez.

Die Option, nach Spanien zu fahren, sei „höchst unwahrscheinlich“, sagte ein Sprecher der spanischen Hilfsorganisation Proactiva Open Arms der Deutschen Presse-Agentur. Die Migranten, die sich in die Fluten stürzten, reagierten offenbar auf die Nachrichten aus Spanien.

Auf einem auf Twitter veröffentlichten Video war zu sehen, wie Helfer versuchten, die Migranten aufzuhalten und zu einer Rückkehr auf das Schiff zu bewegen.


ARCHIV - 04.01.2019, ---: HANDOUT - Dieses von Sea-Watch.org zur Verfügung gestellte Foto zeigt gerettete Migranten und neue Besatzungsmitglieder an Bord der «Sea-Watch 3». Die Kapitänin des Rettungsschiffs ist bereit, die Konfrontation mit der italienischen Regierung weiter eskalieren zu lassen. Wenn es keine Einigung über die Migranten an Bord gebe und das Schiff somit anlegen dürfe, sei sie bereit, ohne Erlaubnis in den Hafen der Insel Lampedusa zu fahren, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag. «Die Situation (auf dem Schiff) ist aktuell sehr angespannt.» Sie könne nicht mehr für die Sicherheit der Menschen an Bord garantieren. Manche drohten über Bord zu springen. Foto: Chris Grodotzki/Sea-Watch.org/dpa - ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung und nur mit vollständiger Nennung des vorstehenden Credits +++ dpa-Bildfunk +++
Weg frei für härtere Strafen gegen Seenotretter in Italien
Retter von Migranten im Mittelmeer können in Italien künftig noch härter bestraft werden, wenn sie mit ihren Schiffen unerlaubt in die Hoheitsgewässer des Landes fahren.

„Wir haben seit Tagen davor gewarnt, die Verzweiflung hat Grenzen“, schrieb Proactiva-Gründer Oscar Camps.

Die Regierung in Madrid kritisierte den italienischen Innenminister Matteo Salvini wegen dessen unerbittlicher Haltung scharf und sprach in einer Mitteilung von einer „unfassbaren Reaktion“ des rechten Politikers. Salvini entgegnete auf Twitter: „Wer hart bleibt, gewinnt.“

Obwohl ein Verwaltungsgericht in Rom dem Schiff die Einfahrt in die Territorialgewässer Italiens erlaubt hatte und es seit Donnerstag nur wenige Hundert Meter vor Lampedusa liegt, dürfen 107 Migranten weiterhin nicht von Bord.

Sechs EU-Länder hatten sich zuletzt bereit erklärt, Migranten zu übernehmen. Dennoch darf die „Open Arms“ bislang nicht in Italien anlanden.

Südlich von Sizilien wartete auch das Rettungsschiff „Ocean Viking“ mit 356 Migranten auf die Erlaubnis, in einen sicheren Hafen fahren zu können.

Die Organisationen SOS Méditerranée und Ärzte ohne Grenzen (MSF) hatten die Menschen in mehreren Einsätzen in Sicherheit gebracht. MSF twitterte zuletzt: „Wir wissen, was diese im Meer geretteten Menschen durchgemacht haben. Wir kennen den Horror in Libyen, vor dem diese Menschen fliehen.“


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