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Kritik an WEF in Davos: "Geschlossene Blase"
International 1 3 Min. 24.01.2020

Kritik an WEF in Davos: "Geschlossene Blase"

Davos war einmal mehr Treffpunkt des Weltwirtschaftsforums.

Kritik an WEF in Davos: "Geschlossene Blase"

Davos war einmal mehr Treffpunkt des Weltwirtschaftsforums.
Foto: AFP
International 1 3 Min. 24.01.2020

Kritik an WEF in Davos: "Geschlossene Blase"

Klima stand im Mittelpunkt der Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums. Die Aktivisten um Greta Thunberg ziehen jedoch eine negative Bilanz – und die USA wollen weiter nicht vom Klimawandel sprechen.

(dpa) - Die Klimabewegung Fridays for Future hat den Teilnehmern des Weltwirtschaftsforums (WEF) Untätigkeit vorgeworfen. „Wir hatten einige Forderungen, aber natürlich wurden diese Forderungen komplett ignoriert“, sagte die Aktivistin Greta Thunberg am Freitag vor Journalisten in Davos. „Wir haben nichts anderes erwartet.“ 

Die Schwedin Isabelle Axelsson kritisierte, der Fokus der 50. WEF-Jahrestagung habe nicht darauf gelegen, konkrete Lösungen im Kampf gegen den Klimawandel zu finden. Vielmehr seien technische Neuerungen diskutiert worden. „Aber wir können uns nicht auf etwas verlassen, das noch nicht existiert“, sagte Axelsson. 

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Die Schweizer Aktivistin Loukina Tille sagte, das WEF gleiche einer „geschlossenen Blase positiver Einstellungen, abgeschlossen von der Realität“. Aber solange die Teilnehmer sich weigerten, die Blase zu verlassen, werde sich nichts ändern. Die Aktivisten fordern unter anderem den sofortigen Ausstieg aus fossilen Energien. 

Dialog mit Siemens-Chef

Die deutsche Aktivistin Luisa Neubauer kündigte an, Fridays for Future werde die Wirtschaftschefs und Spitzenpolitiker an ihren Aussagen messen. „Wir erwarten, dass jedes einzelne Wort umgesetzt wird.“ Es sei das Geld der in Davos anwesenden Konzerne, Fonds und Individuen, das die Klimakrise antreibe. 


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Irritiert reagierte Neubauer auf Kritik von Siemens-Chef Jo Kaeser, die Aktivisten verweigerten sich einer Zusammenarbeit und verwirkten ihren moralischen Anspruch zur Kritik. „Es gehört zur Jobbeschreibung von Aktivisten, Konzernchefs verantwortlich zu machen“, sagte Neubauer. Sie habe sich in Davos erneut mit Kaeser getroffen. Das zeige, dass der Dialog weitergehe. 

Neubauer hatte ein Angebot von Kaeser abgelehnt, einen Sitz in einem Aufsichtsgremium des künftigen Unternehmens Siemens Energy zu übernehmen. Thunberg betonte, Kritik etwa von US-Präsident Donald Trump habe keinen Einfluss auf ihre Arbeit. „Wir können auf solche Sachen keine Rücksicht nehmen“, sagte sie. Trump hatte die Aktivisten in Davos als Schwarzmaler bezeichnet und mehr Optimismus gefordert.

USA reden lieber von "Umweltproblemen"

Zum Ausklang des Weltwirtschaftsforums in Davos ist der Graben zwischen den führenden Wirtschaftsnationen USA und Deutschland in der Klimapolitik noch einmal offen zu Tage getreten. Der Klimawandel sei nur eines von vielen Problemen, sagte US-Finanzminister Steven Mnuchin am Freitag auf einer Diskussionsveranstaltung mit Notenbankern und Politikern am letzten Tag des diesjährigen Jahrestreffens in den Schweizer Alpen. „Ich denke, wir sollten von Umweltproblemen sprechen und nicht vom Klimawandel“, sagte er. Probleme mit der Umwelt wolle er aber keineswegs kleinreden.

Es gebe den Klimawandel, sagte der deutsche Finanzminister Olaf Scholz. „Wenn wir das nicht managen, werden wir viele negative Konsequenzen erleben“, sagte er mit Blick auf die Erderwärmung. Das Problem müsse auch dadurch angegangen werden, indem Unternehmen Anreize erhielten, neue Techniken zu entwickeln und CO2-Ausstoß zu vermeiden. Der Zeitpunkt dafür sei jetzt gekommen. Auf andere zu warten, könne möglicherweise eine sehr gefährliche Strategie sein.

„Ungeachtet des 30-Jahresplans unserer deutschen Freunde: Technologie wird sich in den kommenden 30 Jahren sehr verändern“, so Mnuchin. „Ich glaube, es gibt keinen Weg, wie wir diese Risiken über die kommenden 30 Jahre in Modellen berechnen können“, sagte Mnuchin. „Wir überschätzen die Kosten“, fügte er an. Ein Preis auf den Verbrauch von CO2 sei eine Steuer für hart arbeitende Menschen.

Die USA waren unter Präsident Donald Trump aus dem Pariser Klimaabkommen von 2015 ausgetreten, was die Erderwärmung durch die Begrenzung von Kohlendioxid-Emissionen bis 2050 - also in 30 Jahren - auf maximal 2 Grad Celsius begrenzen sollte. Ziel ist es, nur 1,5 Grad Erwärmung zu erreichen. Deutschland will vom kommendem Jahr an mit einem Preis von 25 Euro je Tonne den Ausstoß von CO2 verteuern, um die eigenen CO2-Emissionen zu drücken. Auch andere Länder wie Luxemburg haben eine CO2-Bepreisung angekündigt.

Seit Dienstag hatten etwa 3000 Teilnehmer aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in den Schweizer Alpen über aktuelle Herausforderungen diskutiert.    


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