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Kosovo gibt sich eine eigene Armee - und erbost Serbien
Ein Bataillon der Kosovo-Sicherheitskräfte (KSF), die jetzt zur Armee umgewandelt werden.

Kosovo gibt sich eine eigene Armee - und erbost Serbien

Foto: Gregor Mayer/dpa
Ein Bataillon der Kosovo-Sicherheitskräfte (KSF), die jetzt zur Armee umgewandelt werden.
International 3 Min. 14.12.2018

Kosovo gibt sich eine eigene Armee - und erbost Serbien

Der Kosovo, der jüngste Staat Europas, entschließt sich zum Aufbau eines eigenen Militärs. Eigentlich nichts Ungewöhnliches, könnte man meinen. Aber auf dem Balkan ist jede kleinste Veränderung des Status quo dazu angetan, woanders Ängste auszulösen.

(dpa) - Plötzlich sind Schüsse hinter dem kleinen Hügel im Übungsgelände der weitläufigen Kaserne in Gnjilane im Ostkosovo zu hören. Zwei gepanzerte Jeeps kurven mit Blaulicht heran, halten vor der Erhöhung. Soldaten in Kampfmontur springen heraus, nehmen zunächst hinter den Fahrzeugen Deckung. In aufgefächerten Reihen, die Sturmgewehre im Anschlag, erklimmen sie den Hügel von zwei Seiten. Es wird weiter geschossen. Schließlich ruft der Übungsleiter: „Der Feind wurde neutralisiert, die Mission ist erfüllt.“


Am 17. Februar 2008 hat der Kosovo seine Unabhängigkeit von Serbien proklamiert.
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Eine Einheit der Schnelleinsatzkräfte der Kosovo-Sicherheitskräfte (KSF) demonstrierte am Donnerstag, wie sie mit einer nicht näher definierten bewaffneten Bande fertig zu werden gedenkt. „Das kann jeder sein, der unsere Sicherheit bedroht: eine kriminelle Bande, organisierte Schmuggler, Terroristen“, sagt Oberstleutnant Berat Shala, der Kommandeur des Bataillons in Gnjilane. „Die KSF ist damit beauftragt, die zivilen Behörden im Land zu unterstützen, wenn dies nötig ist.“ Darauf bereiten sich Shalas Soldaten vor, dafür üben sie. 

Zumindest war es bisher so. Denn am Freitag beschloss das Parlament in Pristina neue Gesetze für die KSF. Diese sehen vor, die bisherige Katastrophenschutz-Truppe schrittweise in eine reguläre Armee umzuwandeln. Es ist ein Prozess, der auf zehn Jahre angelegt ist. Und an dessen Ende eine Streitmacht stehen soll, die gerade mal über eine Handvoll Haubitzen und Helikopter verfügen wird, aber weder über Kampfpanzer noch Flugzeuge. Die Nato-geführte Schutztruppe KFOR mit ihren 4000 Soldaten, darunter 440 Deutsche, bleibt weiterhin die geopolitische Sicherheitsgarantie für den jüngsten Staat Europas. 

Trotzdem sorgt der Schritt für starke Irritationen in der Region. Das heute fast nur noch von Albanern bewohnte Kosovo hatte früher zu Serbien gehört. Infolge eines langen Konflikts, in den 1999 die Nato eingriff, spaltete es sich von Serbien ab. 2008 erklärte sich das Kosovo zum unabhängigen Staat. Mehr als 100 Länder, darunter Deutschland, haben ihn anerkannt, nicht aber fünf EU-Mitgliedsländer, Russland, China sowie Serbien.

Belgrad ist über das Ansinnen der Kosovaren, sich eine eigene Armee zu schaffen, empört. Die serbische Minderheit im Kosovo laufe Gefahr, gewaltsam vertrieben zu werden, heißt es alarmistisch. „Wir werden nicht die Kriegstrommeln rühren“, sagte Serbiens Präsident Aleksandar Vucic am Donnerstag, „aber wir werden niemandem erlauben, das serbische Volk im Kosovo zu verfolgen und zu demütigen.“ Im Norden des Kosovos, einem kompakten Siedlungsgebiet der Serben, beflaggten am Freitag viele Bewohner ihre Häuser und Geschäfte trotzig mit serbischen Fahnen.


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Auch im Westen kamen Zweifel über die militärischen Ambitionen des Kosovos auf. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg bedauerte am Freitag das Votum in Pristina. „Wir haben klar gemacht, dass die Initiative zur Unzeit kommt“, hieß es in seiner Erklärung. Die USA und Großbritannien hingegen stärken Pristina den Rücken. „Das Votum über die Umwandlung der KSF ist ein historisches für den Kosovo“, twitterte der US-Botschafter in Pristina, Philip Kosnett. Die USA würden „die professionelle Entwicklung und Evolution der KSF“ zum regulären Militär unterstützen.

Die Armeegründung fällt in eine Zeit, in der die Spannungen zwischen Serbien und dem Kosovo wieder einmal dem Siedepunkt zustreben. Vor drei Wochen führte Pristina einen faktischen Blockadezoll in Höhe von 100 Prozent auf Waren aus Serbien ein. Der umstrittenen Maßnahme waren zahllose Schikanen Belgrads gegen den Kosovo vorausgegangen. So kämpft Serbien - zusammen mit Russland - beharrlich dafür, dass der Kosovo nicht in internationale Organisationen aufgenommen wird. Erst im Vormonat scheiterte das Ansuchen Pristinas, Mitglied im Weltpolizeiverbund Interpol zu werden. 

Die Regierung von Ministerpräsident Ramush Haradinaj steht unter immensem Druck. Die EU ziert sich weiter, den Bürgern des Kosovos die heiß ersehnte visafreie Einreise zu ermöglichen - obwohl Pristina die daran geknüpften Bedingungen schon lange erfüllt hat. „Nach all diesen Erfahrungen des Scheiterns kann Haradinaj mit den Zöllen und mit dem Armee-Projekt endlich bei der Bevölkerung punkten“, sagt ein westlicher Diplomat in Pristina.


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