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Der Teufel isst mit links
International 05.02.2018 Aus unserem online-Archiv
Kontroverse Vorschrift in der Türkei

Der Teufel isst mit links

Es ist „nicht wünschenswert”, beim Essen in der Türkei die linke Hand zu benutzen. Das hat nun das staatliche Religionsamt erklärt.
Kontroverse Vorschrift in der Türkei

Der Teufel isst mit links

Es ist „nicht wünschenswert”, beim Essen in der Türkei die linke Hand zu benutzen. Das hat nun das staatliche Religionsamt erklärt.
AFP
International 05.02.2018 Aus unserem online-Archiv
Kontroverse Vorschrift in der Türkei

Der Teufel isst mit links

Eric HAMUS
Eric HAMUS
Regierungskritiker, Kurden, Homosexuelle und Linke – viele Gruppen haben es schwer unter Staatschef Erdogan. Jetzt geraten auch alle jene in Bedrängnis, die Messer und Gabel verwenden - oder gar Linkshänder sind.

Von LW-Korrespondent Gerd Höhler

Regierungskritiker, Kurden und Kemalisten, Armenier, Schwule, Lesben und Linke: Dass unter Staatschef Recep Tayyip Erdogan viele Gruppen einen schweren Stand haben, ist keine Überraschung. Nun aber sorgt das staatliche Religionsamt für neue Aufregung: Unter Bedrängnis geraten nun jene Menschen, die beim Essen Messer und Gabel verwenden oder Linkshänder sind.

Es sei „nicht wünschenswert“, beim Essen die linke Hand zu benutzen, erklärte das staatliche Religionsamt Diyanet am vergangenen Samstag auf seiner Internetseite. Zur Begründung heißt es, der Prophet Mohammed habe es als „unangenehmen“ empfunden, wenn Menschen beim Essen die linke Hand benutzen. Mohammed habe dem Thema deshalb große Bedeutung beigemessen, weil „Dämonen mit der linken Hand essen und trinken“, erläutert die Behörde.

Danach sollen gläubige Muslime wohl beim Essen auf Messer und Gabel verzichten, weil die Benutzung von Besteck zwangsläufig die linke Hand involviert. Immerhin zeigt sich die Religionsbehörde tolerant gegenüber Menschen, die aufgrund einer körperlichen Behinderung ihre rechte Hand nicht benutzen können. „Wenn nötig“, sei es für diese Gläubigen statthaft, mit der linken Hand zu essen.

Die Religionsbehörde, die im neuen Präsidialsystem direkt dem strenggläubigen Staatschef Erdogan unterstellt ist, hat in jüngster Zeit bereits mehrfach mit kontroversen Vorschriften Aufsehen erregt. So erklärte Diyanet Anfang Januar, Mädchen seien bereits ab neun Jahren gebärfähig und könnten damit verheiratet werden. Jungen könnten ab dem Alter von zwölf Jahren heiraten. Im vergangenen Dezember hatte Diyanet entschieden, dass eine Ehe per SMS, Telefonanruf, Fax oder E-Mail aufgelöst werden kann. Es reiche, wenn ein Partner dem anderen auf einem dieser Wege drei Mal das arabische Wort „talaq“ (Scheidung) übermittle.


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