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Krim: Schüler tötet mindestens 17 Menschen
Armee und Polizei sperrten den Ort der Explosion weiträumig ab.

Krim: Schüler tötet mindestens 17 Menschen

AFP
Armee und Polizei sperrten den Ort der Explosion weiträumig ab.
International 2 Min. 17.10.2018

Krim: Schüler tötet mindestens 17 Menschen

In einer Schule auf der Krim ereignet sich ein blutiges Drama. Weil Russland noch nicht lange über die ukrainische Halbinsel herrscht, reagiert die Moskauer Staatsmacht äußerst nervös.

 (dpa) - Bei einem Angriff in einer Schule auf der Krim sind mindestens 17 Menschen getötet und mehr als 40 verletzt worden. Die russischen Behörden gingen am Mittwoch erst von einem Terroranschlag in der Stadt Kertsch aus. Sie setzten auf der ukrainischen Halbinsel, die Russland sich 2014 einverleibt hatte, starke Sicherheitskräfte in Marsch. Später wurde indes ein Schüler der Berufsschule als mutmaßlicher Täter identifiziert, so dass nur noch wegen Mordes ermittelt wird.

Der 18-Jährige soll in der Schule um sich geschossen und in der Kantine einen Sprengsatz gezündet haben. Dann habe er sich selbst umgebracht, teilte das Staatliche Ermittlungskomitee mit. Seine Leiche sei in der Bibliothek der Schule gefunden worden, sagte Krim-Regierungschef Sergej Aksjonow.

Der Sprengsatz detonierte in der Kantine der Berufsschule.
Der Sprengsatz detonierte in der Kantine der Berufsschule.
AFP

Präsident Wladimir Putin sagte, es sei klar, dass in Kertsch ein Verbrechen geschehen sei. „Die Motive und der Hergang werden sorgsam untersucht“, sagte er im Fernsehen. Die meisten Opfer waren jugendliche Schüler des berufsbildendenden Kollegs. Sie starben nach Angaben der Ermittler vor allem an Schusswunden. Die Bombe, die der Täter gezündet haben soll, war mit Metallteilen gespickt.

Auch Schuldirektorin Olga Grebennikowa sprach davon, dass vor der Explosion im Gebäude geschossen worden sei. Sie hatte die Schule kurz vor dem Vorfall verlassen. Im Internet kursierte ein Video, wie die erschütterte Frau dem Bildungsministerium der Krim telefonisch Bericht erstattet über das, was sie erfahren hat.

Der Videoausschnitt zeigt Polizisten, die vor einem Berufsschulgebäude in Kertsch stehen. Russlands oberste Ermittlungsbehörde hat nach der Explosion auf der Halbinsel Krim ein Verfahren wegen eines Terroranschlags eingeleitet.
Der Videoausschnitt zeigt Polizisten, die vor einem Berufsschulgebäude in Kertsch stehen. Russlands oberste Ermittlungsbehörde hat nach der Explosion auf der Halbinsel Krim ein Verfahren wegen eines Terroranschlags eingeleitet.
Tass/TASS/dpa

Kertsch liegt ganz im Osten der Halbinsel. Von dort führen eine Fährverbindung und seit diesem Jahr auch eine Brücke auf das russische Festland. Die Sicherheitsmaßnahmen an der Brücke wurden verstärkt. Auch vor dem Schulgebäude fuhren gepanzerte Mannschaftstransporter auf.

Nervöse Reaktion

Russland reagiert nervös auf alle Vorfälle auf der Krim, denn die Annexion der Halbinsel ist international nicht anerkannt. Die EU kritisiert sie als Bruch des Völkerrechts. Moskau fürchtet vor allem Unruhe unter den Krimtataren, die loyal zur Ukraine standen. Die Ukraine erhöhte ihrerseits die Sicherheit an den wenigen Übergängen von und zur Krim.


A Russian police officer leads her sniffer dog to check luggage for explosives at a left-luggage room at a railway station following the St. Petersburg metro blast that took place on April 3, in the Siberian city of Krasnoyarsk, Russia April 4, 2017. REUTERS/Ilya Naymushin
Das Attentat von St. Petersburg: Wer sind die Hintermänner?
14 Menschen sind bei dem Anschlag in Russlands nördlicher Metropole St. Petersburg getötet worden. Die Ermittler glauben, den Täter zu kennen. Doch wer oder was trieb den Mann aus Kirgistan zu der Tat?

Beim letzten großen Terroranschlag in Russland im April 2017 waren in der U-Bahn von St. Petersburg 14 Menschen getötet und mehr als 50 verletzt worden. Der Selbstmordattentäter war ein islamistischer Extremist aus Kirgistan in Zentralasien. Auch Amokläufe an Schulen hatte es Russland bereits vorher gegeben, allerdings nie mit so schweren Folgen wie in Kertsch. Bei einem Anschlag in Tschetschenien im August, den die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) für sich reklamierte, hatten die Drahtzieher Jugendliche auf Polizisten gehetzt.