Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Kurz über Moria: "Nicht dieselben Fehler wie 2015 machen"
International 3 Min. 12.09.2020

Kurz über Moria: "Nicht dieselben Fehler wie 2015 machen"

Der österreichische Kanzler Kurz hält an seinem strengen Asylkurs fest.

Kurz über Moria: "Nicht dieselben Fehler wie 2015 machen"

Der österreichische Kanzler Kurz hält an seinem strengen Asylkurs fest.
Foto: Hans Punz/APA/dpa
International 3 Min. 12.09.2020

Kurz über Moria: "Nicht dieselben Fehler wie 2015 machen"

Der österreichische Kanzler lehnt die Aufnahme von Flüchtlingen aus Griechenland ab – nicht nur aus dem Ausland erntet er dafür Kritik.

(dpa) - Österreichs Kanzler Sebastian Kurz hat trotz politischen Drucks das Nein seiner Regierung zu einer Aufnahme von Menschen aus dem abgebrannten griechischen Flüchtlingslager Moria bekräftigt. „Wenn wir diesem Druck jetzt nachgeben, dann riskieren wir, dass wir dieselben Fehler machen wie im Jahr 2015“, sagte der konservative ÖVP-Politiker am Samstagmorgen in einer Videobotschaft auf Facebook.

In der damaligen Flüchtlingskrise hätten die „schrecklichen“ Bilder von Migranten am Bahnhof in Budapest dazu geführt, dass die europäische Politik dem Druck nachgegeben habe. Dann hätten sich mehr Menschen auf den Weg nach Mitteleuropa gemacht, erklärte Kurz.

Österreich wolle vor Ort für eine menschenwürdige Versorgung sorgen. Außerdem habe das Land in diesem Jahr 3.700 Kinder aufgenommen, sagte Kurz. Medien wiesen anschließend darauf hin, dass es sich dabei um Aufnahmen im Rahmen der Familienzusammenführung handeln müsse.

Streit in der türkis-grünen Koalition

Mit Blick auf das europäische Handeln sagte Kurz: „Was es nicht braucht, ist Symbolpolitik, sondern viel mehr braucht es echte, nachhaltige finanzielle Unterstützung für die betroffenen Gebiete, eine wirtschaftliche Perspektive für den afrikanischen Kontinent und einen effektiven Schutz unserer Außengrenzen.“ Zehn europäische Staaten haben sich zur Aufnahme von insgesamt 400 unbegleiteten Minderjährigen bereiterklärt, von ihnen wollen allein Deutschland und Frankreich je 100 bis 150 übernehmen.


11.09.2020, Griechenland, Moria: Ein Kind sitzt am Rande einer Straße in der Nähe des ausgebrannten Flüchtlingslagers Moria. Mehrere Brände haben das Lager fast vollständig zerstört. Laut griechischer Regierung haben Migranten den Brand gelegt. Das Lager ist eigentlich auf 2800 Bewohner ausgelegt, zuletzt lebten dort aber mehr als 12 000 Migranten. Foto: Socrates Baltagiannis/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Auch Luxemburg will Minderjährige aus Moria aufnehmen
Nach dem Großbrand im griechischen Flüchtlingslager Moria erklären sich zehn EU-Staaten bereit, sich an der Aufnahme von 400 unbegleiteten Minderjährigen zu beteiligen. Auch Luxemburg will helfen.

Um die Aufnahme von einigen der rund 13.000 Menschen aus Moria, die nach wohl von Bewohnern gelegten Bränden im vierfach überfüllten Lager auf der Straße ausharren, war in Österreich ein Streit bis in die Spitze der ÖVP-Grüne-Koalition entbrannt. Der grüne Vizekanzler Werner Kogler bekräftigte am Samstag noch vor Kurz' Rede im ORF-Radio, er wolle weiter mit der ÖVP darüber verhandeln. „Wenn das der Herr Söder schafft und jetzt auch der niederländische Premier, der Herr Rutte, ja dann kann das Österreich auch schaffen.“

Migranten protestieren auf Lesbos.
Migranten protestieren auf Lesbos.
Foto: AFP/Louisa Gouliamaki

Lesen Sie mehr zu diesem Thema